Der SC Paderborn hatte sich formal schon in den Amateurbereich verabschiedet. Zwei Jahre später sind die Ostwestfalen zurück in der Bundesliga. Doch was steht hinter dem Verein und seinem sensationellen Aufschwung? Wir haben mit Martin Przondziono, dem Geschäftsführer Sport des SC Paderborn gesprochen:


Mit bislang einem Punkt aus fünf Spielen hält der ​SC Paderborn 07 derzeit die rote Laterne. Nur Mainz 05 hat mehr Gegentore als die Ostwestfalen. Für neutrale Zuschauer ist das keine Überraschung. Der Marktwert des gesamten Paderborner Kaders wird lediglich auf 24,7 Millionen Euro geschätzt. Zum Vergleich: Joshua Kimmich ist ungefähr das Dreifache wert!


In der Tat stellt der SC Paderborn in der laufenden Saison den unbekanntesten Kader im Oberhaus. Sicherlich liegt es zum einen daran, dass sie erst in die ​Bundesliga aufgestiegen sind. Viel mehr aber, dass der Verein weiterhin den Weg verfolgt, der sie vor der Versenkung rettete und zu einem märchenhaften Aufschwung von der dritten Liga zurück in die höchste deutsche Spieklasse verhalf: Nämlich den ganz eigenen.


"Der Aufschwung war nicht verwunderlich"

Von dem war auch Martin Przondziono, der jetzige Geschäftsführer Sport, angetan. Gerade die Drittligasaison bleibt ihm dabei schillernd im Gedächtnis. Zwar war er damals noch für ​Hannover 96 tätig, wohnte aber in Paderborn. Den vermeintlichen Abstieg, der nur durch den Lizenzentzug von 1860 München revidiert wurde, erlebte er demnach aus nächster Nähe.

"Der folgende Aufschwung war für mich aber nicht verwunderlich.“ Unter seinem Vorgänger Markus Krösche habe der Verein nämlich einen klaren Plan verfolgt.


Als sich Przondziono nach seiner Freistellung in Hannover mit seinem langjährigen Freund Krösche in dessen Büro traf, wurde ihm das bewusst. 


"Wir haben schnell gemerkt, dass wir nahezu komplett gleich über Fußball denken. Zudem schätzen und ergänzen wir uns fachlich sehr gut.“ In der Zweitligasaison war Martin Przondziono dann zunächst Sportlicher Leiter des Lizenspielerbereichs.


In der ersten gemeinsamen Saison in Paderborn trug die Zusammenarbeit bereits Früchte: "Wenn man eine gute Idee hat und daran festhält, auch wenn es mal nicht optimal läuft, wird sich das auf Dauer auszahlen.“ Der Erfolg habe den Paderbornern dabei recht gegeben: "Wir sind völlig verdient in die Bundesliga aufgestiegen.“


"Wir leben durch unsere Kommunikation und unseren Zusammenhalt."


Dort ist die Gangart allerdings rüder und das Geschäft schnelllebiger. Trotzdem will Przondziono neben der Zielstrebigkeit im Verein weiterhin auf Umgänglichkeit und Bescheidenheit setzen. 


"Wir sind eine sehr kleine Einheit, auch von der Mitarbeiterzahl her. Wir leben durch unsere Kommunikation und unseren Zusammenhalt." Für Przondziono sei genau das der Schlüssel zum Erfolg: "Eine 'Jeder-macht-sein-Ding-Mentalität' würde bei uns nicht funktionieren."


Zudem habe man in Paderborn nicht die Finanzstärke eines gestandenen Bundesliga-Teams. So müsse man "schon innovativ denken, um die größeren finanziellen Mittel anderer Vereine ausgleichen zu können", so Przondziono. Zwar sei man dadurch gezwungen, einen anderen Ansatz als diese Mannschaften zu wählen, problematisch sei das aber nicht: 


"Das passt aber für diesen Verein und es zeigt halt auch manchmal, dass man nicht unbedingt so viel Geld aufwenden muss, um gute Spieler zu finden."


Scouting über Datenbanken

Gerade die Sichtung neuer Spieler unterscheide sich für Przondziono von seinen vorherigen Stationen bei Hannvover 96 und dem ​1. FC Nürnberg


"Wir haben jetzt nicht drei, vier, fünf, sechs festangestellte Scouts, die durchs Land oder durch Europa fliegen und sich die Spieler anschauen." Viel mehr arbeite man mit Datenbanken und Netzwerken. Schließlich wolle man Spieler nach deren Potential verpflichten.


"Unser Ansatz ist davon geprägt, dass wir am Anfang der Nahrungskette stehen. Wir verpflichten hier Spieler nach ihrem Potenzial."


Dabei verfolgen die Paderborner einen recht unkonventionellen Weg. Stammspieler wie Ben Zolinski, Sebastian Vasiliadis oder Klaus Gjasula hat man aus damaligen mittelmäßigen Drittligamannschaften oder sogar Regionalligateams geholt. Erst vor der Saison wechselte Streli Mamba von Energie Cottbus direkt aus der vierten in die erste Liga. In vier Spielen traf er bislang zwei Mal.

Streli Mamba

Streli Mamba wechselte von Energie Cottbus aus der Regionalliga nach Paderborn


Aber auch hier will Martin Przondziono nicht überschwänglich werden: 


"Auch er muss seine stetige Bundesliga-Tauglichkeit erst noch unterstreichen. Unser Ansatz ist davon geprägt, dass wir am Anfang der Nahrungskette stehen. Wir verpflichten hier Spieler nach ihrem Potenzial." 


Doch nicht nur die Spieler, sondern alle Mitarbeiter des Vereins sollen ihr Potenzial erkennen. In Paderborn wolle man das nämlich gemeinsam ausschöpfen.


Dabei dürfe man sich nicht zu schade sein, wenn Fehler passieren: "Da geht die Welt nicht unter, wir machen ja alle Fehler. Das muss man sich dann zugestehen, genauso aber auch Spielern, Trainern, Physios oder Athletiktrainern", reflektiert Przondziono. Wichtig sei dabei, dass es nicht in persönliche Eitelkeiten ausarte. Viel mehr sollen Entscheidungen der Sache, der klar formulierten Ambition für die Bundesliga dienen: "Wir wollen die Klasse halten!"


Im zweiten Teil unseres Gesprächs mit dem SCP-Geschäftsführer spricht ​Przondziono über die Fußstapfen von Markus Krösche, die finanzielle Entwicklung des Klubs und was man den Traditionsvereinen aus der zweiten Liga derzeit voraus hat.