​Zwischen zwei Derbys mal eben die lästige Pflichtaufgabe Wolfsberger AC bewältigen: So in etwa hatten sich die Spieler von ​Borussia Mönchengladbach wohl das diesjährige Europa-League-Debüt vorgestellt. Doch am Ende einer indiskutablen Leistung stand die höchste Europapokal-Niederlage der Geschichte für den VfL. 


Die Bilder sprachen Bände. Minutenlang stand Marco Rose einfach nur da. Ungläubig, fast ein wenig wie überfahren von den vorher geschehenen Ereignissen im Borussia-Park, stand der gebürtige Leipziger an der Seitenlinie und starrte auf den Rasen. Keine Anweisungen mehr, keine Gesten des verzweifelten Nachvornetreibens der Mannschaft - auch für Rose war dieses Spiel (es stand bereits 0:4) gelaufen. 


Der Sprachlosigkeit während der letzten Spielminuten folgte die Hilflosigkeit, für die dargebotene Leistung der Mannschaft eine plausible Erklärung abzugeben. "Wir haben uns sehr gut auf Wolfsberg eingestellt. Wir wussten genau, was auf uns zukommt, und haben es trotzdem nicht geschafft, die richtigen Lösungen zu finden", analysierte ein immer noch wie schockgefrorener VfL-Trainer gegenüber dem kicker


Eberl deutlich angefressen


Sportchef Max Eberl fand da laut Spox schon deutlichere Worte: "Wir sind ganz, ganz böse erwacht. Wir haben nicht nur verloren, sondern richtig verloren. Die Spieler sollten in der Kabine sitzen und sich fragen, was da gerade passiert ist. Wir haben gedacht, wir spielen sie irgendwie auseinander. Vielleicht hat der eine oder andere nicht hingehört, als der Trainer von der Aggressivität des Gegners gesprochen hat. Es war nicht viel Positives dabei."


Indes schien der Gegner, der mit der Empfehlung von vier Ligaspielen in Folge ohne Niederlage an den Niederrhein angereist war, am gestrigen Abend genau hingehört zu haben. Lösungen hatten sie nämlich immer parat. Allerdings: Vor allzu viele lösungsbedürftige Probleme wurden sie gar nicht erst gestellt. 

Gladbach mit mieser Heimbilanz


Die Borussia zeigte nämlich mal wieder ihr Heimspiel-Gesicht. In der Bundesliga gewann Gladbach sein letztes Heimspiel am 26. Januar dieses Jahres (2:0 gegen Augsburg). Seitdem gab es in zehn saisonübergreifenden Auftritten vor eigenem Publikum sechs Niederlagen und vier Remis. 


Ein beunruhigender Trend, der gestern auch auf internationalem Parkett seine Fortführung fand. Was auswärts hervorragend klappt, scheint in der Fremde nicht zu gelingen. ​Alassane Plea steht sinnbildlich für diese Tendenz. Schon in der vergangenen Saison gelangen ihm die meisten (acht) seiner zwölf Liga-Tore in der Fremde. Im Borussia-Park konnte der Franzose lediglich viermal jubeln. 


Dieses Fremdeln in der Heimat setzt sich in dieser Spielzeit nahtlos fort. Prinzipiell gut gestartet, wie der ganze Rest der Mannschaft, konnte Plea bislang zweimal netzen: beide Male auswärts. Gestern vergab er jedoch in der 60. Minute die Riesenchance zum 1:3. Trotz vermeintlicher Abseitsposition. Die wäre wohl auch nicht geahndet worden. Frei vor Wolfsberg-Keeper Kofler schoss Plea diesen an. Ein Tor zu diesem Zeitpunkt hätte die lethargisch wirkende Borussia vielleicht noch mal aufgeweckt. 


Am Ende fing sie sich noch das vierte Gegentor und ergab sich danach ihrem Schicksal. Die Pleite jedoch nur an Pleas Fehlschuss festzumachen, würde die Tatsachen verkennen. De facto laufen derzeit einige Akteure ihrer Form hinterher. 


​So agierte Innenverteidiger Matthias Ginter, wie auch schon zuletzt bei den Länderspielen, oftmals alles andere als souverän. Auch der in der vergangenen Saison teils überragende Schweizer Denis Zakaria wirkte gestern wie sein Zwillingsbruder. Höhepunkt: Sein Luftloch, mit dem er in der zweiten Hälfte den Gästen beinahe noch das fünfte Tor auf dem Silbertablett servierte. 


Im Mittelfeld versuchte Laszlo Benes viel - allein: Es gelang wenig. Wohl auch, weil seine Kollegen Florian Neuhaus und Christoph Kramer eher einen gebrauchten Tag (bzw. Abend) erwischt hatten. Am Ende blieb nur noch Frust im Borussia-Park und tausende von Fans machten sich schon zwanzig Minuten vor Spielende auf den Heimweg. 


Die paar Dutzend mitgereisten österreichischen Fans feierten hingegen einen in dieser Höhe nie für möglich gehaltenen Auswärtssieg. Nächster Gegner der Kärtener in der Europa-League-Gruppe J ist am 3. Oktober die AS Rom. Der VfL reist dann zum türkischen Vertreter Basaksehir.