​Während und nach der letzten Fußballweltmeisterschaft in Russland wurde viel über die beeindruckende Offensive des Weltmeisters Frankreich geredet und geschrieben. Auch über Paul Pogba als Chef im Mittelfeld kommentierte man wohlwollend. Doch einer aus der equipe tricolore blieb meistens im Hintergrund - obwohl er einen Hauptanteil am Gewinn der zweiten Weltmeistertrophäe für Frankreich hatte. Für ​N´Golo Kanté könnte sich seine überragende Performance im letzten Sommer nun auszahlen - ​Real Madrid hat (mal wieder) angeklopft. 


Einer der besten Sechser der Welt


Das ist wohl das Schicksal der heutigen Sechser. Sie stehen meist ein wenig im Schatten der offensiven Hauptakteure. Dabei hat sich ihr Standing in den letzten Jahren eindeutig erhöht. Was aber für jede einzelne Position im Mittelfeld und in der Abwehr ebenfalls gilt. 


Wurde bis in die neunziger Jahre hinein fast ausschließlich über die berichtet, die die Tore schossen (oder wenigstens vorbereiteten), verteilt sich die mediale Aufmerksamkeit mittlerweile um einiges gerechter auf nahezu alle Mannschaftsteile. 


Deshalb auch wurde N´Golo Kanté wenigstens die Anerkennung der Experten zuteil, die 2018 in ihm eine der Säulen von Auswahltrainer Didier Deschamps sahen. Und sein Wirken während der vier Wochen in Russland als ursächlich für den späteren Siegeszug ausmachten. Für nicht wenige ist Kanté derzeit der beste Sechser weltweit (auch wenn er beim FC Chelsea paradoxerweise eher auf der Acht agiert).


In Madrid träumt man vom zweiten Makélélé


In Madrid kamen deshalb, und alles andere als überraschend, sofort Vergleiche mit Claude Makélélé auf. Der, ebenfalls Franzose, war einer der Bestandteile der Real-Mannschaft von 2002, die damals gegen Bayer Leverkusen den dritten Henkelpott binnen vier Jahren (nach 1998 und 2000) nach Madrid holen konnte. 


Es war die Ära der Galaktischen oder - alternativ - des Dream Teams oder des Weißen Ballets. Und auf allen Zetteln stand damals der Name Makélélé. Noch heute behaupten viele Real-Fans, dass der Verkauf des Franzosen der größte Fehler von Florentino Pérez überhaupt war. Makélélé hatte sich vorher vergeblich darum bemüht, sein Gehalt denen der Superstars wie Raúl, Figo, Roberto Carlos oder Zinédine Zidane angepasst zu bekommen. Was Pérez regelmäßig (und unter Kopfschütteln der Beobachter) negativ beschied. 


Und dann lief es ab, wie überall in diesem Geschäft: in London kriegten sie bei Chelsea Wind von der Sache und unterbreiteten dem Mittelfeld-Abräumer ein lukratives Angebot. Makélélé sagte zu - und war die längste Zeit Real-Spieler gewesen. Die Fans im Bernabéu sollten ihm auch noch Jahre danach nachweinen. Nicht zufällig begann ab 2003 eine mehr als zehnjährige Leidenszeit für die Königlichen in "ihrem" Wettbewerb, ehe sie 2014 endlich wieder reüssierten. 

Das alles muss man wissen, um das jüngste Gerücht um N´Golo Kanté einzuordnen. 


Wie jetzt mehrere spanische Medien (darunter as) übereinstimmend berichten, soll Real gewillt sein, im kommenden Sommer eine Mega-Offerte für den 38-maligen Nationalspieler abzugeben. Erst im Sommer, weil dann der über ​Chelsea verhängte Bannstrahl der UEFA (in Form eines einjährigen und zwei Wechselperioden umfassenden Verbotes, Transfers zu tätigen) beendet sein wird. Und natürlich bräuchten die Blues einen Ersatz für den Weltmeister. Wenn er denn tatsächlich gehen sollte. 


Reichen 100 Millionen + James?


Ursprünglich soll sein Preisschild 160 Millionen Euro betragen haben, und damit in etwa so hoch wie das von Paul Pogba gewesen sein. Doch bei Real hofft man, dass man den Kolumbianer James in die Operation miteinbeziehen kann. Dessen Marktwert wird immer noch auf 50 Millionen Euro beziffert. James + 100 Millionen = Kanté bei Real. Das ist die Formel der Spanier. 

Ob Chelsea letztlich mitspielt, bleibt abzuwarten. Kantés Vertrag in London läuft noch bis zum Sommer 2023. 


Doch die Entwicklung der letzten Jahre, in denen Chelsea in der Champions League kaum noch eine ernsthafte Rolle spielt, dürfte dem französischen Weltmeister auf Dauer zu wenig sein. Ewig warten kann der mittlerweile 28-jährige auch nicht mehr. Die Zeichen für einen Abgang von London nach Madrid sind gesetzt. N'Golo Kante würde dann den entgegengesetzten Weg beschreiten wie einst Claude Makélélé.