Der ​FC Bayern München spielt bislang eine gute und vor allem gefällige Saison. All dem Drama in diesem Jahr zum Trotz, hat es der Deutsche Rekordmeister irgendwie geschafft, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die definitiv Silberware gewinnen und auch auf internationalem Parkett mithalten kann. Davor ziehe ich meinen Hut. 


Und dabei hatte ich in diesem Jahr ganz viel Spaß daran, die Bayern zu sezieren. Gelegenheiten dafür gab es ausreichend; sei es das Grundgesetz-Gate, die "Wenn-Sie-wüssten"-Rede, Hasan Salihamidzic' Greatest Hits oder zuletzt der Hoeneß-Rundumschlag gegen Marc-Andre ter Stegen, die Medienlandschaft und die deutsche Nationalmannschaft (und jeden, der sich sonst noch in den Weg stellen wollte). Aber: Mea culpa! Es läuft trotzdem an der Säbener Straße.


Und wie! Was ich gestehen muss: Ich bin ein Fan dieser (neu zusammengestellten) Mannschaft. Wer hätte das gedacht; immerhin hatte Hasan Salihamidzic seine Finger in der Keksdose und in der Außendarstellung hat Brazzo nicht gerade das getan, was man sich von einem seriösen und fähigen Sportdirektor wünscht. Da bleibe ich auch: Was die Bayern in diesem Jahr an öffentlicher Kommunikation fabriziert haben (und weiter fabrizieren), reicht nicht mal für die Kreisklasse. 


FC Bayern in neuem Gewand: Bereit für die Champions League


Abseits all dieser Brandherde hat der Deutsche Rekordmeister allerdings eine Mannschaft zusammengestellt, die die nationale Konkurrenz auf Distanz halten kann und zudem das Potenzial hat, auch in der Champions League mitzuhalten. Auch wenn Vereine wie Barcelona oder Real Madrid nochmal die ein oder andere hundert Million Euro mehr investieren - besseren Fußball spielen sie nicht. Sofern die Bayern das Glück haben, nicht auf Manchester City oder den FC Liverpool zu treffen, ist mindestens das Halbfinale möglich. Hätte ich so vor der Saison auch nicht gedacht.


Die Unterschiedmacher sind dabei für mich die Vertragsverlängerung mit Robert Lewandowski und die (Leih)-Transfers von Ivan Perisic und Philippe Coutinho. Zuvor hatte man sich mit Lucas Hernandez und Benjamin Pavard zumindest defensiv ordentlich verstärkt. Aber: der ganz große Wurf, den die Bayern im Sommer mehrfach angekündigt hatten, blieb bis dahin aus. Und als sich dann noch Leroy Sane am Kreuzband verletzte, schien die Stunde Null an der Säbener Straße geschlagen. 


Coutinho-Transfer: Nichts für Praktikanten


Dass der FC Bayern dann noch im Schlussspurt des Transferfensters Ivan Perisic und Philippe Coutinho aus dem Hut zog, war genial - und sicher nicht Hasan Salihamidzic' Verdienst. Karl-Heinz Rummenigge wird - dessen bin ich mir sicher - seine Kontakte ausgespielt und die Deals final eingefädelt haben. Immerhin bedarf eine Notsituation (wie es die Verletzung von Leroy Sane war) einer ruhigen Hand. Jetzt ist man zumindest für diese Saison abgesichert; per Kaufoption könnten Perisic und Coutinho im Sommer fest nach München wechseln. 


Aus all diesem Wirrwarr hat sich eine Mannschaft entknotet, die fantastischen Fußball spielt. Die Möglichkeit, Joshua Kimmich auf die Sechs zu ziehen, weil Benjamin Pavard auf weltmeisterlichem Niveau hinten rechts aushelfen kann, entlastet die einzige Schwachstelle im Team von Niko Kovac. Dass Lucas Hernandez genauso als Innen- und Außenverteidiger spielen kann, hat sich ebenfalls schon bezahlt gemacht. Was auch nur dadurch möglich war, dass Niko Kovac Jerome Boateng irgendwie wieder auf die Beine gestellt hat. Und im offensiven Mittelfeld hat Kovac die Wahl zwischen einem Philippe Coutinho, der sich spielfreudiger und glücklicher als in Barcelona präsentiert, und einem Thomas Müller, der eben Thomas Müller ist. Ivan Perisic kann für Entlastung auf dem Flügel sorgen und Robert Lewandowksi spielt ohnehin in seiner eigenen Liga. Es funktioniert beim FCB.


Von daher: Mea culpa! Aber auch nur so halb. Ein defensiver Mittelfeldspieler und (sofern das mit Boateng doch nicht klappt) ein neuer Innenverteidiger würden die einzigen potenziellen Schwachstellen im Kader ausmerzen. An der Außendarstellung des Vereins muss auch gearbeitet werden; ein Mundkorb für Uli Hoeneß und Nachhilfestunden für Hasan Salihamidzic (oder ein fähigerer Sportdirektor) sollten als Maßnahmen zweckdienlich sein. Es ist noch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen an der Isar. Aber der Deutsche Rekordmeister ist entgegen der Erwartungen auf einem sehr guten Weg. Chapeau.