Durch den erfolgreichen Saisonstart hat sich die Stimmung auf ​Schalke über die letzten Monate verbessert. Der aktuelle Lauf wird jedoch nicht ewig Bestand haben - einen möglicherweise schwierigen Winter gilt es zu überstehen.


Nach der letzten Saison mit all ihren Tiefen und noch tieferen Tiefen, war man auf Schalke vor der aktuellen Spielzeit skeptisch. Immerhin steht zu ganz großen Teilen noch immer die gleiche Mannschaft auf dem Platz und ein weiterer Umbruch benötigt seine Zeit. Mit David Wagner hat Schalke jedoch einen starken Start hinlegen können, sodass man mit dem siebten Spieltag sogar die vorübergehende Tabellenführung hätte übernehmen können. 


Wie jeder Fan und auch jeder Verantwortliche im Verein weiß: So wird es selbstverständlich nicht über die ganze Saison laufen. Auch Wagner betonte immer wieder, dass es früher oder später auch zu negativen Erlebnissen kommen wird - diese gilt es dann möglichst souverän zu überstehen. Der kommende Winter könnte so manche Gefahren beinhalten, und das aus völlig verschiedenen Richtungen. 


Bislang nur eine S04-Niederlage: auch das wird sich ändern


Auch wenn man es mit Schalke hält, wird man so realistisch sein und wissen, dass es auch noch zu mehreren Niederlagen kommen wird. Bisher hat man lediglich gegen ​Bayern München verloren (0:3), dazu kommen zwei Unentschieden und vier Siege. Dementsprechend gut ist auch die Stimmung und das Arbeitsklima. Wenn sich die ersten Niederlagen - gegen wen und wann auch immer - dazu gesellen werden, wird man eine erste Reifeprüfung der negativen Art überstehen müssen.

​Die Mannschaft hat ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen können, so Guido Burgstaller. Dass David Wagner die Erfahrung mitbringt, in England mit Huddersfield Town einen permanenten Underdog (erfolgreich) trainiert zu haben, kann dabei hilfreich sein. Die Stärke eines Teams liegt nicht nur in der Anzahl der Siege, sondern auch darin, wie man mit Rückschlägen umgeht. Die Voraussetzungen für das Überstehen solcher Rückschläge scheint gegeben. Dennoch wird man dies auch umsetzen müssen und auch die Mannschaft muss ebenfalls cool bleiben - immerhin weiß fast jeder Spieler noch genau, wie desaströs sich Unsicherheit auswirken kann.

Tönnies kehrt zurück - mögliche Unruhe von außen


Unruhe könnte es auch von Außen geben. Nach der dreimonatigen Sperre für den Aufsichtsrats-Chef ​Clemens Tönnies nach diskriminierenden Aussagen, wird er in wenigen Wochen in sein Amt zurückkehren. Damit wird er voraussichtlich auch wieder regelmäßig im Stadion vorzufinden sein. Dass diese Rückkehr nicht lautlos vonstattengehen und es dazu noch weitere (Nach-)Fragen geben wird, liegt auf der Hand.

Der mögliche Vorwurf, Unruhe in den Verein bringen zu wollen, ist dabei natürlich von der Hand zu weisen. Dass ein solch großes Thema, nachdem es in den letzten zwei Monaten sehr ruhig um Tönnies wurde, ​dann noch hochkommt, liegt in der Natur der Sache.

Neben dem Ziel der Stabilität und Kontinuität ist auch die Ruhe im Klub ein wichtiger Bestandteil einer mittel- und langfristigen Ausrichtung. So wird S04 auch diese Angelegenheit souverän meistern müssen, um die erfolgreiche Arbeit weiterhin zu gewährleisten. Sicherlich wird es zur Rückkehr auch noch einmal zu Statements der Fan- und Ultra-Gruppierungen kommen.

Schalker Transfer-Winter: Stürmersuche 2.0


Bereits während der Transferphase im Sommer war es ein offenes Geheimnis, dass Schalke noch einen weiteren Stürmer verpflichten möchte. Wagner baut Ahmed Kutucu langsam auf, womöglich wird dieser auch eher in der offensiven Dreierreihe hinter dem Mittelstürmer gesehen. Mark Uth ist bislang noch total außer Form und auch er könnte ein Kandidat für die Offensive hinter der Sturmzentrale sein. Bleibt mit Guido Burgstaller ein Stürmer, der zwar viel läuft, viel arbeitet und viel versucht, ​der allerdings auch noch immer kein Tor erzielen konnte.

Deshalb wird man im Winter erneut versuchen, sich auf der Position zu verstärken. Bisher war vor allem das stabile Mittelfeld für die Tore zuständig (Suat Serdar mit drei, Amine Harit mit vier Treffern), doch darauf wird man sich langfristig nicht verlassen können. Das Problem ist aber weiterhin bekannt: Die Königsblauen können nicht auf allzu viel Budget zurückgreifen.

Zwar konnte man rund fünf Millionen Euro durch ​die Vertragsauflösung mit Domenico Tedesco sparen, und auch ​Nabil Bentaleb soll verkauft werden. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass man sich zunächst erneut mit einer Leihe begnügen muss. Zwar nicht optimal für die Kaderplanung, aber eine vermutlich notwendige Aktion für die Rückrunde. Sportvorstand Jochen Schneider wird im gewohnt schwierigen Winter-Transferfenster versuchen müssen, einen torhungrigen Spieler zu finden, der vom Spielstil zum Team passt.

Die Zeit für Vertragsverlängerungen läuft immer weiter ab


Im nahenden Winter dreht sich der S04-Kosmos allerdings nicht nur um potenzielle neue Spieler. Auch innerhalb der bestehenden Mannschaft gilt es, die Kaderplanung weiter in Angriff zu nehmen. Wie die Bild berichtete, möchte man möglichst schnell und vorzeitig den Vertrag mit Suat Serdar (aktuell bis 2022) verlängern​, und auch Leistungsträger Harit ist derzeit nur bis 2021 an den Verein gebunden. 

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Stammspieler und Leistungsträger: Suat Serdar ist für Schalke enorm wichtig geworden



​Noch dringender ist die Situation in der Defensive. Mit Bastian Oczipka und Benjamin Stambouli hat man zwei Stammspieler, deren Arbeitspapiere bereits im kommenden Sommer auslaufen. Auch Daniel Caligiuris Vertrag ist nur bis 2020 gültig. So müssen die Verantwortlichen bereits jetzt schon den Kader zur Saison 2020/2021 planen und dementsprechend die etwaigen Vertragsverlängerungen angehen. 


Gut möglich, dass man gar nicht mit allen Spielern verlängern möchte, die zum Sommer - Stand jetzt - gehen werden. Doch auch solche Entscheidungen müssen möglichst souverän entschieden und kommuniziert werden. Wenn beispielsweise ein Fan-Liebling wie Stambouli gehen wird, könnten einige Fans Unmut fassen.