​Im Mai dieses Jahres war beim HSV dann endgültig Schluss für Hannes Wolf. ​Der finalen Entscheidung ging ein peinlicher Eiertanz voraus, der das sportliche Chaos nochmals für alle anschaulich zu symbolisieren schien. Mittlerweile hat Wolf den nötigen Abstand zu den Ereignissen in Hamburg gewonnen und genießt die (unfreiwillig) freie Zeit. Doch ganz ohne Fußball geht das natürlich nicht.


Hospitation bei Christian Streich


Um nicht völlig aus dem Rhythmus zu kommen, hospitierte Wolf bis vor kurzem beim Bundesligisten SC Freiburg. Kurioserweise weilte Wolf gerade zu dem Zeitpunkt im Breisgau, als die Mannschaft von Christian Streich sich auf ihre Begegnung gegen den BVB (Wolfs Herzensklub) vorbereitete. Spionagedienste für die alte Liebe hat Wolf aber keine geleistet. Die Kabine der Freiburger blieb für ihn tabu. 


"Aber ich habe mir alle Trainingseinheiten angeschaut und immer vorher und nachher mit Christian und seinem Team gesprochen. Das war schon ein Supereinblick. Es geht jetzt nicht darum, 15 Hospitationen zu machen, aber der Sonderfall Freiburg ist total interessant. Es ist schon beeindruckend, wie der SC konstant erfolgreich im Konzert der Großen mitspielt", kommentiert Wolf seine Erfahrungen im Schwarzwald im Interview mit dem Hamburger Abendblatt. 


Dass Wolf sich nicht außerhalb der Trainer-Gilde sieht, nur weil er im Moment ohne Engagement dasteht, belegt auch seine Anwesenheit bei der letzten Trainertagung in Mönchengladbach. "So eine Tagung, auf der man auch mal in Ruhe mit seinen Kollegen sprechen kann, macht Sinn und Spaß", sagt Wolf. Dann kommen natürlich unweigerlich die Fragen zu seiner Zeit beim HSV und zu den am Ende ausschlaggebenden Gründen für die Trennung. 


Das Zögern im Winter war der größte Fehler


Als größten Fehler bei sich selbst sieht Wolf das zögerliche Agieren während des Wintertransferfensters. "In der Winterpause wäre die Möglichkeit zur Intervention noch einmal da gewesen. Wir hatten eine sehr junge Mannschaft. Und auch wenn wir eine gute Hinserie gespielt haben, waren die Siege oft knapp und teilweise glücklich. Vielleicht hätten wir uns noch stärker bemühen müssen, Qualität von außen in die Gruppe zu bekommen. Ob das in der Winterpause überhaupt möglich gewesen wäre, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt Papier", resümiert Wolf nüchtern die damalige Situation. 


Doch obwohl der HSV bis auf Berkay Özcan keinen Spieler im vergangenen Winter dazuholte, sah Wolf seine Mannschaft durchaus auf dem richtigen Weg in Richtung Wiederaufstieg. 

"Es war klar, dass der Aufstieg kein Selbstläufer wird. Unserer Argumentation, dass uns die Rückkehrer wie Gideon Jung, Kyriakos Papadopoulos oder Pierre-Michel Lasogga nochmal stabilisieren, kann ich noch immer folgen. Als dann aber im Trainingslager Hee-chan Hwang und Aaron Hunt gefehlt haben, wurde auch in den Testspielen deutlich, dass wir ihre Qualität nur schwer ersetzen können. Wir hatten die Hoffnung, dass beide schnell wieder bei uns und fit sind. Die Realität sah leider anders aus." 


Wohl war. Am Ende regierte nur noch der Frust im Team (Holtby) und auch der verbalen Kraftmeierei eher unverdächtige Spieler wie Christoph Moritz machten ihrem Frust Luft. ​Moritz hatte jüngst mit deutlichen Worten die damalige Situation zwischen ihm und dem Trainer beschrieben. Für Wolf sei die Sache aber nach einem klärenden Gespräch mit dem Spieler schon wieder gegessen. 


Wolf rechnet mit Aufstieg des HSV


Auf die erwartbare Frage nach den Aussichten des HSV, den Wiederaufstieg im Mai 2020 zu schaffen, sagt Wolf mit mahnendem Zeigefinger: "Ja, ich denke schon, der HSV steigt auf. Allerdings hat es auch diese Zweite Liga in sich. Ich habe mir zuletzt das Spiel zwischen den nächsten beiden HSV-Gegnern Bielefeld und Stuttgart live im Stadion angeschaut. Der HSV hat da wirklich zwei schwere Aufgaben vor sich."