​Wird es beim ​FC Bayern München überhaupt noch einmal ruhig? Nach dem kleinen sommerlichen Transferchaos und der DFB-Torwartfrage um Manuel Neuer wird nun die Rolle von Urgestein Thomas Müller in den Medien heiß diskutiert. Wieder einmal steht auch Trainer Niko Kovac inmitten der Debatte. Der Streitfall um Müller könnte den Verein tief spalten.


Es war nur ein kleiner Satz vom Bayern-Coach, der allerdings viel Feuer enthielt. Reservist Müller werde seine Einsätze bekommen, wenn Not am Mann sei, ​äußerte sich Kovac nach der 1:2 Pleite gegen Hoffenheim über den Status des 30-Jährigen. Im Anschluss daran wurde viel über die Rolle und Position des Offensivspielers gesprochen. 


Kein öffentlicher Wechselgedanke bei Müller


​Müller selber zeigte sich in einem kicker-Interview unzufrieden, aber ehrgeizig. Die Aussage des Trainers habe ihn überrascht, auch wenn er sich nicht groß verletzt gefühlt habe. Mit seiner Rolle sei er natürlich unzufrieden, denn "ich bin gerade erst 30 Jahre alt geworden, topfit und hungrig auf Erfolge." Und dieser Ehrgeiz verhindert, dass sich Müller momentan mit seiner Rolle anfreunden kann: "Wenn das Trainerteam mich in Zukunft nur noch in der Rolle des Ersatzspielers sieht, muss ich mir meine Gedanken machen. Dafür bin ich einfach zu ehrgeizig." Ein Wechsel soll allerdings noch nicht im Raum stehen, zumindest spricht Müller selber dieses Thema nicht an. Doch die Betonung liegt wohl auf 'noch nicht'.


Die Strukturen, auf die der FC Bayern momentan aufbaut, scheinen zerrütteter denn je. Trotz des dünnen Kaders scheint der Konkurrenzkampf so hitzig wie noch nie. Müller muss sich vor allem gegen den formstarken Philippe Coutinho durchsetzen. Doch Müller selbst will seinem Teamkollegen nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Sowieso erscheint es auch den Außenstehenden, dass Trainer Kovac in Sachen Mannschaftsgefüge mehr als unglücklich agiert und Initiator der Turbulenzen ist.


Auch Martinez wartet auf Einsätze


Ein weiteres Beispiel ist da auch Mittelfeldspieler Javi Martinez. Trotz teils unterirdischer Leistungen von Konkurrent Corentin Tolisso scheint der Spanier kaum eine Chance unter Kovac zu haben. Dabei würde ein Charakter wie Martinez dem Mittelfeld der Bayern die nötige Stabilität und Erfahrung geben. Doch Martinez wartet weiter - und zeigt sich inzwischen auch ​emotional bedrückt und ​wechselwillig.


Damit gerät Kovac weiter unter Druck. Ein dünner Kader und zwei unzufriedene und wechselwillige Profis. Dazu noch die schwankenden Leistungen in der Liga. Der Kroate braucht nun sein ganzes Geschick, um den Laden zusammenzuhalten. ​Unterstützung von den Bayern-Bossen scheint er zu bekommen - noch.


Mia san Mia - oder doch nicht?


Das Problem: Nach den Sommerabgängen der Urgesteine Rafinha, Arjen Robben und Franck Ribery verlor der FCB einen wichtigen Bestandteil der eigenen Identität. Mit Müller (seit 2000 im Verein) und Martinez (seit 2012) gehen momentan zwei langjährige Profis des Vereins auf die Barrikaden. Gerade Müller ist eines der Münchner Gesichter: Champions-League- und DFB-Pokalsieger, dazu mehrmaliger Meister und sogar Weltmeister 2014. Das Gesicht der Bayern ist auch im deutschen Fußball fest verankert.


Sportlich gesehen wäre ein Müller und auch ein Martinez wohl zu ersetzen. Doch das wäre unter Umständen unnötig teuer und aufwendig, denn gleichwertiger Ersatz müsste erstmal gefunden werden.


Doch vielmehr würde der Verlust des Prestiges schmerzen. Die Bayern wollen sich bewusst die Tradition bewahren, das "Mia san Mia"-Gefühl nicht verlieren und eben anders sein, als die weiteren europäischen Schwergewichte. Dazu gehört auch der Umgang mit verdienten Spielern. Dem FCB droht bei einer sportlichen Ausmusterung seiner Routiniers die komplette Spaltung von Seiten der Fans, der Mannschaft und der Funktionäre. Gegenüber dem kicker stärkte etwa jüngst Joshua Kimmich seinem Teamkollegen Müller den Rücken. Die Unterstützung vom Team ist also da.


Kovac: medialer Wirbel und sportliche Schwankungen


Trainer Kovac muss also aufpassen. Hält er an seiner bisherigen Linie fest, verliert er wohl zwei Spieler und auch den Rückhalt des Vereins. Auch reiht sich seine Meinung über Müllers Situation in eine ganze Sammlung vorschneller Aussagen ein, die sein Traineramt nur unnötig gefährden. Es stellt sich ernsthaft die Frage, warum man ein solch brisantes Thema durch eine solch feurige Aussage nur noch weiter eskalieren lässt.


Niko Kovac tut gut daran, sich selber gegenüber den Medien etwas zurückzuhalten. Was hinter den bayrischen Gardinen vor sich geht, geht nur den FCB selber etwas an. Über alles, was aktiv nach außen gebracht wird, muss man sich jedoch im Klaren sein. Durch eine öffentliche Auseinandersetzung mit Martinez und Müller - der sich im Übrigen geschickter anstellt als sein Trainer - sägt Kovac nicht zuletzt selbst an seinem Trainerstuhl.


Der FCB sorgt im Endeffekt selber für unnötige Unruhe in den eigenen Reihen und kann dies nichtmal durch den sportlichen Erfolg berechtigen. Sowohl auf sportlicher als auch auf medialer Ebene läuft Bayern München seinen eigenen Ansprüchen hinterher. Der Ausgang: Offen.