​Nach der 0:3-Pleite von ​Real Madrid im Champions-League-Auftaktspiel bei Paris St.Germain steht ​Zinédine Zidane bereits gehörig unter Druck. Jetzt werden schon die möglichen Nachfolger vorgestellt. Zumindest von den Barça-affinen Medien wie El Mundo Deportivo oder Sport. Denen kann nämlich ein vereinsinterner Sturm beim Erzrivalen gar nicht zerstörerisch genug sein. Und wenn man kann - hilft man gerne mit Spekulationen über diesen oder jenen Trainer. 


Zidane konnte Umbruch nicht moderieren


Doch auch bei der Marca oder as, den in Madrid ansässigen Zeitungen, klingen die Artikel nicht mehr so nach unbedingter Liebe für den einst als Heilbringer gepriesenen Franzosen. Drei Champions-League-Titel in Folge - nicht zuletzt auch Zidanes Vermächtnis. 


Doch bei Real ist die Halbwertzeit der Freude über errungene Titel kürzer als anderswo. Dieses Jahr sollte mit ihm die große Revolution eingeläutet werden. Bis dahin war Zidane meist nur Verwalter des Status Quo gewesen. 


In Spanien, ähnlich wie in England, ist es nicht der Trainer, der für die Zusammenstellung des Kaders allein verantwortlich ist. Da ist Real keine Ausnahme. Entsprechend musste Zidane immer mit dem Spielermaterial arbeiten, welches ihm von Vereinsboss Florentino Pérez vorgesetzt wurde. Und da Pérez zuletzt etwas sparsamer durch die Welt ging, werkelte Zidane über Jahre hinweg fast mit unverändertem Kader. 


Dieses Jahr sollte endlich alles besser werden. Zizou sollte ordentlich Geld ausgeben dürfen und sich seine Traummannschaft zusammenbasteln. Doch die Neymars (wenn er denn wirklich ein Transferziel war), Mbappés oder Pogbas kamen nicht. Nur Eden Hazard, den man so gerade noch den Fans als Galaktischen präsentieren konnte. Doch selbst die rochen den Braten und skandierten bei Hazards Vorstellung im Sommer lauthals den Namen "Mbappé".


Als dieser Hazard dann auch noch merklich fremdelte mit der neuen Umgebung und so gar nicht in die Saison kam, überkam den einen oder anderen schon ernsthafte Befürchtungen. Hinzu kommt: Die Transferaktivitäten auf der Abgabeseite sind - gelinde gesagt - katastrophal gelaufen. Dass es nicht leicht sein würde, Abnehmer für die sehr teuren Irrtümer James und Gareth Bale zu finden, war vorher klar. 


Doch es wurde am Ende zum unmöglichen Unternehmen. Bale war da noch am dichtesten dran, doch sein Wechsel nach China zerschlug sich Stunden vor der geplanten Unterschrift. Bei James konnte sich der SSC Neapel nicht dazu durchringen, die geforderte Ablösesumme zu zahlen. Ebenso wenig wie Atlético Madrid. Jetzt sind James und Bale immer noch bei Real Madrid und trainieren unter einem Trainer, der beide lieber heute als morgen außerhalb des Klubs gesehen hätte. 


Doch die Frage ist: Wie lange trainiert der aktuelle Trainer diese Real-Mannschaft noch? Eigentlich eine unvorstellbare Frage. Zumindest noch vor wenigen Monaten. So beschreibt es auch die Marca. Niemand, so das Blatt, hätte sich am 11. März vorstellen können, dass diese Situation eintreten würde. Damals wurde die Verpflichtung des Rückkehrers wie ein Titel in der Königsklasse gefeiert. Nach den beiden gescheiterten Experimenten mit Julen Lopetegui und Santiago Solari schien Zizou beinahe wie eine Garantie auf die Rückkehr des Erfolges. 


Doch die Ausgangslage war nun eine andere. Zidane konnte eigentlich nichts mehr gewinnen, sondern nur noch verlieren. Nochmals zur Erinnerung: Drei Henkelpötte in Serie sind nicht zu toppen. Auch nicht von einem Genie. 


Entlassung Zidanes würde für Real teuer werden


Entsprechend ließ sich der Franzose diese zweite Amtszeit vergolden und erhält nunmehr 13 Millionen Euro jährlich - netto. Für die Vertragsdauer bis 2022 macht das in der Summe bummelige 40 Millionen Euro. 


Und genau dies wäre auch seine Abfindung im Falle seiner Entlassung. Heißt im Umkehrschluss für Real Madrid: gute 80 Millionen Euro würde es den Klub kosten, seine Klublegende rauszuschmeißen. Selbst bei Real Madrid schläft man da lieber noch mal eine Nacht drüber. 


Wer würde überhaupt in den Startlöchern stehen für eine Nachfolge Zidanes?


El Mundo Deportivo nennt dabei den Ex-Bayern Xabi Alonso, ehemaliger Spieler der Königlichen, Kapitän der spanischen Nationalelf, mit der er 2008 und 2012 Europameister und 2010 Weltmeister wurde. 


Seit diesem Sommer trainiert Alonso die Zweite Mannschaft von Real Sociedad San Sebastián, seinem Heimatklub. Bei Real Madrid genoss und genießt der einstige Mittelfeldstratege einen exzellenten Ruf. Viele im Klub würden ihn sogar der absoluten Vereinsikone Raúl vorziehen. 


Und natürlich gibt es, wie bei jeder Trainerdiskussion im Weißen Haus in den vergangenen Jahren, einen weiteren alten Bekannten, der aber für große Teile der Madrider hinchas nur schwer vermittelbar wäre: der unvermeidbare José Mourinho.