Der BVB trudelt in Richtung Krise. Nach sechs Spieltagen steht ​Borussia Dortmund ​mit nur elf Punkten auf Platz acht. Am Wochenende sorgte das 2:2 gegen Werder Bremen für den nächsten Rückschlag. Die Nerven in Dortmund liegen blank, Trainer Lucien Favre steht in der Kritik.


Mit großen Erwartungen gingen die Dortmunder in die laufende Saison. Nach teuren Investitionen in die Mannschaftsstruktur adelten nicht wenige den BVB als ernsthaften Titelkandidaten. Doch nach dem anfänglichen Höhenflug folgte ein schmerzhafter Aufschlag auf den Boden der Tatsachen.


Die Zahnräder des BVB - sie kommen ins Stocken. Bislang konnte Dortmund nur selten das vollständige Potenzial auf den Platz bringen. Dennoch scheint Favre bislang noch nicht um seinen Job fürchten zu müssen. Der BVB plant weiter mit dem Schweizer, um eine endgültige Chaos-Saison zu verhindern. Doch um das Vertrauen zu bestätigen, ist Favre am Mittwoch gegen Slavia Prag und Samstag gegen SC Freiburg zum Siegen verdammt.


Dazu muss die Borussia allerdings schnell an sich selbst arbeiten. Die Bild-Zeitung fasste die Wehwehchen vom BVB in drei Oberbegriffe zusammen, die schnellstens überwunden werden sollten.


1. Underdog-Problem

Gegen die größeren Klubs ​Barcelona (​Champions League), ​Bayern München (Super-Cup) und ​Leverkusen (​Bundesliga) machte der BVB zuletzt eine mehr als gute Figur. Doch unter der Ära Favre sammelte Dortmund in nur 14 von 22 Spielen gegen Teams aus der zweiten Tabellenhälfte Punkte - zu wenig für einen Spitzenklub. Auch verspielt der BVB mal gerne Führungen. 33 Mal ging Dortmund unter Favre in Front, sieben Mal reichte die Führung jedoch nicht zu einem Sieg. Zu wenig für die eigenen Ansprüche.


2. Standard-Schwäche

In den 40 Bundesligapartien unter Favre kassierte der BVB satte 53 Gegentreffer. 17 dieser Treffer, also knapp jeder Dritte, fielen nach einem Standard des Gegners. Wie schlecht dieser Wert ist, wird erst deutlich, wenn man ihn unter den oberklassigen deutschen Vereinen vergleicht. Mit Bundesligaabsteiger ​Hannover 96  (20 Gegentreffer nach Standards) war nur ein Verein in dieser Rubrik schlechter als der BVB.


3. Motivationsproblem

Lucien Favre ist allgemein nicht als lautstarker Trainer bekannt. Statt emotionalen Reden versucht der Trainer vielmehr durch taktische Umstellungen das Team zu beeinflussen. Dass dem BVB daher aber oftmals der letzte Kick fehlt, ist nicht von der Hand zu weisen. Inzwischen wirken auch erste Spieler gereizt (Stichwort Marco Reus und das "Mentalitätsproblem"). Es fehlt das Feuer in Dortmund.


Diese drei Abschnitte klingen auf dem ersten Blick wie Luxusprobleme. Viele Klubs in Deutschland wären froh, nur diese drei Probleme zu haben. Doch Borussia Dortmund ist nicht irgendein Verein. Der BVB hat deutlich gemacht, ganz oben angreifen zu wollen. Daher wird die Arbeit in Dortmund nun auch mit den hoch gesteckten Zielen verglichen.


Das Ergebnis ist deutlich. Der BVB tritt nicht wie eine Spitzenmannschaft auf. Es fehlt die Leistung und Einstellung, um im Meisterschaftsrennen mitspielen zu können. Die Mannschaft zeigt sich nicht konstant, verunsichert und enorm abhängig von Einzelspielern. Die Zukunft des BVBs könnte ungemütlich werden.