Victor Osimhen ist ein weiteres Paradebeispiel dafür, dass die Entwicklung junger Fußballer Geduld erfordert. Der 20-Jährige gehört zu den Shootingstars des OSC Lille, steht nach elf Pflichtspielen für den französischen Vizemeister bei acht Toren. Klubpräsident Gérard López bezeichnet ihn laut Sport1 als "einen der talentiertesten Angreifer der Welt" - und ein Verantwortlicher von Osimhens vorheriger Station ist sich sogar sicher, dass er Lille schon bald eine neue Rekordsumme einbringen wird.


Im Januar 2017 verpflichtete der ​VfL Wolfsburg Victor Osimhen für 3,5 Millionen Euro. Der U23-Afrika-Cup-Sieger und Nigerias Jugendspieler des Jahres 2015 erlitt zu Beginn jedoch eine Meniskusverletzung und fand daraufhin in der Autostadt nie wirklich den Anschluss.


16 Mal stand der Stürmer in anderthalb Jahren auf dem Platz, ein Tor wollte ihm nie gelingen. Im vergangenen Jahr wurde er an den RSC Charleroi verliehen, um sich dort zu rehabilitieren - und Osimhen gelang plötzlich der Durchbruch. In Belgien erzielte er in 36 Einsätzen 20 Tore, dank einer Kaufoption wurde er fest an den Tabellenneunten der abgelaufenen Saison gebunden.


Doch längst war klar, dass Charleroi ihn gewinnbringend verkaufen würde. Die investierte Summe von 3,5 Millionen Euro schmerzte dem Klub wenig, Anfang August wechselte Osimhen für 12 Millionen Euro zum OSC Lille. Der französische Erstligist ist bekannt dafür, Topspieler zu entwickeln, brachte unter anderem Eden Hazard, Rafael Leao, Lucas Digne, Divock Origi oder Nicolas Pépé hervor. 


Osimhen "wollte unbedingt zu Lille"


Diese Chance wollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen, wie Charleroi-Geschäftsführer Mehdi Bayat gegenüber France3 erklärte (zitiert via Sport1): "Wir hatten zwar finanziell lukrativere Angebote auf dem Tisch, aber Victor wollte unbedingt zu Lille." Der 40-Jährige ist sich sicher, dass der französische Vizemeister nicht mehr als eine weitere "Durchlaufstation" in seiner Karriere sein wird. "Er wird wechseln und Lille wird ihn zu seinem neuen Rekordabgang machen", glaubt Bayat. "So wie sie es mit Pépé gemacht haben, aber Osimhen wird meiner Meinung nach noch teurer." Zum Vergleich: Nicolas Pépé wechselte im Sommer für 80 Millionen Euro zum FC Arsenal.


Die Verantwortlichen des OSC Lille sollen Osimhen schon länger auf dem Schirm gehabt haben, hätten unter anderem verstehen wollen, "warum er in Wolfsburg so große Probleme hatte." Rückblickend sagt Klubpräsident Gérard López: "Wir haben dann schnell gemerkt, dass wir mit ihm einen der talentiertesten Angreifer der Welt unter Vertrag nehmen können."


Oshimen: Alle 121 Minuten ein Tor

Christophe Galtier nominierte ihn in zehn von elf Pflichtspielen für die Startelf, bei seinem Debüt gegen den FC Nantes (2:1) avancierte Osimhen mit einem Doppelpack zum Matchwinner. In Lille spielt er Champions League, erzielte beim 1:2 gegen den FC Chelsea im zweiten Gruppenspiel sein erstes Europapokaltor. "Er hat die Fähigkeit, auch aus wenig Chancen zu kreieren und Tore zu machen", schwärmt Galtier. Wettbewerbsübergreifend benötigt Osimhen nur 121 Minuten pro Tor, in der letzten Saison lag dieser Wert noch bei 147 Minuten (via transfermarkt.de).


Mit sieben Toren ist der 20-Jährige Lilles Top-Scorer in der Ligue1, den geteilten zweiten Platz belegen Loic Remy und Luiz Araujo mit je zwei Treffern. Wenn Lille am Samstag beim FC Toulouse gastiert, wird wieder ein Tor von Osimhen erwartet; und wenn er so weitermacht, ist es unwahrscheinlich, dass er seinen bis 2024 datierten Vertrag erfüllen wird.