Sechs Jahre lang in Folge hat der FC Bayern München die Bundesliga gewonnen. Über ein halbes Jahrzehnt wurden den Bayern dabei immer wieder neue ärgste Widersacher ausgemacht. Zwar waren das meist die Dortmunder Borussen, aber auch die Leverkusener tauchten ab und zu auf. Aber können die überhaupt Titel gewinnen?


Auch in dieser Saison hat ​Bayer 04 Leverkusen wieder einen starken Kader ins Rennen geschickt. Mit den Zugängen von Nadiem Amiri und Kerem Demirbay wollte man den abgewanderten Julian Brandt ersetzen. Auch der Transfer von Moussa Diaby, ehemals Paris Saint-Germain, sorgte für großen Anklang in der Fanszene.


Trotzdem finden sich die Leverkusener nach vier Partien auf dem achten Rang wieder. Deutlich unter den Möglichkeiten, zu denen die Mannschaften fähig ist, ist man bislang geblieben. Es soll eigentlich die Saison von Kai Havertz werden. Schließlich ist der 20-Jährige in aller Munde.


Kann Kai Havertz das Team bereits führen?

Bislang scheint es aber so, als würde auch er noch etwas Zeit benötigen in seiner womöglich letzten Saison in Leverkusen. Auch wenn er seit Jahren Stammspieler ist, wurde er erst seit dieser Saison das alleinige Aushängeschild der Leverkusener. Gemeinsam wollte man vorne mitspielen und Druck auf ​Bayern und ​Dortmund ausüben. Sogar insgeheime Titelhoffnungen machten sich breit. Getreu dem Motto: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.


Doch über einen Bundesligatitel konnte man sich in Leverkusen noch nie freuen. Immer wieder schrammte man knapp dran vorbei, zuletzt konnte man sich 2016 unter die besten drei setzen. Für einen ernsthaften Kandidaten auf den Bundesligatitel gehört aber mehr dazu. Schließlich muss man mit Bayern und Dortmund Konkurrenten ausstechen, die auch im internationalen Geschäft von großer Relevanz sind.

Jonathan Tah

Jonathan Tah zählt zur jungen Garde in Leverkusen


Diesem Druck sind die Leverkusener aber noch nicht vollends gewachsen. Mit einem Durchschnittsalter von 25,9 Jahren ist das Team noch jung und in manchen Fällen auch unerfahren. Beispielsweise Jonathan Tah ist auf einem guten Weg sich zu einer festen Größe in der A-Nationalmannschaft zu entwickeln. Mit seinen 23 Jahren merkt man aber auch ihm in hitzigen Situationen oft Nervosität an.


Auch ein Leon Bailey sind noch nicht fertig ausgebildet. Der Jamaikaner setzt immer wieder starke Akzente, aber wenn es darum geht, diese Leistung über eine gesamte Spielzeit hinweg zu liefern, ist er noch zu inkonstant - ein Spiegelbild der Werkself.


Fehlende Siegermentalität in der Mannschaft

Das Problem im Leverkusener Kader ist vielleicht auch die fehlende Titelerfahrung. Auf Vereinsbasis haben lediglich Lukas Hradecky mit ​Frankfurt, Sven Bender mit Dortmund und Trainer Peter Bosz mit Ajax Titel gewonnen. Jonathan Tah und Kai Havertz haben zudem noch mit den U-Mannschaften der Nationalmannschaft Europameistertitel gewonnen.


Die Frage die man sich bei Bayer 04 also stellen muss, ist, ob man überhaupt dazu in der Lage ist, Titel zu gewinnen. Vom spielerischen Potential in der Mannschaft angefangen, ist ein Titelgewinn möglich. Und auch der Kader ist in diesem Jahr gut und breit aufgestellt. Einen Innenverteidiger von internationalem Format hätte man allerdings noch gerne gesehen, in Leverkusen.

FBL-EUR-C1-LEVERKUSEN-MOSCOW

In der Kaderbreite sind die Leverkusener gut aufgestellt


Zwangsläufig stellt sich also die Frage nach dem mentalen Aspekt in der Gruppe. Und der fällt alles andere als souverän aus. Wann immer es um entscheidende Phasen geht, national und international, scheint die Mannschaft auszusteigen. Siege werden zu leicht hergeschenkt durch schwache Defensivleistungen.


Doch in der laufenden Saison sollte es eigentlich anders werden. Wirft man nach vier Spieltagen also ein Blick auf das Team, bestätigen sich die Vorbehalte: Auf Platz acht findet man sich wieder, lediglich sechs Treffer durften die Leverkusener bereits bejubeln. Kein Spieler traf bislang zweimal. Trotzdem hat man bereits sieben Gegentreffer hinnehmen müssen. In der aktuellen Verfassung ist Leverkusen wieder einmal vieles, aber noch lange kein Titelkandidat.