​Vierzehn Jahre, von 1958 bis 1972, schnürte er die Schuhe für "seinen" ​HSV. Dabei erzielte er in 331 Spielen 107 Tore (Quelle: transfermarkt.de). Also praktisch in jedem dritten Spiel eines. Eine sagenhafte Quote, zumal für einen Flügelstürmer. Zudem bereitete er 47 Treffer vor. Meistens für Uwe Seeler. Morgen wird Gert "Charly" Dörfel runde 80 Jahre alt. 


Zwischen den großen Epochen aufgewachsen


Manchmal ist es eben so: In der falschen Zeit geboren. Zwar am rechten Ort, aber ein paar Jahre zu früh. Oder zu spät. Wie man's nimmt. Denn für die große Zeit der deutschen Nationalmannschaft um Walter, Rahn und Posipal war er zu jung. 


Für die nächste erfolgreiche Generation um Beckenbauer, Haller und Overath schon fast wieder zu alt. Dieses Schicksal teilte er, neben unzähligen Toren, mit seinem kongenialen Sturmpartner Uwe Seeler. 


Sein manchmal etwas extravagantes Benehmen innerhalb der DFB-Disziplin stieß zudem nicht auf große Gegenliebe bei den beiden damaligen Bundestrainern Sepp Herberger und Helmut Schön. So bilanziert Dörfel lediglich elf Länderspiele. In denen traf er immerhin - erneut eine bockstarke Quote - siebenmal. 


So gesehen stand Dörfel sich selbst bisweilen mehr im Weg als seine oftmals überforderten Gegenspieler. 


Spaßvogel, Entertainer und Zirkus-Clown


Aber irgendwie fand er immer nichts dabei. Er war einfach so. Ein bisschen Schlitzohr, ein bisschen Spaßvogel. Gern verteilte er Bonbons unter den Mitspielern - und Gegnern! Oder imitierte Tierstimmen. Ein Clown war er manchmal auch. Sogar ganz offiziell, in der Manege. Beim Zirkus Krone war das, aber bereits nach seiner aktiven Karriere. 


Und natürlich Entertainer mit Hang zur Musik. Das war damals die Zeit dafür. Gute Freunde konnte, nach Beckenbauer, schon damals keiner trennen. Für Charly war "Erst ein Kuss" so richtig wichtig. 


Bester Linksaußen Europas


Doch bei aller Folkore und Spaß um den Fußball herum - Charly Dörfel war vor allem ein begnadeter Fußballer. Nicht umsonst kürte ihn die renommierte französische Sportzeitung L'Equipe 1965 zum besten Linksaußen Europas.


Dörfel war zudem der erste Torschütze des HSV in der ​Bundesliga (er traf am ersten Spieltag der neugegründeten Liga zum 1:1-Endstand bei Preußen Münster). Und der erste Bundesliga-Spieler, dem ein Dreierpack gelang (eine Woche später, beim 4:2-Heimsieg des HSV gegen den 1. FC Saarbrücken). Zahlen für die Ewigkeit. 


Seinen morgigen Ehrentag wird er in Mallorca begehen. Eine ganz besondere Ehrung wird ihm in seiner Heimatstadt zuteil: Der Platz des Kreisligisten FC Viktoria Harburg heißt von nun an "Charly-Dörfel-Platz".