​Gefühlt ist ​Borussia Dortmund seit Beginn dieses Jahrhunderts die einzige wirklich ernst zu nehmende Alternative zu den Bayern in Fußball-Deutschland. Drei Meistertitel seitdem (2002, 2011 und 2012) kann neben dem BVB nur der Rekordmeister aus München (14 Titel seit 2000) vorweisen. 


Starker Fokus auf ausländische Talente


Dies wurde vor allem durch eine gute Transferpolitik erreicht. In den letzten Jahren hat sich dabei der Fokus immer mehr auf ausländische Talente wie Ousmane Dembélé, Jadon Sancho, Bruun Larsen oder Christian Pulisic gerichtet. Erst kürzlich wurde mit Giovanni Reina ein weiteres ungeschliffenes Juwel an den Klub gebunden. Reina ist US-Amerikaner. 


Eigentlich ist die Strategie der Borussen, vor allem heimische Talente heranzuziehen und besser zu machen. "Die Nachwuchsarbeit ist elementarer Bestandteil unserer Vereinsphilosophie. Unser Fokus liegt als Bundesligist auf deutschen Spielern", sagt Zorc, angesprochen auf die Jugendarbeit des Vereins.


Nun, von deutschen Spielern in der Talente-Kategorie ist aktuell nicht allzu viel zu sehen bei Schwarz-Gelb. Natürlich gibt es da das Mega-Talent Yousouffa Moukoko (14). Und auch noch einen Tobias Raschl (19) oder Patrick Osterhage (19). Aber eben auch jede Menge Spieler aus dem umliegenden Ausland. Zuletzt wurden Immanuel Pherai (18, Holländer) und Kamal Bafounta (17, Frankreich) gekauft. 


Götze, der letzte Local Hero beim BVB


Das letzte deutsche Eigengewächs, das den Sprung von der Jugend zu den Profis und schließlich sogar bis in die deutsche Nationalelf schaffte, war - ​Mario Götze. Der ist mittlerweile kein Teenie mehr, sondern reife 27. 


Es würde also mal wieder Zeit. Nicht zuletzt der Identifikation wegen, die in einem Traditionsklub wie dem BVB nochmal eine andere Rolle spielt als anderswo. 


Natürlich leben wir in einer globalisierten Welt. Bis dies jedoch auch in den letzten Winkeln einer Fan-Seele angekommen ist, vergehen vielleicht noch ein paar Jahrzehnte. Und selbst dann würden es die Dortmunder Fans sicherlich begrüßen, wenn ihr Local Hero zumindest flüssig die Landessprache spricht. Nicht missverstehen: das hat nichts mit Nationalismus oder falsch verstandenem Patriotismus zu tun. Sondern mit Identifikation. Übrigens kein rein deutsches Phänomen. Auch Madrid-Fans begeistern sich nochmal eine Spur mehr, wenn ihr Torjäger aus der Hauptstadt (idealerweise) oder zumindest aus Spanien kommt. Dem kann man dann nämlich praktischerweise auch bei den großen Turnieren (EM, WM, Olympia) zujubeln. 


Fans sehnen sich nach heimischen Idolen - hier und überall


Dies als nationalistisches oder auch nur gestriges Gedankengut abzutun, wäre falsch. Es gehört einfach zum Fan-Sein dazu. Warum ist wohl Uwe Seeler auch fünf Jahrzehnte nach seinem Schaffen noch immer die Überfigur in der HSV-Historie? Oder ein Franz Beckenbauer bei den Bayern? Natürlich weil sie vor allem überragende Fußballer waren - aber das waren (vor allem bei den Bayern) andere auch. Nein, sie sind es auch, weil sie von hier sind. Die Sprache der Leute sprechen. Damit können und damit wollen sich Fans identifizieren. Hier bei uns genauso wie im Ausland. 


Nun kann man natürlich sagen: wo nichts wächst, kann nichts gedeihen. Schon seit einigen Jahren ist im Nachwuchs des DFB eine gewisse Abwärtsentwicklung zu erkennen. Die Talente sprießen nicht mehr ganz so üppig wie vielleicht noch zu Beginn dieses Jahrzehnts. Dennoch muss der Anspruch der Borussia weiterhin sein, immer die besten heimischen Talente an sich zu binden. 


Vom aktuellen Kader sind die, die als heimische Identifikationsfiguren durchaus taugen (und es auch sind), sprich die Herren Reus, Hummels und Götze, allesamt schon in der zweiten Hälfte ihrer Karriere. Nachwuchs für dieses Trio: aktuell nicht in Sicht. Der BVB muss also zusehen, dass seine Talentspähung sich nicht zu sehr ins Ausland verlagert. Sonst wird Mario Götze für lange Jahre der letzte bleiben, der es aus der  eigenen Jugend bis ganz nach oben geschafft hat.