​​Real Madrid gehört sei jeher zu den besten Fußballklubs der Welt. Arsène Wenger wiederum gehört(e) zu den besten Trainern der Welt. Viel Fantasie bedurfte es also nie, um diese beiden Namen miteinander zu verbinden. Doch trotz dreier Versuche vonseiten des Klubs kam es zwischen den beiden Parteien nie zu einer Zusammenarbeit. 


Dreimal klopfte Real an


Im Vorfeld der diesjährigen Preisverleihung der Laureus Stiftung in Monaco wurde der Elsässer über diese Avancen der Königlichen befragt (Quelle: marca.com). "Vielleicht habe ich einige Siege für die Loyalität geopfert", erkennt der Franzose die vertane Chance an, bei einem der prestigeträchtigsten Vereine der Fußball-Welt gearbeitet zu haben. 


Und so blieb Wenger ab dem Jahr 1996 nur einem Klub treu - den Gunners vom FC Arsenal. Mit ihnen gewann Wenger drei Meisterschaften und holte siebenmal den FA-Cup. Am beeindruckendsten war sicherlich der Meistertitel in der Saison 2003/04. Ungeschlagen ging Arsenal durch die Liga. Das hatte es in der Geschichte des englischen Fußballs zuvor nur einmal gegeben: Preston North End blieb in der allerersten Saison überhaupt (1888/89) ebenfalls eine komplette Spielzeit ungeschlagen. Danach wurden die Spieler von Preston "the invincibles" (Die Unbezwingbaren) genannt. In Anlehnung an diesen Begriff taufte man die Arsenal-Spieler im Sommer 2004 "the untouchables" (die Unberührbaren). 


Schon ein Jahr zuvor war Real Madrid an Wenger herangetreten - ohne Erfolg. Es kam damals zwar zu einem Treffen zwischen Florentino Pérez und Wenger in einem Pariser Hotel, doch Wenger zögerte. Am Ende überwog die Treue zu den Gunners. 


Die nachfolgende Untouchable-Saison ließ das Interesse natürlich nicht geringer werden. Zudem fanden 2004 bei Real Madrid Präsidentschaftswahlen statt. Einer der Kandidaten (Villar Mir) brüstete sich während des Wahlkampfes damit, bereits ein Abkommen mit Wenger erzielt zu haben. Doch am Ende gewann erneut Pérez - und der wusste bereits aus eigener Erfahrung um die Zögerlichkeit des Franzosen. Schließlich wurde in jenem chaotischen Sommer José Camacho, ehemaliger Real-Verteidiger und Nationaltrainer Spaniens, installiert - ehe dieser nach nur zwei Monaten (!) entnervt das Handtuch schmiss. 


Wenger, der in jenen Jahren sogar als Nachfolger von Rudi Völler als deutscher Nationaltrainer gehandelt wurde, beendete die damalige Saison 2004/05 mit dem vierten Triumph im FA-Cup. 

2009 versuchten es die Madrilenen erneut - doch der Straßburger hatte sich in London mittlerweile einen gottähnlichen Status erarbeitet. Und diesen wollte er nicht gegen das Pulverfass Real Madrid eintauschen. "Ich war am perfekten Ort für mich. Warum hätte ich gehen und das Risiko eingehen sollen, mich bei meiner Arbeit nicht wohl zu fühlen?", fragt Wenger rhetorisch. 


Ein erhellendes Datum: Während seiner Amtszeit in London, von 1996 bis 2018, verschliss Real Madrid neunzehn (!) Trainer. 


Runder Geburtstag naht


Die Arbeitsweise in einem und dem anderen Klub war einfach zu verschieden. Bei Arsenal hatte Wenger spätestens nach 2004 absolute und uneingeschränkte Macht. Bei Real wäre dies so nie möglich gewesen. So kam es am Ende nie zu einer Vereinigung eines der besten Vereine mit einem der besten Trainer der Welt. Und man kann sich fragen, was wohl aus beiden geworden wäre, hätten sie es einmal miteinander probiert. 


"The Boss", wie Wenger in England ehrfurchtsvoll genannt wird, wird kommende Woche runde 70. Doch auf's Altenteil schieben lassen will er sich noch nicht. Sogar ein Traineramt könne er sich vorstellen. 


In England jedoch wird er nie mehr einen anderen Klub trainieren als London. Dort verbrachte er sagenhafte 22 Jahre. Die besten seiner Karriere.