​Für ​Hannover 96 ging es seit dem letzten Jahr stetig bergab. Trainerwechsel, neuer Sportdirektor und der erneute Abstieg in die zweite Liga - die Niedersachsen haben zweifelsohne turbulente und schwierige Zeiten hinter sich. ​Geschäftsführer Martin Kind zeigte sich nun selbstkritisch und räumte Fehler ein, die den 75-Jährigen dazu veranlasst haben, in einigen Bereichen Veränderungen vorzunehmen.


Wer geglaubt hatte, dass Hannover 96 nach dem Abstieg "mit der teuersten Mannschaft, die wir je hatten", wieder erfolgreichere Zeiten erleben wird, sah sich bislang eines Besseren belehrt. Auch in der ​2. Bundesliga läuft es für die Niedersachsen nicht wirklich rund. ​Cheftrainer Mirko Slomka, der im Sommer zum Absteiger zurückgekehrt ist, hat sich mit dem jüngsten 2:0-Auswärtserfolg in Dresden wieder etwas Luft verschafft. Mit elf Punkten aus neun Spielen liegt man allerdings meilenweit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Kind gibt sich an der negativen Entwicklung der letzten Jahre eine Mitschuld. 


"Ich habe viele Fehlentscheidungen getroffen, aber natürlich nicht bewusst", wird der Geschäftsführer vom Sportbuzzer zitiert. Nicht nur bei Transfers haben die Niedersachsen einige Male daneben gegriffen. Prominentestes Beispiel ist Jonathas, der im Sommer 2017 für stolze neun Millionen Euro verpflichtet wurde und sich als wahrer Transferflop erwies. Ende August wurde der Vertrag des Brasilianers aufgelöst. "Wir haben so unglaublich viele Fehler gemacht in den letzten zwei Jahren", erklärte Kind, der daraus die richtigen Schlüsse ziehen will. 


"Jan ist ein Opfer meines Lernprozesses"


Die Auswirkungen davon bekommt vor allem Jan Schlaudraff, der im Sommer den Posten des Sportdirektors übernommen hat, zu spüren. "Jan ist ein Opfer meines Lernprozesses der letzten beiden Jahre", so der 96-Boss. "Er erhält klare Vorgaben. Bauchentscheidungen eines Sportchefs wird es nicht mehr geben", stellte Kind klar. Schlaudraff hatte nach dem Abstieg kaum finanziellen Spielraum und musste sich auf der Suche nach Neuzugängen nach günstigen Alternativen umsehen. Bevor ein Spieler verpflichtet wurde, musste der 36-Jährige detailliert darlegen, warum dieser eine Verstärkung darstellt.


Anfang September wurde beispielsweise der ​vereinslose Dennis Aogo unter Vertrag genommen, dessen Gehalt stark von seinen Einsatzzeiten abhängig ist. Auch Übungsleiter Slomka erhielt ein "faires" Arbeitspapier mit deutlich niedrigeren Bezügen als seine Vorgänger. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob Kind aus dem Abstieg die richtigen Schlüsse gezogen hat und die Fans von Hannover 96 sich wieder über erfolgreichere Zeiten freuen dürfen.