​Der ​VfB Stuttgart musste vor der Länderspielpause gegen Wehen Wiesbaden die erste Saisonniederlage hinnehmen. Nach der Partie schossen sich viele Kritiker zum wiederholten Male auf Neuzugang Atakan Karazor ein, der im defensiven Mittelfeld keine gute Figur abgegeben hatte. Sportdirektor Sven Mislintat ergriff für den Sechser nun jedoch lautstark Partei und betonte die Komplexität der taktischen Aufgaben im System von ​Coach Tim Walter.


Als Karazor in diesem Sommer für gerade einmal 800.000 Euro von Holstein Kiel an die Stuttgarter transferiert wurde, machte der Deal für alle Beteiligten Sinn. Schließlich hatte der defensive Mittelfeldspieler bereits bei den Störchen unter dem neuen VfB-Coach Tim Walter gearbeitet und kannte auch ​Sportdirektor Sven Mislintat den gebürtigen Essener aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Borussia Dortmund.


Karazor extrem selbstkritisch


Bislang erwies sich dieser Background für Karzaror aber sowohl als Segen aber auch als Fluch. Positiv war für den zentralen Mittelfeldakteur, dass er bei Walter schon vor Saisonbeginn ein Stein im Brett hatte und daher in den ersten Pflichtspielen unangefochtener Stammspieler war. Problematisch wurde es jedoch angesichts der Mentalität des selbstkritischen Rechtsfußes, der von sich eine Menge abverlangt.


Das Spielerprofil von Atakan Karazor:

Position​DMF​
​Alter​23
​Marktwert​1 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2023
​VfB-Spiele​9


(Marktwert laut transfermarkt.de)


Gegenüber der BILD bezeichnete nun auch Mislintat diese Herangehensweise als das größte Problem seines Schützlings. "Ata hat nur ein einziges Problem: Er sieht sich selbst zu kritisch. Und er versucht zu viel Verantwortung zu übernehmen, weil er aus Kiel schon kennt, was wir hier machen", so der 46-Jährige.


Gegenüber dem Boulevardblatt hatte Karazor jüngst sogar offenbart, wie sehr ihn die ihm gegenüber immer lauter werdende Kritik - vor allem auch von Seiten der Anhänger - ​ans Herz geht. Der Übergang von beschaulichen Kiel hin zum schwäbischen Traditionsverein offenbarte daher für den Sechser schon so manche Schattenseite. Seine Mitspieler stehen aber geschlossen hinter ihm und so soll er zuletzt aus einem vertrauensvollen Gespräch mit Routinier Mario Gomez neue Zuversicht geschöpft haben.


Mislintat kennt Gründe für negativen Eindruck


Geht es nach Mislintat macht Karazor seine Sache unterm Strich bislang aber bereits sehr gut. Dass er zuweilen von außen so negativ betrachtet wird, liege vor allem am mutigen Spielsystem der Stuttgarter, dass den defensiven Mittelfeldspielern kaum Fehler verzeiht. "Die Sechser-Position ist, gerade bei unserer risikoreichen Art Fußball zu spielen, die komplexeste und schwierigste.​ Wenn die Absicherung nicht funktioniert, kannst du als Sechser schon mal scheiße aussehen. Du wirst bestraft für etwas, das Teil unseres Prinzips ist", so der Kaderplaner.


Umso ärgerlicher sei es laut Mislintat daher, wenn sich die Kritiker des Neuzugangs lediglich auf die schwachen Momentes des VfB-Profis fokussieren. Dabei verwies der Sportdirektor auf die Niederlage gegen Wehen Wiesbaden, als Karazor eine beeindrucken Passgenauigkeit von 92 Prozent hingelegt hatte. Was hängen blieb, waren aber einzig und allein "der eine Fehlpass, den er spielt".


Mislintat benennt Karzors Qualitäten


Eigentlich ist der ehemalige Chefscout nicht gerade dafür bekannt, bei seinen eigenen Spielern regelrecht ins Schwärmen zu kommen. Um seinem angezählten Schützling nun aber demonstrativ den Rücken zu stärken, überschütte er ihn mit jeder Menge Lob: "Defensiv ist er für mich einer der besten Spieler der 2. Liga. Sein Defensiv-Kopfball ist brutal gut, er ist zudem der beste Ballgewinner in unserer Liga. Und im Ballbesitz spielt Ata immer noch einen sehr soliden Ball", so Mislintat.


Sollte es Karzor in den kommenden Wochen gelingen, sein Spiel weitestgehend fehlerfrei zu gestalten, könne er ein Niveau erreichen, dass ihm noch ganz andere Türen eröffnen würde. Dann nämlich würde er, so Mislintat, "nicht mehr lange bei uns spielen". Ob Mislintat durch seine Huldigungen nicht etwas übers Ziel hinausgeschossen ist, oder ob Karazor im zweiten Anlauf nun doch die Herzen der Stuttgarter Fans für sich erobern kann, werden die nächsten Wochen zeigen. An mangelndem Ehrgeiz wird der 1,90-Meter-Schlaks mit Sicherheit nicht scheitern.