Der FC Schalke 04 kommt unter dem neuen Trainer David Wagner langsam ins Rollen. Gegen Hertha feierte Königsblau vor der Länderspielpause den ersten Saisonsieg, gegen Paderborn am Wochenende dann eine richtige Gala. Gemeinsam mit S04-Blogger und -Experte Hassan Talib Haji ordnen wir die Partie ein.


Nach Abstiegssorgen in der vergangenen und einem holprigen Start in die aktuelle Saison, ging das 5:1 gegen Paderborn am vierten Bundesliga-Spieltag auf Schalke runter wie Öl. Die Gala in Ostwestfalen könnte Lebenszeichen und Startschuss zugleich sein; für ein gutes Gefühl sorgt sie in Gelsenkirchen allemal. Dass Paderborn nicht gerade ein Schwergewicht der Liga ist, darf allerdings auch nicht ganz unter den Tisch fallen.


"Man muss natürlich festhalten, dass Paderborn ein Aufsteiger ist und Schalke 04 vor dem Spiel selbstverständlich klarer Favorit war", findet auch Hassan. Das alleine ist jedoch kein Gradmesser für die Einordnung der Leistung: "Allerdings sollte man die auf dem Papier schwächeren Teams nicht unterschätzen. Borussia Dortmund unterlag zum Beispiel Union Berlin. Der 5:1-Sieg war für den FC Schalke sehr wichtig. Momentan funktioniert es wieder auf Schalke."


"Die Mannschaft funktioniert wieder als Mannschaft. Uns es macht Spaß, David Wagner und der Mannschaft aktuell zuzusehen."


Dass es auf Schalke wieder läuft - zumindest für den Moment -, spiegelt sich auch tabellarisch wieder. Nach vier Spieltagen macht es sich Königsblau mit sieben erarbeiteten Punkten auf Rang Sechs in der Bundesliga und damit auf einem Europa-League-Platz gemütlich. Balsam für die Schalker Seele. Wir fragten Hassan, wie viel Selbstvertrauen der Vizemeister von 2018 daraus schöpfen kann: "Eine Menge, glaube ich. Man merkt, dass die Mannschaft gut mit Trainer David Wagner harmoniert und seine angedachte Spielweise umzusetzen weiß. Sicherlich klappt noch nicht alles, aber sehr gute Ansätze sind erkennbar. Vor allem funktioniert die Mannschaft wieder als Mannschaft. Und es macht Spaß, ihm und der Mannschaft aktuell zuzusehen."


Nach einem Punkt und null Toren aus den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen, zeigte Schalke zuletzt ein anderes Gesicht. Sechs Punkte und ein Torverhältnis von 8:1 gegen Hertha BSC und Paderborn sorgen für Aufbruchstimmung in Gelsenkirchen. Allerdings brauchte es als Dosenöffner gegen Hertha zwei Eigentore und in Paderborn einen Standard sowie ein krummes Ding von Suat Serdar - fehlen aktuell noch die spielerischen Lösungen? S04-Experte Hassan sieht das nicht so: "Man muss dazu auch sagen, dass sich Schalke 04 gegen Paderborn eine Menge Torchancen erarbeitete. Gegen Hertha BSC hatte das Team den Gegner weitgehend im Griff und das nötige Spielglück. Das braucht man ab und zu auch mal. Dass zwei Eigentore des Gegners geholfen haben, würde ich nicht überbewerten, die Situationen wurden auch ein Stück weit erzwungen."


Wagners Offensiv-Fußball tut Schalke gut - und vor allem Amine Harit


Lässt man die Art und Weise, wie die Treffer Eins und Zwei gegen Paderborn zustande kamen, außen vor, muss man den spielerischen Vortrag aktuell loben. An den ersten beiden Spieltagen noch weitgehend ideenlos, kreierten die Königsblauen gegen die Hertha und vor allem gegen Paderborn viele (herausgespielte) Torchancen. Die von Wagner installierten Mechanismen und Automatismen greifen so langsam ineinander und Schalke spielt - endlich wieder! - ansehnlichen Fußball. Dass Wagner offensiven und attraktiven Fußball spielen möchte, tut dem Verein gut.


Von Wagners Spielidee profitiert aktuell auch Amine Harit. Der in den vergangenen Monaten aussortierte Marokkaner sprüht vor Spielfreude und avancierte in Paderborn mit einem Doppelpack zum Spieler des Spiels. "Amine Harit stach nicht nur gegen Paderborn heraus. Der Junge ist wieder on fire und spielt befreit auf", freut sich Hassan über die Leistungsexplosion des 22-jährigen Spielmacher. Wagners Verdienst? "Man merkt ihm (Harit, Anm.) an, dass das Verhältnis zu David Wagner ein gutes ist. Nach seinem ersten Treffer rannte er zu ihm und sie umarmten sich. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich beide sehr gut verstehen. Harit betonte ja auch selbst, dass er Vertrauen vom Trainer braucht und Wagner gibt ihm das. Das ist sehr positiv für den Klub."


"Momentan ist Burgstaller außer Form und verwandelt seine Chancen nicht. Vielleicht täte ihm eine kleine Pause mal gut, um die Gedanken zu sortieren."


Und damit noch nicht genug der positiven Nachrichten: Nach auskurierter Adduktorenverletzung feierte Mark Uth am Sonntag nach sechsmonatiger Zwangspause sein Comeback für S04. Der 28-Jährige agierte in Paderborn als hängende Spitze, ist grundsätzlich in der Offensive flexibel einsetzbar. Hassan sieht in Rückkehrer Uth ein belebendes Element für das Spiel von David Wagner: "Ich sehe Mark Uth am liebsten als hängende Spitze, ausgestattet mit sämtlichen Freiheiten", analysiert der S04-Experte für uns. "Er kann allerdings auch als Mittelstürmer agieren und wenn Personalnot herrscht, auch auf den Flügel ausweichen. Er belebt das Offensivspiel, das merkt man. Seine Rückkehr nach langer Verletzungszeit ist sehr wichtig für das Team."


Friede, Freude, Eierkuchen auf Schalke? Nicht ganz. David Wagners Versteifung auf Guido Burgstaller als gesetzte Sturmspitze eckt im königsblauen Fanlager weiter an. Munition an die Kritiker lieferte der Österreicher mit einem durchwachsenen Spiel beim Aufsteiger Paderborn, in dem Burgstaller einige Großchancen ungenutzt liegen ließ. Auch Hassan würde ein Stühlerücken im Schalker Sturm begrüßen: "Ich persönlich würde mir lieber wünschen, wenn David Wagner Uth oder Ahmed Kutucu als Sturmspitze aufstellen würde. Momentan ist Burgstaller außer Form und verwandelt seine Chancen nicht. Vielleicht täte ihm eine kleine Pause mal gut, um die Gedanken zu sortieren. Es wirkt auf mich so, dass er – aufgrund seines laufintensiven Spiels – bei seinen Gelegenheiten meistens total ausgepowert ist und ihm dann die Konzentration im Abschluss fehlt. Er schafft es momentan nicht, diese Balance hinzubekommen."


Im zweiten Teil unserer Analyse (Mittwoch, 18. September) mit S04-Blogger und -Experte Hassan Talib Haji sprechen wir über die Personalsituation beim FC Schalke 04. Unter die Lupe nehmen wir unter anderem Alex Nübel, Ozan Kabak und Jonjoe Kenny.