Als das Transferfenster vor einigen Wochen noch geöffnet war, galt Raphael Guerreiro für kurze Zeit als Verkaufskandidat. Mittlerweile stehen die Zeichen beim portugiesischen Nationalspieler auf Verlängerung. Für Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre ein wichtiges Signal. Der Schweizer muss seinen vielseitigen Schützling aktuell auf dem Linksverteidiger-Posten einsetzen; und der beweist, wieso er dort am besten aufgehoben ist.


Vor einem Jahr hatte Raphael Guerreiro noch einen schwierigen Stand. Favre sah den 25-Jährigen nicht als Linksverteidiger, dabei spielt er seit jeher in der portugiesischen Nationalmannschaft auf dieser Position und absolvierte beim FC Lorient, von dem der BVB ihn für zwölf Millionen Euro verpflichtete, ebendort immerhin 69 Partien.


Da das zentrale Mittelfeld, in dem Guerreiro ebenfalls spielen kann, mit Axel Witsel, Thomas Delaney, Mahmoud Dahoud und Julian Weigl breit besetzt ist, erhielt er nach einiger Zeit Spielpraxis auf dem linken Flügel. Durch seine scharfen Hereingaben im Spiel und bei Standards entwickelte er sich zu einem Schlüsselspieler für Favre, der ihn unbedingt halten wollte.


Sportdirektor Michael Zorc sprach vor dem ​Champions-League-Heimspiel gegen den FC Barcelona (0:0) von einer grundsätzlichen Einigung über eine ​Vertragsverlängerung bis 2023 - ursprünglich wäre der Europameister im kommenden Sommer ablösefrei zu haben gewesen. Doch der BVB braucht den vielseitigen Guerreiro aktuell dringender denn je.


Die Außenverteidigung bleibt aufgrund der Verpflichtung von Nico Schulz eine Schwachstelle. Der Neuzugang fehlte gegen ​Bayer Leverkusen (4:0) und Barça aufgrund einer Verletzung, wurde bei seinem zweiten Bundesliga-Einsatz gegen den 1. FC Köln (3:1) nach 62 Minuten ausgewechselt und saß gegen Union Berlin (1:3) über 90 Minuten auf der Bank. Den Vorzug erhielt stattdessen Achraf Hakimi, der in den vergangenen beiden Spielen den ebenfalls verletzten Lukasz Piszczek vertreten musste.


Daher griff Favre auf Guerreiro zurück, der gegen Leverkusen sein erstes Saisontor erzielte und auch in der Champions League überzeugen konnte. Gegen die Katalanen verleihte er der Hintermannschaft, in der vor allem Mats Hummels glänzte, defensive Stabilität auf den Außenbahnen, das Star-Ensemble um Antoine Griezmann, Luis Suarez und später Lionel Messi kam kaum durch und erspielte sich in Durchgang zwei keine nennenswerte Torchance. 


Schulz droht ein Platz auf der Bank


Zudem verfügt Guerreiro über eine enorme Ballsicherheit, kann sich somit aus Pressingsituationen befreien und sich am Spielaufbau beteiligen, wenn wieder einmal fleißig über die Außenbahnen kombiniert wird. Die Außenverteidiger nehmen unter Favre eine extrem offensive Rolle ein, schlagen den Ball immer wieder ins Zentrum. Guerreiro bringt alles mit, was es braucht, um dauerhaft als Linksverteidiger aufzulaufen.

  Noch nicht ganz beim BVB angekommen: Nico Schulz.


In Anbetracht der Umstände ist er momentan die geeignetste Lösung. Schulz wird nach seiner Verletzung noch einige Tage brauchen, war ohnehin nicht in Bestform. Mit Guerreiro ist ein starker Konkurrent vorhanden, der nach den Verpflichtungen von Thorgan Hazard und Julian Brandt in die zweite Garde der Flügelspieler gerückt ist und nun die Chance besitzt, sich einen Stammplatz zu erspielen.