Der FC Bayern wollte in diesem Sommer eigentlich eine Verjüngungskur vollziehen. Da die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt mitunter aber peinlich und unprofessionell auftraten, wurde aus der geplanten Transferstrategie ein Improvisationstheater - an dessen Ende eine nicht unbedingt junge, aber ziemlich gute Mannschaft steht. 


Die jungen Wilden nämlich, etwa Leroy Sane, Timo Werner, Kai Havertz oder Callum Hudson-Odoi, konnten die Bayern (noch) nicht an die Säbener Straße lotsen. Stattdessen verpflichtete man mit Philippe Coutinho und Ivan Perisic zwei bei ihren Vereinen ausgediente Profis; die Verpflichtungen von Benjamin Pavard und Lucas Hernandez machten die Verantwortlichen schon viel früher im Sommer klar. Zwei Rumpfspieler also, zwei geplante Abwehrverpflichtungen  und mit Mickael Cuisance und Fiete Arp zwei Perspektivspieler. 90min schreibt ihnen ihr Transferzwischenzeugnis.


Philippe Coutinho


Einer der Rumpfspieler, die der FC Bayern als Transfer-Ersatz für Leroy Sane aus dem Hut zog. Kostete den Deutschen Meister bisher 8,5 Millionen Euro an Leihgebühr und im Sommer als Option weitere 120 Millionen Euro, um den Brasilianer fest zu binden. Ob ein Spieler eine solche Summe wert ist, kann kaum diskutiert werden. Aber: Coutinho übertrifft die Erwartungen in den ersten Wochen! Bei Barca nur noch Bankdrücker, sprüht Coutinho an der Isar wieder vor Spielfreude.

Seine Rolle beim FCB hat Coutinho auf seiner Lieblingsposition, der Zehn gefunden. Dort spielt er hinter Robert Lewandowski, mit dem er jetzt schon ein tödliches Duo bildet. Ob der letzte Sahnepass oder ein Hammer aus der Distanz - Coutinho hat einige Waffen, die den FC Bayern bisher deutlich besser machen. Zwei Tore und drei Vorlagen in seinen ersten acht Einsätzen für den neuen Arbeitgeber unterstreichen das.

Note: 1-

Ivan Perisic 


Rumpfspieler Nummer Zwei: Ivan Perisic. Bei Inter Mailand ausgemustert, aber durchaus noch mit den Qualitäten ausgestattet, einem Top-Club weiterzuhelfen. Beim FC Bayern wurde der ebenfalls ausgeliehen Perisic als B- oder C-Lösung begrüßt, ließ seine Kritiker jedoch ganz schnell verstummen. Der Kroate bringt nicht nur Erfahrung und Spielintelligenz mit, sondern schafft es sogar, die Mannschaft mitunter noch besser zu machen. Seine Physis und Laufbereitschaft in der Defensive fügen dem Spiel ein Element hinzu, das Serge Gnabry oder Kingsley Coman nicht aufbringen können.

Fünf Millionen Euro mussten die Bayern vorerst nach Mailand überweisen. Diese Summe wird sich auszahlen. Perisic spielt jedoch so stark, dass auch das Ziehen der Kaufoption (20 Millionen Euro) eine immer schwieriger abzulehnende Alternative wird. Zwei Tore und zwei Vorlagen in den ersten sechs Spielen zeigen, dass Perisic durchaus das Tempo beim FC Bayern mitgehen kann.

Note: 1-

Lucas Hernandez


Noch ist Philippe Coutinho nicht fest verpflichtet, also ist Lucas Hernandez weiter der Rekordtransfer des FC Bayern. Schon früh im Sommer machte der Deutsche Rekordmeister die Verpflichtung des französischen Weltmeisters fix, 80 Millionen Euro flossen dafür aus München nach Madrid. Viel Geld für einen Verteidiger. Hernandez durchlief bei Atletico allerdings eine der besten Defensivschulen der Welt, Ex-Trainer Diego Simeone betonte zuletzt, dass er Hernandez noch mehr als Antoine Griezmann hinterher trauert.


Das dürfte in München runter gegangen sein wie Öl. Immerhin drängt sich mehr und mehr der Eindruck auf, dass die Bajuwaren einen der besten Verteidiger der Welt verpflichtet haben. Hernandez' Trumpf ist - neben seinen ohnehin hervorstechenden Qualitäten - seine Variabilität. Der Franzose, gelernter Innenverteidiger, kann nicht nur als Linksverteidiger spielen, sondern wirklich als Linksverteidiger spielen! Inklusive Offensivdrang, guten Flanken und einem sauberen Passspiel. 


Hernandez sucht beim FC Bayern allerdings noch nach seiner Konstanz; was in dieser Frühphase der Saison okay ist. Verletzungsbedingt verpasste der Franzose bereits drei Pflichtspiele, beim DFB-Pokalspiel gegen Cottbus sammelte der Verteidiger zudem nur eine Minute Spielzeit. Aufgrund der Rotation von Niko Kovac und anhaltenden Verletzungssorgen im Abwehrverbund, muss Hernandez derzeit noch zwischen Innen- und Außenverteidigung springen, was die Findungsphase nicht gerade erleichtert.


Note: 3+


Benjamin Pavard


Für den Transfer von Benjamin Pavard wurden die Bayern nicht gerade überschwänglich gefeiert. Aber, schau an: Der Franzose spielt eine grundsolide Saison und profitiert enorm von seiner Flexibilität. In allen elf Pflichtspielen der Saison stand Pavard bisher auf dem Rasen, bereitete dabei zwei Tore vor und fand selbst einmal das Netz. "Er zeigt jetzt schon nach ein paar Wochen, dass er einer der besten Transfers werden wird, die wir je gemacht haben", freute sich Uli Hoeneß bereits gegenüber Sport1

Und bislang deutet Vieles darauf hin. 35 Millionen Euro überwiesen die Bayern für den französischen Weltmeister nach Stuttgart, die Investition scheint sich - entgegen der Erwartungen - für den Deutschen Rekordmeister auszuzahlen. 

Note: 1-

Mickael Cuisance 

Er war der wohl umstrittenste Transfer der Bayern; trotz großer Namen wie Coutinho oder Hernandez. Mickael Cuisance streikte sich aus seinem Vertrag bei Borussia Mönchengladbach. Warum? Weil er am Niederrhein zu wenig Spielzeit bekam, bis dahin aber auch noch keine sportlichen Argumente dafür sammeln konnte. Und die Geschichte wird nicht weniger witzig: stattdessen wechselte er zum FC Bayern, der für den divenhaften Franzosen auch noch stolze zwölf Millionen Euro auf den Tisch legte.

Bisher entwickelt sich die Geschichte wie erwartet. Cuisance spielt nicht - zumindest nicht bei den Profis. Bei denen ist im hochbesetzten Mittelfeld überhaupt kein Platz für den Youngster; 30 Minuten Bundesliga-Luft durfte Cuisance bislang für die Bayern schnuppern. Statt Oberhaus heißt es dritte Liga für den 20-Jährigen. Für die Reserve absolvierte Cuisance zwei Spiele und erzielte sogar einen ziemlich schönen Treffer. Potenzial ist da, klar - aber reicht es wirklich für den großen Wurf beim FC Bayern?

Note: 5+

Fiete Arp


Viel besser ist da auch Fiete Arp nicht dran. Beim ehemaligen HSV-Talent ist es die gleiche Leier: Beim FC Bayern ist nicht wirklich Platz für junge Spieler. Nach seinem Wechsel im Sommer vom HSV zum Deutschen Rekordmeister spielte Arp zwar eine passable Vorbereitung, seitdem aber kommt nicht viel mehr als heiße Luft. Der 19-Jährige spielt keine Rolle beim FCB, wartet noch auf sein Pflichtspiel-Debüt. Lediglich bei der Zweitvertretung durfte er in einem Spiel hinter das Leder treten. Zu allem Übel brach sich Arp nun auch noch die Hand und fällt vorerst aus. 

Note: 6