​Der ​VfB Stuttgart ist nach dem ​1:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld die einzige ungeschlagene Mannschaft der zweiten Liga und belegt weiterhin den ersten Tabellenplatz. Da die Stuttgarter zuvor bereits mehrfach enge Partien für sich entscheiden konnten, drängt sich die Frage auf: Sind die Schwaben einfach nur vom Glück geküsst, oder steckt hinter dem gelungenen Saisonstart doch mehr?


Auch beim Spiel gegen die Arminen, immerhin auf Platz drei liegend, wurde dem Absteiger alles abverlangt. Der Siegtreffer durch ​Angreifer Hamadi Al Ghaddioui gelang den Gästen auf der Bielefelder Alm dabei erst in der Nachspielzeit. Was unterm Strich aber zählt, sind erneut drei wichtige Zähler für die Mission sofortiger Wiederaufstieg.


Knappe Siege werden zur Gewohnheit


Wer von den Stuttgartern vor der Zweitligasaison einen Durchmarsch erwartete, kann sich bislang kurioserweise gleichzeitig bestätigt fühlen - und auch nicht. So holten die Schwaben bislang 20 von möglichen 24 Zählern und gewannen dabei alle ihrer vier Heimspiele. Auffällig ist aber dennoch, dass die Mannschaft bislang noch kein einziges Spiel über 90 Minuten hinweg komplett in der Tasche hatte.


Fünf der sechs Erfolge des VfB brachte die Walter-Elf dabei mit gerade einmal einem Tor Unterschied über die Bühne und auch bei dem 2:0-Sieg gegen Greuther Fürth hätten sich die Stuttgarter bei einem nur leicht veränderten Spielablauf gut und gerne mit nur einem Zähl​er zufrieden geben müssen.


Mannschaft des VfB Stuttgart wirkt sehr intakt


Eine solche Serie einzig und allein auf Spielglück zurückzuführen, wäre aber mit Sicherheit zu kurz gegriffen. So bleibt definitiv festzuhalten, dass die Stuttgarter deutlich mehr Kilometer abspulen als noch in der Vorsaison und so austrainiert daherkommen, wie schon lange nicht mehr. Diese Physis sorgt mit dafür, dass die Spieler auch gegen Ende der Spiele noch einen kühlen Kopf bewahren und späte Siegtreffer erzielen können.


​Die Erfolge der jüngsten Vergangenheit haben dafür gesorgt, dass die Mannschaft das nötige Selbstvertrauen mitbringt, um bis zum Abpfiff an sich zu glauben. Die zuletzt im Fußball so häufig heraufbeschworene Moral stimmt beim VfB derzeit einfach. Ein Garant dafür, dass das Team an einem Strang zieht, ist mit Sicherheit Tim Walter, dem es gelingt, selbst wenig eingesetzte Spieler wie ​Mario Gomez zu echten Teamplayern zu formen.


Qualität setzt sich durch


Zurückgreifen kann der neue Cheftrainer in Stuttgart auf einen Kader, der ligaweit in Sachen Qualität seinesgleichen sucht und bei einem Blick auf den Marktwert selbst Traditionsvereinen wie dem Hamburger SV und Hannover 96 Neid abnötigt. Die gute Tabellenplatzierung war daher erwartbar, sie schlussendlich auch wirklich in die Tat umzusetzen ist aber dennoch eine Leistung.


Nicht wenige Beobachter erinnert der bisherige Saisonverlauf der Stuttgarter an die vergangenen Spielzeit des 1. FC Köln, der ebenfalls über den mit Abstand besten Kader verfügte und sich schlussendlich auch das Ticket für die erste Liga sichern konnte. Im Gegensatz zu den Kölnern passt beim VfB zwischen Trainer und Mannschaft aber (bislang) kein Blatt Papier.


Viele Aufgaben stehen noch an


Spannend wird es im weiteren Saisonverlauf daher zu sehen sein, wie die Stuttgarter und ihr Coach auf etwaige Ergebniskrisen reagieren werden. Sollte nach einem knappen Spiel am Ende häufiger nur einer oder gar kein Punkt verbucht werden, ist Walter gefordert, dass Team auch weiterhin von seiner Art Fußball zu begeistern.


Die bisherige Saisonbilanz des VfB Stuttgart:

Ligasiege6
Liga-Remis2
Liga-Niederlagen0
Tore14
Gegentore7
DFB-Pokal1:0-Sieg gegen Hansa Rostock

Doch auch wenn die Stuttgarter weiterhin Sieg an Sieg reihen, wissen alle Beteiligten, dass sich der VfB im Falle eines Aufstiegs in allen Mannschaftsteilen weiter verbessern muss, um nicht sofort wieder ans Ende der Bundesligatabelle gespült zu werden. Rein qualitativ ist ein immer größeres Gefälle zwischen erster und zweiter Liga, schon allein aufgrund der finanziellen Möglichkeiten, schließlich nicht von der Hand zu weisen. Phasen in einem Spiel, in denen kaum etwas zusammenläuft und insbesondere die Defensive große Lücken aufweist, sind im Oberhaus tödlich.


Da die Stuttgarter aber über ​zahlreiche hoffnungsvolle Talente verfügen und auch die sportliche Leitung rund um Sportvorstand Thomas Hitzlsperger eine große Ruhe ausstrahlt, sollten sich die Stuttgarter Anhänger durchaus den einen oder anderen freudestrahlenden Blick auf die Tabelle gönnen. Der Bruddler, der so ziemlich jedem eingefleischten VfB-Anhänger innewohnt, wird sich wohl ohnehin früh genug melden.​