​Ja, so eine Derby-Niederlage schmerzt. Die Mannschaft, die Fans und bisweilen auch die, die über den ​HSV mit Herzblut berichten. Doch sollten sich, gerade in Hamburg, alle daran erinnern, dass es nichts bringt, nach einer Niederlage alles in Frage zu stellen. So wenig, wie nach ein paar Siegen alles euphorisch in rosarot zu sehen. Mit ​Dieter Hecking scheint beim HSV jetzt jemand auf der Kommandobrücke zu stehen, der das emotionale Auspendeln sowohl nach ganz oben als auch nach ganz unten recht gut moderieren kann und - um im Bild zu bleiben - den Kahn auch wieder in die Spur bringen kann.


Hecking mahnt, jetzt nicht durchzudrehen


Zumal der HSV ja gar nicht aus der Spur ist. Er hat ein Spiel verloren. Zugegebenermaßen ein sehr besonderes, vor allem für die Fans. Aber auch am Montagabend waren nicht mehr als drei Punkte im Spiel. Genauso viele wie am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) gegen Erzgebirge Aue. 


In dieser Linie bewertet auch Hecking das Ergebnis (und seine momentanen Folgen) gegenüber dem kicker: "Ich tue das Ereignis nicht einfach so ab, eine Derby-Niederlage will niemand, auch kein Trainer. Aber, auch wenn die Fans das anders sehen - ich bin dafür da, dass wir jetzt nicht durchdrehen." Muss auch keiner. Im Gegenteil: Die Niederlage annehmen, sie nicht beschönigen oder relativieren - und die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen. 


Das wäre das, was eine intelligente Mannschaft (und ein intelligenter Trainer) machen würden. Und so hat Hecking es auch den Seinen vermittelt: "Ich habe ihnen gesagt: Geht raus, zeigt euch in der Stadt. Akzeptiert die Niederlage, wir müssen unseren Kopf nicht unten haben", verriet der Coach dem Fachblatt.


Aufmunterung für Hinterseer


Zumal auch beim Derby nicht absolut alles schlecht war. Wobei: die erste halbe Stunde war es schon grausam, zuzugucken. Doch immerhin versuchte die Mannschaft danach, den Bock irgendwie umzustoßen. Und mit etwas mehr Glück (oder mehr Technologie!) geht es mit einem 1:1 in die Kabine. Wenn dann auch noch Hinterseer das Tor macht, das er machen muss, sprechen wir wohl heute über ein anderes Resultat. Aber: hätte, wenn und aber - die Realität ist eine andere. 


Und Hecking weiß genau, was im Kopf seines österreichischen Stürmers vorgeht. Und was dieser Kopf jetzt braucht - nämlich Zuspruch. "Er hätte im Derby der Held sein können. Am besten, er macht jetzt gegen Aue zwei Tore", sagte Hecking.  


Beim gemeinen HSV-Fan setzt - gespeist aus den unzähligen Frusterlebnissen der letzten Jahrzehnte - nach einer solchen Niederlage reflexartig die Angst ein, dass diese Pleite nur den Auftakt zu einer Negativserie darstellt, im Zuge derer am Ende wieder alles über den Haufen geworfen wird und - als Kulminationspunkt - die sportlich Verantwortlichen entlassen werden. 


HSV als Einheit gefestigter als in der Vergangenheit


Doch dieser HSV scheint schon auf dem ersten Blick eine gefestigtere Einheit als in den vergangenen Jahren. Die Causa Jatta hat dazu nicht unwesentlich beigetragen. Ähnlich sieht es auch Hecking: "Es war die erste Niederlage, aber bei Weitem nicht der erste Rückschlag für die Mannschaft. Wir hatten die Turbulenzen um Bakery Jatta, die schwere Verletzung von Jan Gyamerah - die Mannschaft wird auch daran wachsen, wenn wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen." Und alle mit derselben wie die vom Kapitän vorgelebten Ruhe weiterrudern. Das nächste Derby kommt bestimmt.