Auf ​Schalke gab es in den letzten Wochen positive Meldungen am Stück. Das Team ist wieder eine Einheit, vier Siege in Folge, Spieler wie Amine Harit sind wie neugeboren. Dadurch rücken andere Spieler - zu Unrecht - etwas in den Hintergrund, so auch Suat Serdar. Er wandelt sich zurzeit etwas versteckt zu einem enorm wichtigen Stammspieler.


Wenn es für eine Rolle im S04-Kader zahlenmäßig große Konkurrenz gibt, dann ist es die des zentralen Mittelfeldspielers. Nicht zuletzt deshalb war vor der Saison nicht unbedingt klar, dass sich Suat Serdar so eindeutig dort zurechtfinden und durchsetzen können wird. 


Trotz großer Konkurrenz im Schalke-Mittelfeld - Serdar mit Einsatzgarantie


Neben dem derzeit brillierenden Omar Mascarell und auch Weston McKennie, Benjamin Stambouli und den zwei weiteren Youngsters, Levent Mercan und Nassim Boujellab, ist Serdar einer der Spieler, die diese Position bekleiden können. Der U21-Nationalspieler Deutschlands hat sich dabei innerhalb der letzten Wochen zum wichtigen Stammspieler hochgespielt. Durch viele andere positive Schlagzeilen und Themen ging das in der öffentlichen Wahrnehmung etwas unter. 


Dabei ist dies bei Serdar keine Entwicklung, die erst jetzt unter David Wagner startete. Bereits im Endspurt der letzten Saison, als Huub Stevens die Mannschaft vor dem drohenden Abstieg rettete, zeigte seine Formkurve nach oben. Zu Beginn der letzten Saison war er für rund zehn Millionen Euro von ​Mainz 05 zum S04 gewechselt, wo er - wie einige andere Spieler auch - unter der schlechten Situation des katastrophalen Saisonstarts litt. Ein spielstarker Mittelfeldspieler wie er war eher weniger gefragt - nun umso mehr.

Viele seiner Stärken kommen nun zum Tragen


Dabei zeichnet ihn vor allem seine Flexibilität aus. Er kann sowohl auf der Doppelsechs spielen, als auch in der offensiven Dreierreihe des 4-2-3-1-Systems seine Stärken ins Spiel bringen. Dabei ist er ziemlich ballsicher und dribbelstark, und auch seine Übersicht inklusive der guten Handlungsgeschwindigkeit sind aktuell die wichtigsten Aspekte, die seine Bedeutung für das aktuelle Schalker Spiel widerspiegeln. 


Zweimal konnte er bereits selbst treffen, und beide Male waren dies sehr wichtige Tore. Die zwischenzeitliche 2:1-Führung gegen den ​SC Paderborn, die das Spiel zugunsten der Königsblauen kippte, und der sogenannte Dosenöffner zum wichtigen 1:0 gegen seinen ehemaligen Klub Mainz in einem Spiel (2:1), das die eher kämpferischen Seiten des gefühlt neu formierten Teams forderte. 


Beim vergangenen ​3:1-Sieg gegen RB Leipzig leistete Serdar ebenfalls seinen wichtigen Teil zum Sieg. Zum einen mit der Art und Weise, wie er seine Dribblings und Zweikämpfe bestritt: Mit Mut, mit Selbstvertrauen und genau der Prise positiver Aggressivität, die Wagner fordert und das Team braucht. Zum anderen in den Umschaltmomenten, die zu den wichtigsten Eckpunkten des neuen Schalke-Stils gehören. So leitete er das 3:0 ein, indem er in der eigenen Hälfte nach einem provozierten Ballverlust der Leipziger am schnellsten schaltete und den einleitenden Pass auf Amine Harit spielte, der anschließend auf den Torschützen Rabbi Matondo auflegen konnte.

Gute Leistungen im Jetzt - dazu positive Entwicklung


​In dem Spiel legte er knapp 11,5 Kilometer zurück und konnte mit einer Passquote von 75 Prozent überzeugen, was gegen die Pressingmaschine ​RB Leipzig sehr gute Werte sind. Dazu darf man nicht vergessen, dass Serdar erst 22 Jahre alt ist. Ein Spieler, der erst am Anfang seiner Karriere steht. Bis 2022 läuft sein aktueller S04-Vertrag noch - gut möglich, dass er sich in dieser Zeit noch weiter verbessern und zu einem der wichtigsten (und wertvollsten) Spieler im Kader werden kann. 


Spielerprofil - Suat Serdar

Geburtsdatum ​                  Größe Positionen ​          
Marktwert   Für S04 U21-Nationalelf
​11.04.1997 (22 J.) ​1,84m​ZM (ZOM/ZDM)​13 Mio. Euro​40 Spiele (4 Tore)​8 Spiele (2 Tore)


Er will natürlich auch weiter an sich arbeiten. Das richtige Timing mit der dazugehörigen Aggressivität hat er beispielsweise in der letzten Saison teilweise noch vermissen lassen. Zweimal musste er vom Platz gestellt werden. Einmal nach einer Roten Karte inklusive drei weiteren Spielen als Sperre, nachdem er viel zu spät und zu ungestüm gegen Freiburgs Mike Frantz in den Zweikampf ging, und das andere Mal nach einer Gelb-Roten Karte gegen ​Eintracht Frankfurt. "Ich möchte keine zwei Roten Karten mehr bekommen, es waren meine ersten beiden Platzverweise. Eigentlich bin ich nicht so ein Spieler, aber es hat zur Saison gepasst", so Serdar nach dem RB-Spiel gegenüber den Ruhrnachrichten


So zeigt sich bereits jetzt ein gewisser Reifungsprozess, der ihn zu einer noch wichtigeren Figur auf Schalke machen wird. Während er bereits in den letzten Wochen zu den - im wahrsten Sinne des Wortes - zentralen Figuren im Spiel der Knappen gehörte, wird er sich stetig verbessern. Durch die aktuelle Spielweise und den positiven Lauf kann Serdar seine Stärken voll einsetzen. Das kommt ihm und vielen anderen Spielern zugute. 


Wagner wird in den kommenden Wochen kaum auf ihn verzichten können. Momentan scheint er gesetzt zu sein, auch weil er als ein Spieler gilt, der im Training immer versucht, sein volles Potenzial auszuschöpfen. So ist er aktuell einer der etwas vergessenen Gewinner der noch jungen Saison.