​Borussia Mönchengladbach belegt nach sieben Spieltagen völlig überraschend den ersten Tabellenplatz in der Bundesliga. Das Team von Marco Rose profitierte dabei zwar auch vom ​moderaten Startprogramm, trat zuweilen aber dennoch bemerkenswert abgeklärt auf. Eine zentrale Rolle im Spielsystem des neuen Cheftrainers nimmt dabei Denis Zakaria ein, der für seine Position ungewohnte Qualitäten mitbringt.


Als der heute 22-Jährige im Sommer 2017 für stolze zwölf Millionen Euro Ablöse von den Young Boys aus Bern an den Niederrhein transferiert wurde, galt der defensive Mittelfeldspieler zwar bereits als riesiges Talent, dennoch gab es nicht wenige Zweifler, die dem Youngster die Anpassung an die Bundesliga nicht zutrauten. Durch starke Leistungen machte ​Denis Zakaria seine Kritiker aber schnell mundtot.


Zakaria war sofort gesetzt


Gleich in seiner Debütsaison konnte sich der Eidgenosse in dem durchaus prall bestückten Mittelfeldzentrum durchsetzen und kam in der Liga auf starke 30 Einsätze. Dabei imponierte der Defensivspezialist nicht nur durch seine robuste Physis, sondern auch durch sein exzellentes Spielverständnis und seine Ruhe am Ball.


Auch in der Folgesaison ​war an dem Sechser kein Vorbeikommen. ​Dieter Hecking, damals noch als Cheftrainer für die Geschicke der Borussen zuständig, verzichte dabei so gut wie nie auf die Dienste seines Schützlings und so blieb Zakaria in der Schaltzentrale der Fohlen weiterhin unangefochten, auch wenn er nicht mehr ganz so überzeugend agierte, wie noch in seinem ersten Jahr im Fohlen-Dress. 


Da der erfahrene Coach der Fohlen nach der Spielzeit jedoch seinen Hut nehmen musste und mit Marco Rose ein frischer Übungsleiter das Ruder übernahm, wurden die Karten in Gladbach neu gemischt.


Zakaria blüht unter Rose richtig auf


Sorgen um seinen Stammplatz musste sich Zakaria jedoch dabei nicht machen. ​Vielmehr nimmt der Mittelfeldspieler im System des neuen Übungsleiters eine noch wichtigere Rolle ein. Hatte Hecking zuvor fast ausschließlich auf ein 4-3-3-System gesetzt, lässt Rose seine Elf zumeist in einer 4-3-1-2-Anordnung auflaufen.


Dass der 43-Jährige dabei von seiner Mannschaft ​viel Tempo und ein hohes Pressing erwartet ist genau nach dem Geschmack des jungen Mittelfeldspielers und so fühlt er sich in seine Zeit bei den BSC Young Boys zurückversetzt, als der heutige Eintracht-Coach Adi Hütter seine Mannschaft ähnlich offensiv und mutig aufgestellt hatte. 


Wie gut Zakaria mit der neuen Herangehensweise der Gladbacher klar kommt, zeigt sich nicht nur allein in der Tatsache, dass der Nationalspieler der Schweiz bislang in jedem einzelnen der zehn Pflichtspiele der Fohlen ​über die gesamte Distanz auf dem Rasen stand, sondern auch darin, dass er dabei nicht nur die Anhänger der Gladbacher und seinen Coach vollends überzeugen konnte. Auch der kicker verteilte für den Borussen in dieser Spielzeit bislang häufig Bestnoten und kürte ihn bislang mit einem Notenschnitt von starken 2,86 zu einem der besten Spieler der Liga.


Zakarias Dribblings sorgen für Probleme beim Gegner


Wie bereits erwähnt fordert Rose von seinen Profis viel Mut ein. Bei keinem seiner Spieler trifft der Coach dabei auf offenere Ohren wie bei Zakaria. So fällt bei einem Blick auf die bisherigen Statistiken in dieser Saison vor allem ein Wert besonders auf. So hätten wohl nur die wenigsten Fans in Erwägung gezogen, dass Zakaria bislang nicht nur mehr Dribblings wie BVB-Star Jadon Sancho hingelegt hat, sondern dabei sogar deutlich erfolgreicher war.


Der Wert von ​Zakaria von 20 erfolgreichen Dribblings bei 24 Versuchen (83,3 Prozent) wird ligaweit nur von Paderborns Jamilu Collins überboten, der insgesamt 22 Mal seine Gegenspieler erfolgreich ausgetanzt hat. Angesichts dieser Zahlen dem Gladbacher fehlende Übersicht oder gar zu großen Egoismus zu unterstellen, ist dabei komplett fehl am Platz.


Das Spielerprofil von Denis Zakaria:

​PositionDMF​
​Alter​22
​Marktwert​28 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2022
​Spiele für Gladbach​75
​Scorerpunkte für Gladbach​11


(Marktwert laut transfermarkt.de)


Vielmehr haben die Dribblings von Zakaria Methode und stellen seine Gegner immer wieder vor schwere Aufgaben. Nur die wenigsten gegnerischen Mannschaften erwarten bislang von einem defensiven Mittelfeldspieler, dass er das nötige Rüstzeug mitbringt mehrere Gegenspieler aussteigen zu lassen und so ordentlich Raumgewinn generieren kann. Nicht selten schauten die Gegner daher in dieser Saison bereits verdutzt zu, wie ihre Rückwärtsbewegung durch Zakarias Sololäufe auf den Kopf gestellt wurde.


Aus der Tatsache, dass dem Mittelfeldspieler dabei bislang nur vier seiner Dribblingaktionen missglückt sind, ist sein feines Gespür für Situationen ersichtlich. Im weiteren Saisonverlauf werden sich die anderen Mannschaften auf diese Qualitäten aber mit Sicherheit immer besser einstellen. Doch selbst wenn der Rest der Liga adaptiert hat, bleibt der taktische Kniff der Borussen eine echte Waffe.