​Der ​VfB Stuttgart befindet sich als Spitzenreiter der zweiten Liga bislang auf einem guten Weg in Richtung sofortiger Wiederaufstieg. Auffällig ist dabei, dass die Schwaben von Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, über Cheftrainer Tim Walter bis hin zur Mannschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Hervorzuheben ist mit Mario Gomez ausgerechnet ein Profi, der zuletzt auf dem Platz nur wenige Ausrufezeichen setzen durfte.


Aus persönlicher Sicht kann Gomez mit dem bisherigen Verlauf dieser Spielzeit nicht wirklich zufrieden sein. Nachdem der Mittelstürmer zum Saisonauftakt beim 2:1-Heimsieg gegen Hannover 96 noch in der Startelf gestanden hatte und sogar prompt sein erstes Saisontor beisteuern konnte, wurde der Altmeister in den vergangenen Wochen Schritt für Schritt immer weiter ins zweite Glied zurückgedrängt und kam so insgesamt auf lediglich 163 Einsatzminuten.


Die Konkurrenz schläft nicht


Dabei machte dem 34-Jährigen auch immer wieder sein Körper einen Strich durch die Rechnung und nötigte ihm mehr Verschnaufpausen a​b, als dem Routinier lieb sein könnte. Doch auch wenn der Stürmer fit war, hatten bislang im dichten Kader der Stuttgarter ​zumeist andere Offensivspieler die Nase vorn.


Ein Grund hierfür ist mit Sicherheit der ​Matchplan von Coach Tim Walter, der viel Wert auf Variabilität setzt und von seinen Angreifern viel Tempo und Laufbereitschaft einfordert. Nun gehört Gomez aber seit jeher der Kategorie von Stürmern an, die sich vor allem durch ihren guten Riecher vor dem gegnerischen Gehäuse auszeichnen. Im hohen Fußballeralter von Gomez ähnlich geschmeidige Aktionen zu erwarten, wie von seinen Mitspielern Nicolas Gonzalez und Silas Wamangituka wäre daher nicht nur naiv, sondern regelrecht unfair. 


Gomez dennoch ein echter Leader


Umso imponierender, dass der Angreifer keinerlei Groll gegen seine jungen Konkurrenten und den neuen Coach zu hegen scheint. Vielmehr wird aus dem einst nicht völlig frei von Starallüren agierenden Mittelstürmer auf seine alten Tage ein echter Teamplayer und ein Vorbild für seine Mitspieler. So gibt der Offensivspieler im Training weiterhin Vollgas und stachelt seine Teamkollegen zu weiteren Topleistungen an.


Nur wenige Spieler im deutschen Profifußball können auf einen ähnlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen wie Gomez, der in der ewigen Torjägerliste der Bundesliga den 11. Platz belegt und dabei Legenden wie Karl-Heinz Rummenigge, Uwe Seeler und Rudi Völler allesamt hinter sich lässt. In Stuttgart läuft Gomez dennoch nicht wie ein eitler Gockel umher, sondern stellt sich in den Dienst der Mannschaft.


So ist sich der Angreifer selbst nicht zu fein, um seinem Trainer Signale zu geben, wenn sein Körper mal wieder streikt. Infolgedessen ist er sogar dazu bereit, auf mögliche Einsatzzeiten zu verzichten. Selbstverständlich sollten solche Aktionen auch im Profifußball gang und gäbe sein, sind es de facto aber längst nicht mehr.


Publikumsliebling reloaded​


Durch sein selbstloses Auftreten gelingt es Gomez dabei, auch die Bruddler vom Neckar wieder sukzessive auf seine Seite zu ziehen. Als im Januar 2018 klar wurde, dass Gomez zu seiner Jugendliebe zurückkehren würde, reagierten nicht wenige Anhänger eher mit Argwohn denn mit Jubelarien. Zu tief saß noch der Stachel aus dem Jahre 2009, als Gomez die Stuttgarter ausgerechnet in Richtung Bayern München verließ.


Dass es ihn in der Folge dann auch noch zum  VfL Wolfsburg und damit zu dem Gegenmodell eines echten Traditionsvereins zog, kam bei den VfB-Ultras ebenfalls alles andere als gut an. Umso schöner dürfte es für Gomez daher sein, langsam wieder in der Gunst der Anhänger nach oben zu steigen. 


Das Spielerprofil von Mario Gomez

​Position​MS
​Alter​34
​Marktwert​1 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2020
​VfB-Spiele​211
​VfB-Tore​104

(Marktwert laut transfermarkt.de)


Einzig und allein als eine Art Maskottchen aufzutreten ist aber mit Sicherheit mit dem Anspruch eines ehemaligen Nationalspielers nicht zu vereinbaren. Die vielen Jahre im Profifußball haben Gomez aber ausreichend Ruhe und Selbstvertrauen gegeben, um zu wissen, dass er im Saisonverlauf auch auf dem Platz noch gebraucht werden wird. 


Womöglich muss er sich dabei sogar nur bis zum nächsten Pflichtspiel am kommenden Freitag gedulden, brach mit ​Hamadi Al Ghaddioui doch am Montag einer seiner Rivalen die Trainingseinheit der Stuttgarter angeschlagen ab.