Der​ HSV schwimmt momentan auf einer kleinen Euphoriewelle. Der gelungene Start in die zweite (und hoffentlich letzte) Saison im Unterhaus begeistert die Fans. Um aber den Blick fürs Wesentliche nicht zu verlieren, hat sich jetzt der Vorstandsvorsitzende ​Bernd Hoffmann zu Wort gemeldet. 


Mit wenig Geld viel erreichen


Und gleich schon mal allzu hohen Erwartungen für den Fall des Wiederaufstiegs in die Bundesliga einen Riegel vorgeschoben. Denn die Bundesliga ist ganz einfach noch mal eine Hausnummer größer. Da wird es im kommenden Jahr wieder darauf ankommen, mit relativ wenig Etat (nächste Saison wohl unter 40 Millionen Euro) und viel Fußballsachverstand eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. 


Hoffmann gegenüber der Mopo: "Du kannst dir nicht auf Knopfdruck eine völlig erstligareife Mannschaft zusammenkaufen. Gestandene Bundesliga-Spieler aus einem Vertrag rauszukaufen, ist nicht möglich. Stammspieler aus Freiburg, Mainz oder Düsseldorf würden wir nicht bezahlen können. Das ist ausgeschlossen." 


Da hat der Vereinsboss absolut recht. Denn: wer bei genannten Vereinen einen Stammplatz hat, ist per se schon mal ein paar Millionen wert. Ein Luca Waldschmidt, zum Beispiel, hätte in diesem Sommer gehen können - wenn denn Angebote über mindestens 20 Millionen Euro eingetrudelt wären. Die Preisexplosion macht sich halt bis in die unteren Gefilde der Liga bemerkbar. 


Doch hat Hoffmann auch nichts gesagt, was man in Hamburg, im Verein und bei den Fans, nicht sowieso schon wusste. Gerade das oftmals ohne Sinn und Verstand rausgekloppte viele Geld für oftmals viel zu viel Mittelmaß hat den HSV ja erst dahin gebracht, wo er jetzt steht. 


Die jetzigen Verantwortlichen haben es schon vorgemacht


Und deshalb kann man auch mit einer gewissen Portion Optimismus in die Zukunft schauen. Denn die für den jetzigen Aufschwung verantwortlichen Personen (Trainer Dieter Hecking, Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel) haben ihre Fähigkeit, aus wenigen Mitteln eine gute Mannschaft zu formen, ja schon in diesem Sommer unter Beweis gestellt. 


Nur noch mal zur Erinnerung: Spieler wie Jeremy Dudziak, Jan Gyamerah, Sonny Kittel, Lukas Hinterseer oder Adrian Fein - die allesamt voll eingeschlagen sind - sind zum Nulltarif nach Hamburg gekommen. 


Andere, wie Tim Leibold, für mittlerweile fast lächerlich anmutende Niedrigpreise. Der Ex-Nürnberger kostete mal gerade 1,8 Millionen Euro und hat einen Spieler wie Douglas Santos vergessen lassen. Auch die für Ewerton nach Nürnberg überwiesenen zwei Millionen scheinen - vorbehaltlich seiner noch ausstehenden Leistungsnachweise - kein übertrieben hoher Betrag gewesen zu sein. 


Im kommenden Sommer muss einfach nur noch mal so gut gearbeitet werden - dann wird es auch klappen, sich in der Bundesliga wieder Stück für Stück zu konsolidieren. Schaut nach Frankfurt! 


HSV wieder eine gute Adresse für Talente


Und es ist ja jetzt auch nicht so, dass der HSV nichts hätte mit dem er "werben" könnte: die Durchlässigkeit für Talente aus dem Jugendbereich war in den letzten Jahren nie so hoch wie zur Zeit. Letztes Beispiel: Josha Vagnoman, der zum ersten Mal für die U21 berufen wurde. 


Wer immer momentan als Talent in irgendeinem aktuell vor dem HSV anzusiedelnden Klub vor sich hindämmert, sieht: in Hamburg geht was. Da kann ich mich beweisen und stehe im Fokus. Die Stadt selbst ist ja auch ganz annehmbar. 


Kurzum: es ist gut, wenn die Klubverantwortlichen immer wieder zur Ruhe mahnen und die positiven Emotionen ein wenig bremsen. Doch wenn der Verein den in diesem Sommer eingeschlagenen Weg über die nächsten zwei, drei Jahre so konstant weitergeht, könnte er auch in der Bundesliga bald wieder ein bessere Rolle spielen als in den vergangenen Jahren.