Mit einem knappen Budget musste Jochen Schneider, ​Schalkes neuer Sportvorstand nach Christian Heidel, in seine erste Transferphase gehen. Es galt mit der Umstrukturierung des Kaders zu beginnen und die Mannschaft an wichtigen Stellen zu verstärken. Konnten die Neuzugänge dazu beitragen? Ein erstes Zwischenfazit.


Jonjoe Kenny

Jonjoe Kenny

Jonjoe Kenny war der erste, neu vorgestellte Neuzugang des Sommers. Auch wenn der 22-Jährige lediglich für ein Jahr ausgeliehen wurde, ist er bislang der wertvollste Neuzugang. Das macht sich recht schnell an seinen Einsatzzeiten bemerkbar: Jedes einzelne Pflichtspiel, sowohl in der Liga, als auch im DFB-Pokal, hat er in der Startelf begonnen und über die volle Distanz absolviert. 


Vom FC Everton ausgeliehen, haben ihn viele zunächst in der Backup-Rolle gesehen. Man konnte vermuten, dass Daniel Caligiuri vorerst als Rechtsverteidiger auflaufen wird. So kam es jedoch nicht, und schon in den ersten Spielen zu Saisonbeginn lieferte Kenny starke Leistungen ab. Er geht mutig und positiv aggressiv in die Zweikämpfe, er verkörpert das von David Wagner angeforderte Profil eines auch offensiv aktiven Außenverteidigers und er bringt spielerische Elemente ins Spiel. 


Dazu hat er bereits einen Treffer erzielen und zwei weitere vorbereiten können, während er sowohl für den August, als auch für den September als "Rookie des Monats" nominiert war (Sieger im August, September noch offen). Natürlich macht er auch ab und zu den einen oder anderen Fehler, verteidigt beispielsweise manche Flanken nicht konsequent genug. Dennoch, ​obwohl er "nur" ausgeliehen ist, ist er bereits jetzt eine starke Unterstützung gewesen. 


Note: 1-


Markus Schubert

Markus Schubert

Bislang konnte Markus Schubert noch kein Spiel für Schalke absolvieren. Der 21-jährige Torhüter kam ablösefrei von ​Dynamo Dresden, und auch wenn er noch keinen Pflichtspieleinsatz für seinen neuen Arbeitgeber zu verzeichnen hat, kann man diesen Transfer dennoch als gut und wichtig bewerten. 


Schubert gilt in weiten Teilen als ein weiteres, junges und vielversprechendes Torwart-Talent. S04 war nicht der einzige Verein, der den U21-Nationalkeeper verpflichten wollte. Dass er sich - zumindest in den ersten paar Monaten - hinter Alex Nübel anstellen muss, war zu erwarten. Nichtsdestotrotz hat er das Potenzial und den Willen, sich seine Spiele zu erkämpfen.


Dank des Transfers, der durch die fehlende Ablöse umso besser war, braucht man sich in Gelsenkirchen in dieser Saison überhaupt keine Sorgen zu machen, was das Tor angeht. Durch Schubert hat man einen zweiten, talentierten Torwart. Aufgrund der fehlenden Einsätze bleibt allerdings lediglich der Transfer an sich zu bewerten.


Note: -


Benito Raman

Benito Raman

Benito Raman kam, nach einer langen Hängepartie über einige Wochen, für rund sieben Millionen Euro von ​Fortuna Düsseldorf. Man erhofft sich viel Geschwindigkeit und Kreativität über die Außenbahnen, doch in seinen bisherigen Einsätzen konnte er das noch nicht zeigen. 


An den ersten drei Spieltagen kam Raman zum Einsatz, kein Mal über die vollen 90 Minuten. Das liegt auch daran, dass er noch immer mit seinen Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, wegen denen er bereits das erste Spiel im Pokal verpasste. Am meisten in Erinnerung blieb bisher lediglich die verpasste Großchance gegen ​Borussia Mönchengladbach, die anstatt im Tor beinahe noch im Seitenaus gelandet wäre. 


Weder ein Tor noch eine Vorlage konnte er in diesen drei Spielen bieten - allerdings waren darunter auch das bereits angesprochene 0:0 gegen Gladbach und die 3:0-Niederlage gegen ​Bayern München. Wenn er wieder fit ist und mehrere Spiele vollständig am Stück absolvieren kann, wird er beweisen müssen, dass er auch auf Schalke seine Leistung bringen kann. 


Note: 4


Ozan Kabak

Ozan Kabak

Der teuerste Transfer des Sommers war Ozan Kabak. Schalke aktivierte die Ausstiegsklausel von 15 Millionen Euro des 19-jährigen Innenverteidigers beim ​VfB Suttgart, die Michael Reschke (Technischer Direktor/Scouting) dort als ehemaliger Sportvorstand implementierte. Ähnlich wie bei Schubert setzt man auch bei ihm auf den langfristigen Weg. 


Kabak gilt als großes Talent in der Innenverteidigung. Durch eine komplizierte Fußverletzung, die er sich bereits am dritten Tag in Gelsenkirchen zuzog, musste er - bis auf eine Woche - die gesamte Saisonvorbereitung aussetzen und kann seit rund eineinhalb Monaten wieder vollständig fit trainieren und zum Spieltagskader gehören. Da Benjamin Stambouli und Salif Sané ihren Job derzeit sehr gut erledigen, kam Kabak bislang nur auf zwei kurze Einsätze nach Einwechslungen. 


Bei ihm erhofft man sich sportlich und finanziell eine gute Zukunft beim S04. Trotz seines jungen Alters hat er bereits jetzt das Potenzial, Stammspieler in der Verteidigung zu werden. Durch einen langfristigen Vertrag bis 2024 will man möglichst lange von einer Zusammenarbeit profitieren. Auch sein Transfer ist, unter normalen Umständen und bei gewohnten Leistungen Kabaks, als gut zu bewerten, aufgrund der fehlenden Einsätze jedoch nicht zu benoten.


Note: -


Juan Miranda

Juan Miranda

Ein weiterer junger Spieler, allerdings nur für zwei Jahre ausgeliehen, ist Juan Miranda. Er ist kurz vor Ende der Transferphase als Backup und Konkurrent für Bastian Oczipka geholt worden. Der 19-jährige Spanier war bereits Teil vieler spanischen U-Nationalmannschaften und er spielte seit 2014 in der Jugend des ​FC Barcelona


Er wartet, wie Kabak, noch auf seine Einsätze. ​Um die möchte er jedoch ab sofort kämpfen, wie er selbst sagte. Barca hat die Möglichkeit, ihn nach einem Jahr wieder zurückzuholen, doch das ist zum aktuellen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Mit Miranda hat man die Möglichkeit, auch auf der linken Seite (wie mit Kenny auf Rechts) einen Außenverteidiger spielen zu lassen, der ebenfalls offensiv denkt. Das braucht und möchte Wagner, und das ist Oczipkas Schwachstelle. Er wird in den nächsten Wochen auf seinen ersten Einsatz setzen.


Note: -


Fazit

Jochen Schneider

Aus der Not heraus musste Jochen Schneider im Sommer den ersten Schritt gehen, um den Kader mittel- und langfristig zukunftssicher zu gestalten. Dafür mussten zunächst wichtige Baustellen geschlossen und Spieler geholt werden, die zum neuen Spielstil des S04 passen. 


So musste man sich bei Jonjoe Kenny und Juan Miranda mit zwei Leihen begnügen, um die Situation der äußerst dünn besetzten Außenverteidiger-Positionen vorerst zu entschärfen. Kenny hat dabei schon sehr gute Leistungen abgerufen und ist bereits jetzt zu einer großen Unterstützung geworden. Auch der ablösefreie Transfer von Schubert war richtig. 


Einen Stürmer hat man jedoch nicht holen können, was nötig gewesen wäre. Insgesamt hat man aus den Mitteln, die man hatte, einen souveränen Sommer abrufen können, der sich nun bezahlt machen muss. Gesamtnote: 3+