Mittlerweile hat ​Timo Letschert seine Feuertaufe beim Hamburger SV hinter sich. Elf Minuten in Regensburg, deren neunzig gegen Fürth in seinem Startelf-Debüt: der Holländer ist in Hamburg angekommen. 


Vor Hamburg waren Holland und Italien Letscherts bisherige Stationen. In seinem Heimatland kickte der Innenverteidiger für sechs (!) verschiedene Klubs (Ajax, Haarlem, Heerenveen, Groningen, Utrecht und Kerkrade), ehe er 2016 in die italienische Serie A zu Sassuolo Calcio wechselte. 


Die Unterschiede zwischen Holland, Italien und Deutschlands Zweiter Liga benennt der 26-Jährige gegenüber der Hamburger Morgenpost: "Ich glaube, in Holland ist es technischer, in der 2. Liga hier körperlicher. In Holland ist gefühlt jeder jung, hier in Deutschland spielen echte Männer, dafür ist es nicht ganz so technisch. In Italien ist es ein Mix. Natürlich ist die Qualität in der Serie A höher, das ist normal." 


Letschert ist ein Fan der Physis


Doch gerade die Körperlichkeit im deutschen Unterhaus ist es, die den knochigen Verteidiger reizt: "Ich mag den physischen Teil. Ich mag die Zweikämpfe, den Kampf generell. Ich möchte immer stärker werden und jeden Zweikampf gewinnen. Aber für mich ist auch wichtig, in einem dominanten Team zu spielen. Ich mag das Ballbesitzspiel, gerne auch mit ein bisschen Risiko einen Pass zu spielen. Ich bin auch zum HSV gekommen, weil ich weiß, dass der HSV dominant auftreten kann." 


Für Letscherts Eingewöhnung förderlich war sicherlich auch die Präsenz eines Landsmannes wie Rick van Drongelen: "Das ist natürlich gut für mich, auch beim Start hier. Dass du immer jemanden hast, mit dem du deine Muttersprache sprechen kannst. Aber: wir sind in Deutschland und ich bin Holländer, da geht das Deutsch lernen schnell." Beim Spiel gegen Fürth habe er jedoch noch während der kompletten Spielzeit auf holländisch kommuniziert. 


Letschert und der HSV: "Wir dürfen nicht denken: wir sind am Ziel!"


Bei der A-Frage wird Letschert dann kategorisch, will von voreiligen Aufstiegsträumereien nichts wissen: "Wenn man sich die Statistik anguckt, dann läuft es wirklich gut - da könnte man denken: der HSV ist ja schon top. Aber nein! Als Team ist das Wichtigste, dass wir unseren Fokus nicht verlieren. Wir dürfen nicht denken: wir sind am Ziel. Wir wissen, dass wir stark sind, aber wenn wir glauben, schon etwas erreicht zu haben, den Fokus verlieren oder Spiele nur mit 80 Prozent angehen, dann haben wir schon gesehen, was passiert. Dann kriegen wir Probleme. Denn so gut sind wir noch nicht. Wir müssen weiterarbeiten - und noch besser werden." 


Am Ende konnte die Frage nach der anstehenden Abschiedsgala für Rafael van der Vaart im Volksparkstadion (Sonntag, 14.45 Uhr) natürlich nicht ausbleiben. Schließlich war der kleine Engel zu Letscherts Balljungen-Zeiten bei Ajax dessen großes Vorbild: "Es ist lustig. In meiner Jugendzeit bei Ajax war ich Balljunge. Jeder Jugendspieler hat einmal die Chance, vor einem Spieler den Ball hochzuhalten. So oft es geht. Als ich dran war, habe ich 890 Mal geschafft! Danach durfte ich ein Bild mit einem Spieler meiner Wahl machen: natürlich habe ich Rafa genommen, er war mein Lieblingsspieler. Es war auch noch sein letztes Spiel für Ajax, bevor er zum HSV ging. Vor zwei Wochen habe ich ihn im Volksparkstadion hier getroffen. Wir haben uns länger unterhalten, es war ein supernetter Nachmittag. Wir haben denselben Humor. Er ist ein Klasse-Typ und eine echte HSV-Legende. Ich werde versuchen, ein Ticket zu ergattern."