​Werder Bremen empfängt am Samstagabend RB Leipzig.​ Florian Kohfeldt muss dabei erneut viel Kreativität aufbringen, stehen dem Coach doch gleich mehrere Stammspieler nicht zur Verfügung. Besonders bitter ist der Ausfall von Niclas Füllkrug, für den nach seinem Kreuzbandriss eine lange Leidenszeit ansteht. Den Stürmer in den kommenden Monaten zu ersetzten, dürfte sich als echte Herkulesaufgabe herausstellen.


Zu sagen, bei den Bremern sei hinsichtlich Verletzungen derzeit der Wurm drin, ​wäre eine echte Untertreibung, fallen für das Spiel gegen die roten Bullen doch sage und schreibe zehn Profis aus. Nur wenige Ausfälle fallen dabei aber auch nur annähernd so schwer ins Gewicht, wie der von Füllkrug. 


Ausgerechnet im Abschlusstraining am Freitagabend sorgte der Sommer-Neuzugang für den bislang größten Schockmoment bei den Werderanern in dieser Saison. Als sich der Angreifer bei einem Trainingsspiel plötzlich vor Schmerz auf dem Rasen wälzte, wurden die Sorgenfalten bei Kohlfeldt sekündlich größer. Nur wenige Stunden später dann ​die bittere Diagnose: Kreuzbandriss, sprich: eine monatelange Zwangspause für den Offensivspieler.


Füllkrug hatte sich Stammplatz erarbeitet


Für Spieler und Verein stellt die Verletzung eine sportliche Katastrophe dar. Als der ehemalige deutsche U20-Nationalspieler in diesem Sommer von Hannover 96 zu seinem Ausbildungsverein zurückgekehrt war, hielten sich die Anhänger der Hanseaten in Sachen Jubelstürme noch vornehm zurück, schließlich hatte Füllkrug bei seinem Ex-Klub Hannover 96 zwar durchaus seine Klasse unter Beweis stellen können, war aufgrund eines komplizierten Knorpelschadens aber fast für die komplette Rückrunde der Vorsaison ausgefallen.​


Auch für viele Experten durchaus überraschend, sprühte der Mittelstürmer seit seiner Ankunft an der Weser aber nur so vor Tatenfreude und robbte sich Tag für Tag näher an die Startelf von Kohfeldt heran. Gleich in seinem ersten Pflichtspiel gelang ihm in der ersten Runde des DFB-Pokals beim ungefährdeten 6:1-Erfolg gegen den Oberligisten SV Atlas Delmehorst seine erste Torvorlage. Im ersten Ligaspiel kam er dann zunächst von der Bank. Zuletzt stand er aber drei Mal in Folge in der Startelf.


Füllkrug setzte wichtige Zeichen


Dabei war der Rechtsfuß in jedem der drei Spiele an einem Tor beteiligt und war auch ansonsten ein wichtiger Zielspieler im System von Kohfeldt. Kein anderer Spieler im Offensiv-Aufgebot der Bremer brachte dabei so viel Durchsetzungsvermögen auf den Rasen, wie der gebürtige Hannoveraner, der insbesondere bei Luftduellen eine enorme Wucht an den Tag legte.


Gerade im Vergleich zu seinen offensiven Mitspielern, die gerne eine feine Klinge pflegen, dabei aber ab und an den Zug zum gegnerischen Gehäuse vermissen lassen, tat dem Spiel der Bremer ein Knipser der alten Schule sichtlich gut. Dabei ging der Neuzugang auch im Gegenpressing häufig voran und warf sich mit Feuereifer in viele Zweikämpfe und störte so einen gepflegten Spielaufbau bei den Gegnern.


Füllkrug hinterlässt schwer zu stopfende Lücke


Eine Verletzung von Füllkrug würde die Mannschaft der Bremer bereits dann treffen, wenn Kohfeldt ansonsten aus dem Vollen schöpfen könnte. Angesichts des aktuellen personellen Aderlasses beim Bundesligisten, dürfte der Ausfall aber noch schwerer zu kompensieren sein. So ist etwa Josh Sargent zwar zweifelsohne eine talentierter Spieler, bringt aber allein aufgrund seines jugendlichen Alters längst nicht die Präsenz mit, wie ein Füllkrug. 


Das Spielerprofil von Niclas Füllkrug

​Position​MS
​Alter​26
​Marktwert​8 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2023
​Profi-Spiele​220
​Profi-Tore​63


(Marktwert laut transfermarkt.de)


Auch ein ​Claudio Pizarro kann über 90 Minuten hinweg keine ähnliche Intensität an den Tag legen. Johannes Eggestein hat ebenfalls andere Qualitäten und wurde von Kohfeldt zuletzt eher im offensiven Mittelfeld, denn als echter Mittelstürmer aufgeboten. Fülllkrug, der einst von seinem ehemaligen Werder-Kollegen Marko Arnautovic aufgrund seiner charakteristischen Zahnlücke den Spitznamen "Lücke" spendiert bekommen hat, macht seinem Namen daher nun, zum Unmut aller Werder-Fans, alle Ehre. 


Dabei ist der Kreuzbandriss natürlich nicht nur für den Verein, sondern auch für den Stürmer selbst ein herber Rückschlag. Wer das Kämpferherz des 1,89-Meter-Hünen kennt, weiß aber, dass er alles daran setzten wird, nach seiner Genesung die nächste Attacke in Angriff zu nehmen. Bis er dabei aber wieder auf einem ähnlichen physischen und auch psychischen Niveau sein wird, dürften noch einige Monate ins Land gehen.