Hinter Spitzenreiter Real Madrid und dem FC Barcelona ist Atlético Madrid zum aktuellen Zeitpunkt wieder einmal die dritte Kraft im spanischen Fußball. Zu erwarten war der ordentliche Saisonstart nicht unbedingt, schließlich durchlebten die Rojiblancos im Sommer eine große Umstrukturierung innerhalb des Kaders. Beim spanischen Radiosender Cadena SER sprach Diego Simeone über die vergangenen Monate und welcher Abgang am schmerzvollsten war.


Es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass Atlético Madrid einen hektischen Transfer-Sommer erlebte. Rund 313 Millionen Euro kassierte der Klub aus der spanischen Landeshauptstadt für Spielerverkäufe, 243,5 Millionen Euro wurden in die Auffrischung des Kaders reinvestiert.


Mit Antoine Griezmann, Lucas Hernandez, Rodri, Diego Godin, Juanfran und Filipe Luis haben sechs Stammkräfte die Rojiblancos verlassen, Joao Felix, Marcos Llorente, Mario Hermoso, Kieran Trippier, Felipe, Renan Lodi und Héctor Herrera sollen die entstandenen Lücken schließen.


"Der Umbruch des Teams", sagte Diego Simeone in der Radiosendung 'El Larguero' (zitiert via transfermarkt.de) sei "die größte Herausforderung, die wir in den acht Jahren, die ich hier bin, hatten." Den 9 Neuzugängen stehen 17 Abgänge gegenüber, der Kader ist auf 22 Spieler geschrumpft.


Dennoch: Verloren hat Atléti erst ein Pflichtspiel, am vierten Spieltag der Primera Division setzte sich Real Sociedad San Sebastian mit 2:0 durch. Aufgrund der vielen Unentschieden - allein drei in den letzten vier Ligaspielen - liegt die Mannschaft mit 15 Zählern auf dem dritten Tabellenplatz, Spitzenreiter Real Madrid ist nur drei Punkte entfernt. Gemeinsam mit dem Tabellenachten Athletic Bilbao stellt Atlético wieder einmal die stabilste Defensive (4 Gegentore), die Offensive zählt hat sieben erzielten Treffern aber die wenigsten Tore aller Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel erzielt.


Das liegt unter anderem an dem Verlust von Antoine Griezmann, der für 120 Millionen Euro zum ​FC Barcelona wechselte. Der Weltmeister sei "da, wo er sein wollte", seine Position sei jedoch "die, die am schwierigsten neu zu besetzen ist." 


Mit Joao Felix sicherte sich der Klub das wohl größte portugiesische Juwel der vergangenen Jahre. Der 19-Jährige kam für 126 Millionen Euro von Benfica Lissabon, in zehn Pflichtspielen erzielte er drei Tore. Langfristig gesehen soll er die Lücke im Angriff schließen.


Spitze gegen Real


"João hat eine Perspektive wie sie kein anderer hat. Wenn ich heute seine Entwicklung als Fußballer betrachte, glaube ich, dass er mehr Tore und Assists haben wird, als Griezmann mit 26 Jahren", schwärmte Simeone, der eine kleine Spitze in Richtung Stadtrivale Real sendete: "Unsere Investition über 120 Millionen Euro ist nicht für Eden Hazard, der 30 Jahre alt ist, sondern für einen 19-Jährigen."


Auch wenn Hazard im Januar erst 29 Jahre alt wird, so geht es Simeone um langfristige Lösungen. Joao Felix steht bis 2026 unter Vertrag, wäre bei Vertragsende also erst 26 Jahre alt - vielleicht hat Atlético ihn bis dahin gewinnbringend an einen anderen Verein verkauft.


Hernandez-Transfer hat "am meisten geschmerzt"


Während die Lücke von Griezmann die sportlich betrachtet größten Kratzer hinterließ, sei der Wechsel von Lucas Hernandez zum ​FC Bayern München emotional am schmerzvollsten gewesen: "Der Abgang, der uns am meisten geschmerzt hat, ist Lucas. Weil er einer von unseren Jungs war, aus dem Nachwuchs, einer von uns", so Simeone. Der Innenverteidiger wechselte 2007 in die Jugendabteilung der Rojiblancos, nach 110 Pflichtspielen für die erste Mannschaft entschied er sich jedoch für einen Tapetenwechsel und schloss sich dem Deutschen Rekordmeister bis 2024 an.