Beim BVB ist ​Thomas Delaney so etwas wie der heimliche Gewinner der letzten Tage. Mit seinen Leistungen in den vergangenen beiden Spielen zeigt der Däne, warum er für die Dortmunder unverzichtbar ist.


Thomas Delaney ist ein Spieler, wie ihn sich eigentlich jede Mannschaft wünscht. Der 28-Jährige, der 2018 für 20 Millionen Euro von ​Werder Bremen verpflichtet wurde, ist sich nicht zu schade, sich in jegliche Zweikämpfe zu werfen und dem Gegner (und dabei manchmal auch sich selbst) weh zu tun. Früher nannte man solche Spieler gerne "Klavierträger": Sie tragen das Klavier, auf dem die anderen Stars, die Edeltechniker und Torjäger dieser Welt, dann ihre Melodie spielen und die Zuschauer verzaubern.


Umso erstaunlicher ist es, dass BVB-Coach Lucien Favre zu Saisonbeginn auf den Mittelfeldmotor verzichtet hatte. In den ersten Spielen der Saison baute der Schweizer auf seiner Doppel-Sechs lieber auf Julian Weigl neben Axel Witsel, der ohnehin gesetzt ist. Gegen ​Union, als Witsel verletzungsbedingt passen musste, durfte dann endlich Delaney von Beginn an ran - zur Halbzeit war für den Dänen aber schon wieder Schluss (wohl, weil er angeschlagen war). 


Keine Stabilität ohne Delaney


Was war die Folge? Ohne Delaney brach der BVB in der 2. Halbzeit komplett ein, kassierte zwei Treffer und verlor schließlich verdient mit 3:1. Julian Weigl offenbarte dagegen nicht erst in dieser Partie einmal mehr, dass er mehr Alibi-Stratege (weil mehr Querpässe als wirklich sinnvolle Zuspiele) als Zweikämpfer und Stabilisator ist. 


Kommen wir nun zum eigentlichen Punkt dieses Artikels: Gegen Bayer Leverkusen und den FC Barcelona hieß die ​Dortmunder Doppel-Sechs - erstmals in dieser Saison - Witsel und Delaney. Und siehe da: Es waren die beiden mit Abstand besten Spiele der Borussia. Dortmund dominierte mit den beiden Mittelfeld-Maschinen (so möchte ich sie aufgrund ihrer Zweikampfstärke nennen) die Zentrale, stand defensiv zu jedem Zeitpunkt sicher und initiierte auch dank Witsel und Delaney immer wieder gefährliche Momente in der Offensive.


Womit wir beim nächsten Punkt wären: Delaney schlichtweg auf seine defensiven Fähigkeiten, seine Zweikampfstärke und Einsatzbereitschaft zu reduzieren, wäre nicht fair und käme viel zu kurz. Der Ex-Bremer weiß durchaus auch mit einem sauberen Passspiel nach vorne zu gefallen, seine Seitenverlagerungen sind dank präziser Diagonalbälle immer wieder eine sinnvolle Option im schwarz-gelben Angriff.


Delaney und Witsel - das perfekte Duo auf der Sechs


Kurzum: Delaney verkörpert zusammen mit Witsel defensive Stabilität und gleichzeitig kluges Aufbauspiel - spätestens das Spiel gegen Barça, in dem Delaney zu den besten Dortmundern gehörte und überall auf dem Platz zu finden war, sollte Favre die Augen geöffnet haben, dass an Delaney vorerst kein Weg vorbeiführt. Weigl und Mahmoud Dahoud, der ohnehin kaum zum Zuge kommt, müssen sich erstmal hinter dem Dänen anstellen.


Auch zur häufig von Fans geforderten Systemumstellung habe ich eine klare Meinung. Viele Fans wünschen sich nach dem Transfers von Julian Brandt und Thorgan Hazard ein 4-1-4-1-System mit Witsel als alleinigem Sechser. Dieses System mit so vielen Offensivkünstlern ist aber viel zu konteranfällig - und auch zu zweikampfschwach. Mit der Absicherung von Delaney und Witsel ist der BVB in den letzten Topspielen dagegen gut gefahren. Warum also etwas ändern?