Jetzt mal ehrlich, wie viel Spaß macht die ​Bundesliga? Deutschlands Topliga sorgt nach dem Saisonstart vor sieben Spieltagen wieder für Furore. Underdogs, Stimmungsmacher und Gefühlsexplosionen treffen auf Enttäuschungen, ​Miseren und Regeländerungen, bei denen keiner mehr durchblickt. Bundesliga eben. 90min hat für euch mal die bisherige Saison unter die Lupe genommen und - teilweise mit Augenzinkern - die Tops und Flops der Liga zusammengefasst.


Top: Spannung

Selten war die Bundesligatabelle so ausgeglichen. Den ersten und zehnten Platz trennen gerade einmal sechs Punkte, gleich fünf Vereine haben 14 Zähler auf dem Konto. Jeder Klub in der oberen Tabellenhälfte hatte im Grunde schon die Chance auf die Tabellenführung. Aktuell darf es sich Borussia Mönchengladbach ganz oben bequem machen.


Flop: Führungen

Mats Hummels

Eine Führung erzielen - easy. Eine Führung halten - schwierig. Zumindest, wenn es nach der aktuellen Saison geht. Gerade der ​BVB kann von diesem Phänomen ein Lied singen. Drehten sie an den ersten beiden Spieltagen noch selbst einen Rückstand zu einem Sieg, kassierten sie zuletzt drei Unentschieden in Folgen, nachdem sie jeweils geführt hatten.


Top: SC Freiburg

Auch Deutschland hat ein unbeugsames Gallisches Dorf. Nur ist hier nicht Miraculix der Verantwortliche, sondern Christian Streich. Wirklich niemand hätte wohl erwartet, dass sich der ​Sportclub Freiburg nach sieben Spielen auf einem Champions-League-Rang gepachtet hat. Doch Freiburg spielt nicht nur erfolgreich, sondern auch ansehnlich. Die Breisgauer haben und machen Spaß.


Flop: Länderspielpausen

'Drei Spieltage hintereinander reichen, danach braucht jeder Fan eine Pause. Gut, dass es Länderspiele gibt.' Ich glaube, keinem Fan sind diese Worte je aus dem Mund gerutscht. Immer, wenn die Liga so richtig Spaß macht, durchkreuzen die gefühlt unzähligen Länderspiele den Ligarhythmus. Die Attraktivität der Wochenenden nimmt plötzlich ab, man weiß nicht mehr, was man mit der übrigen Zeit anfangen soll. Chaos entsteht, Autos brennen, Anarchie herrscht. Und warum? Weil die Bundesliga fehlt...


Top: Aufsteiger

In dieser Saison durfte man endlich wieder drei Aufsteiger begrüßen. Diese drei stehen allerdings ironischerweise in hübscher Reihenfolge wieder auf den Abstiegsrängen. Doch nicht nur als Punktelieferant sieht man ​Paderborn​Union Berlin und den ​1. FC Köln gerne in der ersten Liga. Während Paderborn trotz spielerischer Unterlegenheit immer offensiv mitspielt, macht sich Union Berlin vor allem durch die aktive Fanszene beliebt. Und der FC? Naja, der gehört irgendwie in die erste Liga, auch wenn er momentan nicht so spielt...


Flop: Regeländerungen

Tobias Welz,Steffen Baumgart

Ob die neue Handspielregelung, der Videobeweis oder die Karten für die Trainerbank - Die DFL sparte in diesem Jahr nicht mit Regeländerungen. Für den geneigten Fußballfan wird der Sport bald zum Schachspiel. Darf man jubeln? War das Hand? Für wen ist die Karte? Nicht nur sind die die neuen Regelungen verwirrend und teils immer noch nicht deutlich kommuniziert, sie werden auch unsauber angewendet und entschleunigen häufig unnötig das Spiel. Aber hey, der Trainer kann jetzt Rot sehen. 


Top: David Wagner

Man hätte ihm den Friedensnobelpreis überreichen müssen. David Wagner schaffte ein Ding der Unmöglichkeit. Er schaffte es, beim chronisch turbulenten ​FC Schalke 04 Ruhe einzukehren und sportlich erfolgreich zu sein. 14 Punkte und für Königsblau untypisch schönen Fußball spielt man auf Schalke unter Wagner. Das haben in dieser Phase der Saison wohl nur die wenigsten erahnt.


Flop: Bremens Verletzungsprävention

​Werder Bremen setzte in den vergangenen Spieltagen neue Maßstäbe. Nicht, was die sportliche Maßstäbe angeht, sondern verletzungstechnisch. In der Hansestadt ging die Seuche um, gefühlt war bereits jeder im Kader der Bremer schon mal angeschlagen. Auch wenn sich das Lazarett langsam lichtet und man unter den gegebenen Umständen gar nicht mal schlecht gespielt hat, sollte man hinterfragen, warum man zwischenzeitlich auf eine B-Elf zurückgreifen musste. Waren es die Trainingsmethoden, das Fitnesscoaching oder einfach nur Pech?


Top: Alessane Plea

​Borussia Mönchengladbach und ihr Topstürmer Alessane Plea haben eine ganz besondere Beziehung. Beide gleichen sich in ihren Leistungen immer an. Spielt Gladbach schlecht, ist Plea schlecht. Spielt Plea schlecht, ist Gladbach schlecht. Gut, dass es momentan umgekehrt ist. Der 26-Jährige ist aktuell ein Sinnbild für die gut aufgelegte Offensive der Fohlen. Je vier Tore und Vorlagen verbucht Plea in der aktuellen Saison. Damit ist er nicht ganz unbeteiligt an dem fantastischen ersten Platz der Borussia.


Flop: Clemens Tonnies

Clemens Tonnies

Der ​Rassismus-Skandal um den Schalke 04-Aufsichtsratvorsitzenden Clemens Tönnies schlug in den Medien hohe Wellen. Tönnies' Aussagen gegenüber Afrikanern wurde von nicht wenigen als offener Rassismus betitelt. Der Schalke-Ehrenrat wies eine Suspendierung des Bosses ab, der Rassismus-Vorwurf sei unbegründet gewesen. Tönnies selber legte sein Amt nieder - für drei Monate. Über den Inhalt und Form der Aussage lässt sich wohl streiten, allerdings verpasste der FC Schalke 04, in diesem Fall konkret Stellung und Rassismus ernst zu nehmen. Clemens Tönnies wiederum verlor bei vielen Anhängern das Ansehen.