​Wenn heute Abend gegen 21 Uhr in der BayArena die ​Champions League-Hymne abgespielt wird, stehe ich nicht nur wild grölend in der Nordkurve, sondern werde mich wahrscheinlich wieder endlose Minuten über die Aufstellung der Mannschaft aufregen. Nicht, weil ich mein ​Bayer 04 Leverkusen schlecht finde oder ich die ballbesitzorientierte Spielidee von Trainer Peter Bosz nicht gutheiße. Vielmehr weil ich finde, dass man das Spielerpotenzial in Abstimmung an den Gegner nicht vollends ausschöpft.


Leverkusen will Ballbesitz - und schafft das auch ziemlich gut. Selbst gegen den BVB hielt Bayer 04 den Ball größtenteils in den eigenen Reihen. Doch damit was anfangen, das ist schwer. Einfallslosigkeit und Ballgeschiebe sind die Todfeine des Ballbesitzes. Ungünstig, dass auch Leverkusen von diesen Symptomen betroffen ist.


Bosz hält am Ballbesitz fest


​Heute Abend erwartet man ebenso ein Leverkusener Spiel mit dem Ball. Der kicker schreibt Lokomotiv Moskau eine defensiv- und konterstarke Arbeitsmoral zu. Das schmeckt der einfallslosen und anfälligen Werkself eher weniger. Bosz sieht ein schwieriges Spiel auf sich zu kommen. "Das wird nicht einfach", so der Niederländer zu dem heutigen Gegner. Die Begründung gibt er mit Blick auf die vergangenen Spiele: "Wir hatten viel Ballbesitz, aber daraus haben wir zu wenig gemacht." 


Da heute abermals ein defensiver Gegner gegenübersteht, müsse man sich diesem anpassen: "Wir müssen darauf eine Antwort haben, wie wir durch diese Mauer von Verteidigern durchkommen." Am besten "den Ball schnell laufen lassen, die Seite wechseln, hinter die Kette laufen, zwischen die Linien spielen und so weiter und so weiter." Direkt mal 'nen Euro in das Phrasenschwein.


Die letzten beiden Spiele - also das 0:4 gegen den BVB und das 0:0 gegen Hoffenheim - funktionierte dieses Prinzip nur auf Bosz's Textblock, aber nicht auf dem Platz. Meiner Meinung lag das auch am Personal. Warum nicht mal Spieler auf den Platz schicken, die dieses "Ball schnell laufen lassen", "die Seiten wechseln" et cetera erfrischend realisieren? Man hat doch genügend Variationsmöglichkeiten.


Die alternative Startelf


Aufbauend auf die Aussagen von Bosz möchte ich daher eine alternative Bayer-Startelf aufstellen. Hinten sicher, vorne kreativ - das sollte doch wohl machbar sein. Das bei Bosz beliebte 4-3-3-System behalte ich bei.


Davon unberührt bleibt Torhüter Lukas Hradecky. Der Finne bleibt bei dieser Diskussion außen vor.


Die Abwehr wird etwas umgebaut. Zunächst setze ich auf sichere Außenverteidiger. So sehr ich Wendell mag - das war in den letzten Spielen nichts. Für ihn rückt Daley Sinkgraven ins Team. Rechts verteidigt weiter Lars Bender. Ich habe lange überlegt, ob ich ihn durch Mitchell Weiser ersetzen sollte. Allerdings ist Bender eine mentale Granate und defensiv sicher. Meiner Meinung nach wäre Weiser aber eine sehr gute Alternative.


Innen verteidigt Jonathan Tah zusammen mit Panagiotis Retsos. Der Grieche war lange verletzt, besitzt aber ein solch großes Talent, das langsam genutzt werden sollte. Für den zuletzt schwachen Sven Bender rückt Retsos ins Team.


Paulinho rein, Demirbay und Baumgartlinger raus


In der Mittelfeldkette verzichte ich auf die Namen Julian Baumgartlinger und Kerem Demirbay. Stattdessen rückt Paulinho in die erste Elf. Der Brasilianer bekleidet mit Havertz die offensiven Achterpositionen, Charles Aranguiz rückt auf die Sechs. Dadurch hat man mit dem Chilenen einen Staubsauger vor der Abwehr, der aber auch gut Bälle verteilen kann. Havertz und Paulinho bringen zusätzlich Geschwindigkeit und Kreativität ins Mittelfeld. Somit kann die Distanz zwischen Abwehr und Sturm am besten überwunden werden.


Im Offensivtrio setze ich auf volle Power, allerdings nicht durch die Namen Leon Bailey oder Karim Bellarabi. Das offensive Trio bilden Lucas Alario, Kevin Volland und Moussa Diaby. Die beiden Letztgenannten spielen dabei auf den Außen. Volland, normalerweise in der Spitze, hing die beiden vergangenen Partien komplett durch und fand gegen die dichte Abwehr kein Mittel, sich anzubieten. Stattdessen braucht Leverkusen einen richtigen Mittelstürmer, der im Strafraum seinen Instinkt nutzen kann. Alario eben.


Volland bleibt in der Startelf


Ganz auf Volland kann man jedoch nicht verzichten. Auf den Außen entwickelt sich Bayers Tormaschine zu einer echten Waffe. Gleiches gilt für Moussa Diaby, der pfeilschnell und wendig einige Löcher in die Abwehr reißen kann. Ich glaube außerdem, dass Diaby und Paulinho sehr gut auf dem Platz harmonieren können. Beide sind ähnliche Spieltypen. Womöglich haben sie das Potenzial, ein kongeniales Duo wie Kai Havertz und Julian Brandt zu bilden.


Der Vorteil dieser Elf im Vergleich zur ​voraussichtlichen Aufstellung Leverkusens ist der, dass mit Retsos, Paulinho, Diaby und Alario hungrige Spieler von der Bank kommen, die sich beweisen wollen. Diesen Schwung sollte Leverkusen zu nutzen wissen. Gerade die jungen Spieler wollen sich etablieren und dem Trainer anbieten. Wozu hat man schließlich die lang ersehnte Kaderbreite, wenn man diese nicht auch nutzt? Peter Bosz, nutzen sie dieses Potenzial mal aus!


Ich hoffe, heute Abend geht dieser Wunsch endlich in Erfüllung.


Die Aufstellung im Überblick: