Auf Platz 16 in unserem großen 90min-Ranking zu den besten Spielern des Jahrzehnts befindet sich Kevin De Bruyne. Der Belgier hat die Fußballwelt im Sturm erobert, seit ein paar Jahren gehört er zu den besten offensiven Mittelfeldspielern der Welt. Bevor er über die Bundesliga bei Manchester City landete, hatte er allerdings keine gute Zeit auf der Insel.


Heute ist Kevin De Bruyne 72-facher Nationalspieler Belgiens, Belgischer Meister, zweifacher Englischer Meister, FA Cup-Sieger, dreifacher Englischer Ligapokalsieger und DFB-Pokalsieger. ​Seine ersten Schritte machte der Spielmacher von 1997 bis 1999 bei seinem Heimatverein KVV Drongen, im Anschluss spielte er sechs Jahre für KAA Gent, ehe der Wechsel zum KRC Genk erfolgte.


Mit gerade einmal 17 Jahren erhält De Bruyne einen Profivertrag, am 09. Mai 2009 debütiert er in der belgischen Jupiler League beim 0:3 gegen RSC Charleroi. In der Folgesaison wird er Stammspieler, der Durchbruch folgte ein Jahr später: Mit vier Toren und neun Vorlagen macht De Bruyne in der Spielzeit 2010/11 auf sich aufmerksam, am Saisonende feiert Genk die dritte Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Im Januar 2012 legt der ​FC Chelsea stolze acht Millionen Euro auf den Tisch, ein halbes Jahr zuvor verpflichteten die Blues bereits Torwart-Talent Thibaut Courtois, der im Sommer 2010 zur Nummer eins in Genk aufstieg.


Beide werden Teil der Leihfarm. Courtois wechselt 2011 zu Atlético Madrid, De Bruyne für die Saison 2012/13 zum ​SV Werder Bremen. Drei Jahre nach dem Triumph im DFB-Pokal kämpft Werder gegen den Abstieg, Thomas Schaaf verkündet vor dem 34. Spieltag seinen Rücktritt; es war das Ende einer 14 Jahre währenden Amtszeit, die überwiegend von Erfolg gekrönt war. 


Am Ende der Saison landet Werder auf Rang 14, die Leistungen von De Bruyne waren der größte Lichtblick in der schwächsten Saison unter Schaaf. Der damals 21-Jährige war an 19 von 50 Bundesligatoren beteiligt und ging als drittbester Torschütze und bester Vorlagengeber der Bremer zurück nach London.


"Sechste Wahl" unter Mourinho


Für Chelsea sollte De Bruyne aber nur neun Pflichtspiele absolvieren. Trotz guter Leistungen in Bremen sah er sich der zahlreichen Konkurrenz ausgesetzt, zu der unter anderem Eden Hazard, Juan Mata, Oscar oder André Schürrle zählten. Bereits im Sommer dachte De Bruyne über einen Wechsel nach, erzählte viele Jahre später in einem Interview mit The Players' Tribune, dass Jürgen Klopp ihn ursprünglich zu ​Borussia Dortmund locken wollte (via ​Goal): "Sie haben die Art von Fußball gespielt, die ich bevorzuge. Also dachte ich, dass mich Chelsea vielleicht gehen lassen würde." Doch Mourinho wehrte sich gegen einen Abgang: "Du bleibst. Ich will dich als Teil dieses Teams", soll er ihm per SMS mitgeteilt haben.


Früh wurde jedoch klar, dass De Bruyne nur eine untergeordnete Rolle spielt. "Er hatte ein paar Blätter ausgelegt und gesagt: 'Ein Assist, kein Tor, zehn Balleroberungen.' Ich brauchte eine Minute, um zu verstehen, was er mir damit sagen will", erinnert er sich an ein Gespräch mit 'The Special One', der angeblich sagte: "Wenn Mata uns verlässt, bist du die fünfte statt die sechste Wahl."


Mata wechselte im Januar 2014 zu Manchester United, und auch Kevin De Bruyne kehrte Chelsea den Rücken. Für 22 Millionen Euro erhielt der ​VfL Wolfsburg den Zuschlag; und nach der Rückkehr in die Bundesliga nahm seine Karriere Fahrt auf. Unter Dieter Hecking ist er auf Anhieb gesetzt, sammelt schon in seinem ersten Halbjahr neun Scorerpunkte in der Bundesliga. In der Saison 2014/15 wird der VfL Vizemeister und Pokalsieger, schlägt den FC Bayern München zum Rückrunden-Auftakt im heimischen Stadion mit 4:1. Matchwinner mit zwei Toren und einem Assist: Kevin De Bruyne.


In der Bundesliga trifft er zehn Mal, bereitet zudem 21(!) Tore vor. Im DFB-Pokal und der Europa League, in der die Wölfe im Viertelfinale am SSC Neapel scheitern, ist er an 13 weiteren Toren beteiligt. Die Bilanz: 51 Pflichtspiele, 16 Tore, 28 Vorlagen. Die Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres ist die logische Konsequenz. 


Bayern zog sich im Transfer-Poker zurück


Durch seine Leistungen war aber auch klar: Nach anderthalb erfolgreichen Jahren ist es für Wolfsburg nahezu unmöglich, ihn zu halten. Für 76 Millionen Euro wechselt er zu ​Manches​ter City, dabei wäre er um ein Haar beim ​FC Bayern gelandet: Obwohl Karl-Heinz Rummenigge versprach, man werde "zu 100 Prozent nicht reingrätschen" (via WELT), behauptete Berater Patrick De Koster gegenüber Le Vif: "Ich bin davon überzeugt, er würde jetzt für die Bayern spielen, wenn sie den geforderten Preis gezahlt hätten."


Die Ablöseforderungen von über 50 Millionen Euro lagen offenbar über dem finanziellen Spielraum des Rekordmeisters, der zwei Jahre zuvor mit dem 40-Millionen-Euro-Transfer von Javi Martinez einen neuen Bundesliga-Rekord aufstellte. Auch Pep Guardiola bestätigte das Interesse an De Bruyne, zu gerne hätte er wohl mit ihm bereits in München zusammengearbeitet; nach seinem Wechsel zu City hatte sich das aber erledigt.


De Bruyne "am Nebentisch" von Messi


Unter dem Katalanen macht De Bruyne einen gewaltigen Schritt nach vorn, in der Saison 2016/17 ist er an 25 Premier-League-Toren beteiligt; im Jahr zuvor sammelte er "nur" 16 Scorerpunkte. Das große Lob von Guardiola ließ nicht lange auf sich warten: "Er ist einer der besten Spieler, die ich je trainiert habe. Messi sitzt allein an einem Tisch. An einen Tisch mit Messi kann man erstmal niemanden setzen. Aber am Nebentisch, da sitzt Kevin – ohne Zweifel", schwärmte er im September 2016 (via Sport Bild). 


Schnell wird klar, warum: De Bruyne, der bereits 2010 für die belgische Nationalmannschaft debütiert, ist nicht vom Ball zu trennen, technisch extrem versiert, besitzt das Auge für den tödlichen Pass und kann die letzte Kette des Gegners im Alleingang sezieren. Dazu verfügt er - rechts wie links - über einen exzellenten Abschluss. Vor allem mit dem Innenspann ist er immer für ein Tor aus der Ferne gut.


Für das Ballbesitzspiel von Guardiola ist er perfekt geeignet. Seit der Erfolgstrainer 2016 in Manchester anheuerte, steigerte De Bruyne seinen Marktwert von 60 auf 130 Millionen Euro, zwischenzeitlich lag dieser sogar bei 150 Millionen (via transfermarkt.de). Seit fünf Jahren befindet er sich auf Top-Niveau, ohne Wenn und Aber zählt er zu den größten Fußballern unserer Generation.


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min Ranking


Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: ​Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende