Wieder nur 2:2, wieder wichtige Punkte verloren. An einem Samstag, an dem die Konkurrenz Federn ließ, war Borussia Dortmund beim Gastpiel in Freiburg nicht der Nutznießer, kassierte stattdessen wieder einmal kurz vor Schluss den Ausgleich. Die Spieler drehen sich gemeinsam mit Lucien Favre bei dem Versuch, die sich wiederholenden Fehler zu erklären, im Kreis; und auch abseits der Presserunden scheint Favre keine wirklichen Antworten zu finden.


An der Tabellenspitze ist es so eng wie lange nicht mehr: Vor den Sonntagsspielen trennten die Plätze eins und zehn gerade einmal vier Punkte. Der BVB liegt mit zwölf Zählern auf Rang sieben. Durch den klaren Sieg von Borussia Mönchengladbach über den FC Augsburg beträgt der Rückstand auf Platz eins bereits vier Punkte.


Rein punktetechnisch ist nach sieben Spielen zwar alles offen, doch alle Beteiligten wissen: Eigentlich könnte, vielleicht sogar müsste man mit 18 Punkten ganz oben stehen. Doch in den letzten drei Bundesligaspielen brachte die Elf von Lucien Favre ​sowohl gegen Eintracht Frankfurt als auch gegen Werder Bremen und dem SC Freiburg die knappe Führung nicht über die Zeit. Schon elf Gegentore hat der BVB kassiert, der Vizemeister stellt die löchrigste Defensive in der oberen Tabellenhälfte.


Nach dem dritten 2:2 in Folge ​werden die Fragezeichen immer größer. Wie kann es sein, dass die Abwehr minütlich wackeliger wird und kurz vor Schluss wieder ein Gegentor zulässt? Wie kann es sein, dass die in der Vorsaison so extrem gelobte Offensive, die mit den Verpflichtungen von Julian Brandt und Thorgan Hazard noch mehr Gefahr erzeugen sollte, ihre Chancen entweder schlampig ausspielt oder zu selten nutzt?


Favre wirkt zunehmend ratloser


"Eine Überraschung", sagte Favre auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, sei das Ergebnis im Schwarzwald nicht. Der SC spiele "mit viel Intensität, sie laufen viel." Insgesamt habe er einen "ordentlichen" Auftritt seiner Mannschaft gesehen, doch es hakt an den bekannten Ecken und Enden.


Zweimal gingen die Gäste in Führung. Erst traf Axel Witsel nach einem Eckball in der 20. Minute präzise zum 1:0, in der 67. Minute brachte der starke Achraf Hakimi die Westfalen mit dem erneuten Führungstor auf Kurs. Torchancen gab es auf beiden Seiten, wenige Sekunden vor Schluss erzielten die Freiburger durch ein Eigentor von Manuel Akanji den erneuten Ausgleich, nachdem schon Luca Waldschmidt in der 55. Minute das 1:1 erzielte. "Wir müssen wissen, dass wir bis zur letzten Sekunde spielen", so Favre. "Das ist schwer für uns zu akzeptieren."



Der Schweizer klagt über Symptome, die die Mannschaft seit Wochen begleiten. "Es haben die Torchancen für uns gefehlt. Wir haben oft die falsche Wahl getroffen, viele Bälle verloren, 30 Meter vor dem gegnerischen Tor. Sie konnten zu einfach kontern." Trotzdem waren seine Schützlinge doppelt zur Stelle, ehe sie den Gegner zum Toreschießen eingeladen haben. "Das", so Favre, "ist ein echtes Problem für uns."


Doch statt die Mannschaft durch Veränderungen wachzurütteln, hält er stur an seinem Grundgerüst fest. Wieder wählte Favre ein 4-2-3-1, wieder waren die seit Wochen formschwachen Marco Reus und Manuel Akanji ohne Wenn und Aber gesetzt, wieder entschied er sich im Mittelfeld für Abräumer Thomas Delaney statt Ballverteiler Julian Weigl.


Brandt rätselt über Reservistenrolle


Ein großes Fragezeichen bleibt auch der Status von Julian Brandt. Der Nationalspieler durfte in der Bundesliga erst zweimal von Beginn an ran, nach einem Startelfeinsatz gegen Slavia Prag wurde er wieder auf die Bank versetzt. Nach gut einer Viertelstunde wurde er für den verletzten Lukasz Piszczek eingewechselt, nur um nach 87 Minuten für Marcel Schmelzer wieder vom Platz zu gehen.


"Der Trainer macht nun mal seine Aufstellung, er wird schon seine Gründe haben, warum er das macht", sagte Brandt nach der Partie über seine Außenseiterrolle (via ​transfermarkt.de). "Ich habe mit ihm nicht darüber reden können. Ich stehe ja auch nicht über der Mannschaft, darum war das schon okay. Aber warum, weshalb, wieso – weiß ich nicht."


Reus: Die Mannschaft spielt "ohne jede Gefahr"


Auch Kapitän Marco Reus stand erneut im Blickpunkt, sprach nach einer weiteren schwachen Leistung eine deutliche Sprache: "Es ist sehr, sehr bitter. Vor allem, weil du jetzt wieder Unentschieden gespielt hast und das 2:1 nicht über die Bühne kriegst." Angesprochen auf die fehlende Konsequenz in der Offensive sagte er: "Unsere Ballbesitzphasen sind in Ordnung, aber ohne jede Gefahr für den Gegner."

Und so dreht sich der BVB im Kreis; weil die Mannschaft mehr Schatten als Licht zeigt; weil Favre sich nicht traut, gravierendere Änderungen vorzunehmen; und weil die Gegner wissen, dass gegen diese Dortmunder Borussia mindestens ein Punkt zu holen ist. So sagte beispielsweise Freiburgs Christian Günter am Abend im Aktuellen Sportstudio: "Dortmund macht halt zurzeit irgendwie einen Schritt weniger."