​​Der deutsche Meister startet heute in die diesjährige ​Champions-League-Saison. Der Gegner ist ein alter Bekannter: Vor etwas mehr als 28 Jahren standen sich ​Bayern München und Roter Stern Belgrad schon einmal in der Königsklasse gegenüber. Damals sogar im Halbfinale. Vor allem für zwei Bayern-Akteure sollte der Abend des 24. April 1991 zum einem tragischen werden.


FC Bayern auch national damals nicht die Nummer 1


In der heimischen Liga lief der FC Bayern damals der Musik hinterher. Tabellenführer war seit Beginn der Saison der 1.FC Kaiserslautern, der es am Ende auch sensationellerweise als erster über die Ziellinie schaffte. 


Doch auch im Duell mit den Jugoslawen waren die Münchener nicht unbedingt der Favorit. Zu wenig glanzvoll war ihr Weg bis dahin gewesen. Über Apoel Nikosia, ZSKA Sofia und den FC Porto hatten sie den Weg bis in die Vorschlussrunde geschafft. Mit zweckmäßigem Fußball, aber ohne spielerische Eleganz und Leichtigkeit. 


Götterdämmerung bei Roter Stern


Roter Stern hingegen, wenngleich auch über eher schwächere Gegner (Grasshoppers Zürich, Glasgow Rangers und Dynamo Dresden (als Vertreter der DDR-Klubs) bis unter die letzten Vier gekommen, war damals "der letzte große Scheiß", wie es heute so schön plakativ heißt. 


Abwehrchef Miodrag Belodedici, Regisseur Robert Prosinecki, Antreiber Vladimir Jugovic, Dauerläufer Sinisa Mihajlovic, Zauberer Dejan Savicevic und Torjäger Darko Pancev - sämtliche Großvereine Europas waren heiß auf die Balkan-Brasilianer. 


Und alle genannten sechs Spieler spielten ein Jahr später schon nicht mehr für Roter Stern. Belodedici (FC Valencia) und Prosinecki (Real Madrid) gingen nach Spanien, Mihajlovic (AS Rom), Jugovic (Sampdoria Genua), Savicevic (AC Mailand) und Pancev (Inter Mailand) wechselten in die damals beste Liga der Welt, die ​Serie A


Bereits im Hinspiel im Olympiastadion sollten die Münchener die Gravitationskraft des Roten Sternes zu spüren bekommen. Die Jugoslawen ließen sich nicht mal durch das frühe Führungstor der Bayern von Roland Wohlfarth (23.) beeindrucken - und siegten am Ende hochverdient mit 2:1 (Tore von Pancev und Savicevic). 


Übrigens die erste Heimniederlage der Bayern im Landesmeister-Cup überhaupt. Und eine suboptimale Ausgangsposition für das Rückspiel. Denn vor der eigenen, beeindruckenden Kulisse von knapp 90.000 Zuschauern im heimischen Marakana galt Roter Stern als noch einen Tick besser. Als nahezu unbezwingbar. 


Als der jugoslawische Meister dann auch noch nach nicht mal einer halben Stunde in Führung ging, schien das Schicksal des (noch amtierenden) deutschen Meisters besiegelt. Doch der zog sich in der Folge am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Kam durch Augenthaler erst zum 1:1 (62.) und keine fünf Minuten später sogar zur überraschenden Führung. Manni Bender hatte getroffen. Mit einem Mal herrschte Gleichstand, und der FC Bayern legte nach. Spürte, dass da was möglich war. Als sich alle im Stadion und zuhause vor den Fernsehgeräten schon auf eine halbstündige Verlängerung einstellen, stürmt Roter Stern noch mal an. 


Mihajlovic' Flanke vom linken Strafraumeck ist eigentlich verunglückt, würde keinen Abnehmer finden. Doch Augenthaler will den Ball klären und provoziert eine Bogenlampe, die so tückisch auf das Tor von Raimond Aumann fliegt, dass sich das runde Leder am Ende zwischen ihm und der Latte ins Tor senkt. Sowohl der Münchener Abwehrchef als auch sein Schlussmann sehen dabei mehr als unglücklich aus. Ausgleich in letzter Sekunde. Bayern war raus. 


Und Roter Stern zum ersten Mal in seiner Geschichte im Endspiel des höchstrangigen Vereinswettbewerbs der Welt. Auch im Finale von Bari am 29. Mai 1991 ließen die Belgrader nichts mehr anbrennen. In einem spielerisch armseligen Endspiel schlugen sie Olympique Marseille (mit Franz Beckenbauer als deren Sportdirektor) im Elfmeterschießen mit 5:3. 


Nach dem Triumph kam der Krieg


Für viele Jahre sollten die an diesem Abend vergossenen Tränen die letzten sein, die aus Freude flossen. Kurze Zeit später beherrschten Krieg, Gewalt und Trauer den Alltag der Menschen im ehemaligen Jugoslawien.