Auf Platz 19 der 20 besten Spieler des vergangenen Jahrzehnts befindet sich in unserem 90min-Ranking Luka Modric. Erst im Alter von 33 Jahren ist der kroatische Strippenzieher von ​Real Madrid so wirklich an der Weltspitze des Fußballs angekommen, dabei singen Mitspieler, Gegner und ehemalige Trainer schon seit Jahren Loblieder auf den Weltfußballer von 2018.


​Es ist das Jahr 1996. Luka Modric, damals elf Jahre alt, spielt in der Jugend von NK Zadar und wird von Scouts des kroatischen Erstligisten Hajduk Split gesichtet. Ein Jahr zuvor feiert der Klub die fünfte Meisterschaft der Vereinsgeschichte, Modric wäre also in der Nachwuchsabteilung eines kroatischen Spitzenklubs gelandet. Doch neben den größeren und stämmigeren Mario Grgurovic und Ivan Grivicic hinterlässt Modric einen zu schmächtigen Eindruck und wird abgelehnt, wie sich die kroatische Tageszeitung Slobodna Dalmacija vor einem Jahr erinnerte.  


Während Grgurovic und Grivicic eine große Karriere verwehrt blieb, schrieb Modric Geschichte. 2001 wechselt er in die U17 von Dinamo Zagreb, erhält ein Jahr später seinen ersten Profivertrag. Im Alter von 17 Jahren führt die Reise für ein Jahr nach Bosnien, bei Zrinjski Mostar wird Modric Stammspieler und zum Spieler des Jahres in der Premijer Liga gewählt. Nach einem zweiten Leihgeschäft mit Inter Zapresic kehrt Modric 2005 endgültig nach Zagreb zurück, ist auf Anhieb gesetzt und absolviert insgesamt 112 Pflichtspiele für den Dauermeister.


Seit der Saison 2005/06 verpasste Dinamo nur ein einziges Mal die Meisterschaft, im Jahr 2017 ist Modric aber schon längst bei Real Madrid. Nach der Meisterschaft 2006 und dem Double in den Jahren 2007 und 2008 wird zunächst Tottenham Hotspur aufmerksam, schlägt für 21 Millionen Euro zu und beschert dem Fußballland Kroatien eine Rekordablösesumme.


Vergleich mit Xavi und Iniesta


In London braucht Modric kaum Anpassungszeit, Juande Ramos und dessen Nachfolger Harry Redknapp vertrauen voll und ganz auf seine Fähigkeiten. Im zentralen Mittelfeld waltet er das Spiel, hat immer ein Auge für seine Mitspieler, weiß schon bevor er den Ball erhält, wohin er ihn spielen wird. Zu stoppen ist er kaum, denn trotz seiner schmächtigen Statur weiß er, wie er sich gegen seine Gegenspieler zu wehren hat. 

Luka Modric

  Deutlich jünger, aber genauso talentiert wie heute: Luka Modric.


"Ich bin immer noch traumatisiert von dieser Erfahrung", wird der frühere deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger in der ​Zeit zitiert. In der Saison 2010/11 spielte der heutige Sport-Vorstand des VfB Stuttgart noch einmal für West Ham United, in den Spielen gegen die Spurs war Modric unantastbar: "Ich konnte einfach nicht in seine Nähe kommen. Er passte, wenn er passen musste, er dribbelte, wenn er dribbeln musste, und alles in allem machte er nicht eine falsche Bewegung in den ganzen 90 Minuten."


Hitzlsperger vergleicht ihn mit Xavi und Andres Iniesta, zwei Ikonen des FC Barcelona. Auch Modric gleiche "fehlende Größe und Statur dadurch aus, dass er seinen Körper auf genau die richtige Art zwischen den Ball und den Gegner bringt." Ivan Rakitic bezeichnete ihn laut Tagesspiegel als "den besten kroatischen Spieler aller Zeiten", Ex-Nationaltrainer Slaven Bilic (2006 - 2012) offenbarte, "die ganze Taktik um Modric gestrickt" zu haben.


Bei den Spurs steigt er zum Topverdiener auf, will im Jahr 2012 aber den Wechsel zu Real Madrid erzwingen. Weil ihm die Ablöseforderungen zu hoch sind, streikt er für einige Tage, erhält dafür eine Geldstrafe über umgerechnet 90.000 Euro. Tottenham lässt ihn dennoch ziehen, für 35 Millionen Euro erfolgt der Schritt zu Real.


Goldene Ära


Dort soll 'El Pony', wie er aufgrund seiner Statur und seiner langen Haare genannt wird, schuld daran sein, dass Mesut Özil 2014 zu Arsenal London wechselte. Angeblich habe sich Carlo Ancelotti für einen der beiden Spielmacher entscheiden müssen, wählte am Ende Modric (Tagesspiegel). Gemeinsam mit Toni Kroos und Casemiro bildet er das Mittelfeld-Trio, das viele Jahre das Spiel der Madrilenen beherrschte. Modric ist ein fester Bestandteil des Kerns, der von 2016 bis 2018 die Champions League gewann, 2017 Spanischer Meister wurde und das erfolgreichste Real Madrid der jüngeren Vergangenheit darstellt.


Luka Modric: Alle gewonnenen Titel in seiner Karriere

​PokalJahr​
​Kroatischer Meister​2006, 2007, 2008
​Kroatischer Pokalsieger2007, 2008​
​Spanischer Superpokalsieger2013, 2018
​Spanischer Pokalsieger2014
​Spanischer Meister2017​
​Champions-League-Sieger2014, 2016, 2017, 2018​
​UEFA-Supercup-Sieger​2015, 2017, 2018
​FIFA-Klub-Weltmeister2014, 2016, 2017, 2018​
​Europas Fußballer des Jahres2018​
​Weltfußballer des Jahres2018​

Seit 2016 ist er der Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft, für die er am 10. März 2006 debütierte. Bei der Weltmeisterschaft 2018 blüht er auf, die unermüdlichen Kroaten - Modric lief während des gesamten Turniers 72,3 Kilometer (Zeit) -  ziehen gar ins Endspiel ein, unterliegen dort jedoch Frankreich mit 2:4. Der Stellenwert des so unauffällig wirkenden Modric wird erkannt, nach dem Turnier erhält er den Goldenen Ball, wird zu Europas Fußballer des Jahres sowie FIFA-Weltfußballer des Jahres gekürt und mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet. 


In Kroatien verhasst


In seiner Heimat wird er allerdings nicht geliebt, es ist die Schattenseite einer sonst so prunkvollen und ruhigen Karriere. Wenige Monate vor der WM wird er wegen einer mutmaßlichen Falschaussage im Gerichtsprozess von Zdravko Mamic, dem früheren Präsidenten von Dinamo Zagreb, angeklagt. Mamic soll unter anderem beim Transfer des heute 34-Jährigen zu Tottenham Hotspur 15 Millionen Euro unterschlagen haben, erhält im Juni 2018 eine Haftstrafe über sechs Jahre und sechs Monate. Daraufhin taucht er in Bosnien-Herzegowina ab, erst vor wenigen Tagen wurde endgültig beschlossen, dass er nicht nach Kroatien ausgeliefert wird. Die Begründung: Nach bosnisch-herzegowinischem Gesetz stelle sein Vergehen keine Straftat dar (via kosmo.at). 


Auch wird Modric von der spanischen Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung angeklagt, entgeht jedoch einer Haftstrafe, indem er sich auf eine Rückzahlung von 1,4 Millionen Euro einigt. Ansonsten aber ist wenig von dem stilvollen Dirigenten zu hören, der nur auf dem Fußballfeld auf sich aufmerksam machen will. 


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min Ranking


Platz 20: ​Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin