Kein Spieler steht so sehr für den Aufschwung des ​FC Schalke 04 wie Amine Harit. In den vergangenen beiden Bundesligaspielen gegen den SC Paderborn (5:1) und Mainz 05 (2:1) war der Marokkaner der Matchwinner, nach fünf Spieltagen steht Harit bei drei Toren und einer Vorlage. Aufgrund der zahlreichen verlorenen Vertragspoker in der Vergangenheit sollte Sportvorstand Jochen Schneider so schnell wie möglich mit ihm verlängern.


Es ist das dritte Jahr für Harit auf Schalke, und alles deutet darauf hin, dass es das zweite gute wird. In seiner Debütsaison 2017/18 erzielte der offensive Mittelfeldspieler drei Tore, lieferte sieben Vorlagen und begeisterte die Bundesliga. Doch ein dramatischer Autounfall in seiner Heimat, Probleme mit Glücksspiel und ein massiver sportlicher Absturz unter Domenico Tedesco trugen ihren Teil dazu bei, dass Harit als Streichkandidat galt.


Hätte Christian Heidel nach der 3:0-Niederlage gegen Mainz im Februar nicht seinen Rücktritt als Sportvorstand verkündet, wäre der 22-Jährige wohl wenig später abgegeben worden. ​Doch sowohl Jochen Schneider als auch der neue Trainer David Wagner gaben ihm eine neue Chance und früh wurde klar, dass Harit bleiben würde und in den Plänen von Wagner eine entscheidende Rolle einnehmen soll.


Im neuen 4-2-3-1 System ist er das Prunkstück im offensiven Mittelfeld. Harit überzeugt auf der Zehn (oder auch mal über die Außen) mit seiner Kreativität und Ballsicherheit, zieht mehrere Gegenspieler auf sich und sucht immer wieder den Abschluss, ist sich aber auch nicht zu fein, die Mannschaftskollegen in Szene zu setzen. Schon jetzt hat er so viele Tore erzielt wie in der Saison 2017/18, sollte die Tendenz weiter nach oben steigen, dürfte auch die Marke von sieben Vorlagen überboten werden.


Darum sollte Schalke mit Harit verlängern

Und so kommen die Verantwortlichen wieder einmal in eine verzwickte Lage. Junge, aufstrebende Spieler konnte Schalke zuletzt nur in den seltensten Fällen halten. Ob Eigengewächse aus der Knappenschmiede oder externe Neuzugänge, die bei den Profis hochgezogen wurden - viele suchten nach einigen Jahren das Weite, gingen dabei meist ablösefrei. 2016 etwa zog es Joel Matip zum Nulltarif zum FC Liverpool, ein Jahr später ging Sead Kolasinac zu Arsenal, im Sommer 2018 schloss sich Leon Goretzka dem FC Bayern München an, Max Meyer Crystal Palace.


2020 könnte Alexander Nübel folgen. Der Vertrag des U21-Torhüters läuft aus, mit Bayern München und RB Leipzig sollen gleich zwei Spitzenklubs Interesse besitzen; ​nach den jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß über Manuel Neuer und der ​Vertragsverlängerung von RB-Keeper Peter Gulacsi dürfte die Hoffnung auf einen Verbleib aber ein wenig gestiegen sein, allerdings könnte auch Nübel den Sprung in die Premier League wagen.

Alexander Nuebe

   Schalke will Alexander Nübel (Foto) halten, der Torwart zögert aber mit einer Entscheidung. Um solch ein Szenario bei Amine Harit zu vermeiden, sollte Jochen Schneider schnellstmöglich alle Hebel in Bewegung setzen.


Und was passiert mit Harit? Sein Vertrag endet 2021, laut BILD gebe es keine Ausstiegsklausel für einen etwaigen Transfer im kommenden Jahr. Schneider hat das Heft des Handelns in der Hand, könne dem Bericht zufolge noch bis zum Winter warten, ehe die Gespräche mit Harit und dessen Berater beginnen. 


Wieso Schneider nicht zögern sollte


Doch gerade das Beispiel Nübel zeigt, dass zu viel Gelassenheit und Geduld nicht gerade förderlich ist. Wie Schneider Anfang August gegenüber BILD verriet, stecke man in der Bredouille, da der Klub zuvor nicht mit dem Torwart-Juwel verlängern wollte: "Er war ganz lange bereit, seinen Vertrag auf Schalke zu verlängern. Der Verein hat es in der letzten Saison nicht getan – aus welchen Gründen auch immer. Das ist kein Vorwurf an irgendjemanden, sondern die Realität." 


Daher sollte der 48-Jährige frühzeitig Nägel mit Köpfen machen und den Vertrag mit Harit vorzeitig verlängern. Zwar könnte der aktuelle Shootingstar in einigen Jahren noch immer seine Zelte auf Schalke abbrechen, ein ablösefreier Transfer wäre dann aber mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Vor allem aber wäre es ein Zeichen, dass Harit unter Wagner eine Weiterentwicklung sieht und Schalke dank ihm wieder zu einem Klub wird, der mehr zu bieten hat, als den puren Kampf um den Klassenerhalt.