​Über knapp sechzig Minuten war es ein überzeugender Auftritt der wild zusammengewürfelten ​DFB-Auswahl, die in dieser Konstellation zukünftig nicht mehr all zu oft auflaufen wird. Doch der Gegner, bei aller personeller Dezimierung, steht halt auch noch auf dem Platz. Und Argentinien ist trotz der letzten sportlichen Enttäuschungen (Copa América) immer noch ein Großkaliber im Weltfußball. 


Je eine Halbzeit an jedes Team


Obwohl das in der ersten halben Stunde des gestrigen Spiels nicht immer so aussah. Da spielte nämlich eine sehr ballsichere, lauf-und zweikampfstarke "Mannschaft" die Argentinier phasenweise an die Wand. 


Zuhaus vorm heimischen Fernseher ertappte ich mich immer öfter dabei, über die Spieler nachzudenken, die gestern nicht dabei waren - und auch gar nicht von mir vermisst wurden. Was brauchen wir einen alibi-mäßig durch die Gegend trottenden Kroos, der gefühlt 80 Prozent seiner Pässe über maximal zehn Meter spielt? Was brauchen wir einen Marco Reus, der sich in letzter Zeit ja eh mehr als Sportdirektor geriert, denn als Mittelfeldspieler? 


Schon beim Durchlesen der Anfangsformation blitzte mir durch den Kopf: Solange die Jungs da vorne den Ball haben, ist mir nicht bange. Und sie hatten den Ball. Und sie wussten was damit anzufangen. Zumindest in Hälfte eins. 


Gnabry auf dem Weg zur Weltklasse


Was ​Serge Gnabry (jetzt schon mit 10 Toren in 11 Länderspielen!) mittlerweile abreißt, ist der Wahnsinn. Das Tor zum 1:0 - absolute Weltklasse! Wenn er diese Form über einen längeren Zeitraum konservieren kann, wird er auch für die ganz, ganz Großen im Fußball-Business interessant. Wenn er es nicht schon lange ist...


Bei Arsenal dürften sie sich immer noch in den Allerwertesten beißen, den Jungen für schlappe fünf Millionen Euro an Werder Bremen abgegeben zu haben. 


Auch Joshua Kimmich und Kai Havertz auf der dynamisch interpretierten Doppel-Sechs haben mir sehr gut gefallen. Julian Brandt zeigte wieder seine überragende technische Klasse und fast schon künstlerisch anmutenden Spielwitz, hatte aber auch in Halbzeit eins schon ein paar Schlampigkeiten im Spiel. 


Hinten machte die neuformierte Deckung ein paar Fehler, die im ersten Durchgang noch nicht energisch genug von den Argentiniern ausgenutzt wurden, aber das war irgendwo auch zu erwarten. 


Marc-André ter Stegen schien in ein, zwei Situationen etwas zögerlich - aber alles im Rahmen. Insgesamt habe ich gestern weitaus mehr Licht als Schatten gesehen.


Löw gefordert, aus diesem starken Pool eine gute Mannschaft zu formen


Und statt sich wie das Gros der Medienlandschaft im Frust über eine verspielte 2:0-Führung einzugraben, sollten wir uns einfach mal freuen, dass wir mittlerweile offensichtlich über einen sehr, sehr breiten Pool an hochveranlagten Spielern verfügen. Die Aufgabe von Jogi Löw besteht jetzt darin, daraus die passende Mannschaft zusammenzustellen. 


Es gibt wahrlich schwerere Aufgaben.