​Nach dem Abstieg in die ​zweite Bundesliga will sich der ​1. FC Nürnberg neu aufstellen und so schnell wie möglich wieder ins ​deutsche Oberhaus zurückzukehren. Dazu braucht es allerdings einen Umbruch im gesamten Verein. Eine hervorragende Basis dafür schafft seit Jahren der Scouting-Bereich der Nürnberger. Dies hat beim Club nämlich einen ganz besonderen Stellenwert.


Der Name Meier ist in Fußball-Deutschland bei weitem kein Unbekannter. Norbert Meier trainierte über viele Jahre viele Bundesliga-Klubs und war selbst als Profi aktiv. Auch beim 1. FCN ist dieser Name Programm, allerdings ist es Florian Meier, der das Sagen in Sachen Scouting hat. Der Sohn des ehemaligen Nationalspielers hat sich selbst einen Namen gemacht, musste sich in der Vergangenheit allerdings durchaus viel anhören.


Denn im Profi-Bereich versuchte er sich bereits bei mehreren Vereinen. Vor den Nürnbergern war er bei ​Darmstadt aktiv, doch oft fiel er dabei eher durch seinen Namen auf. "Auf früheren Stationen meinten manche, ich sei nur wegen des Namens dort. Aber der Name öffnet einem höchstens eine Tür. Durchgehen muss man selbst und auf Dauer überzeugt man durch fleißige Arbeit und nicht durch seine Vorfahren", so der 36-Jährige in der Bild


Heute hat er durch starke Arbeit selbst auf sich aufmerksam gemacht. Denn Meier ist derjenige, der für die Scouting-Geschäfte des 1. FC Nürnberg verantwortlich ist. Doch die Büro-Arbeit liegt ihm nicht wirklich, eher versucht er sich stets einen eigenen Eindruck von den zu beobachtenden Spielern zu vermitteln. Dafür reist er im Jahr bis zu 150.000 Kilometer, auf digitales Scouting und Videos nimmt er dabei eher weniger Rücksicht.


"Spieler nur per Video zu Verpflichten ist für den 1. FC Nürnberg viel zu riskant und daher ein absolutes No-Go. Deswegen legen wir Wert darauf, jeden Kandidaten mehrmals persönlich beobachtet zu haben", so der vernetzte Meier. Wege legt Maier damit also viele zurück, doch dabei ist der Chefscout fast nur in Deutschland auf Talentsuche.

Kontakte nach England und neue Ausrichtung


Neben ihm hat der ebenfalls erst kürzlich installierte Kevin Cruickshank eine große Verantwortung. Der Schotte schloss sich nach einem Engagement bei Stoke City dem Verein an und besticht durch seine hervorragenden Kontakte in die ​Premier League. Im englischen Nachwuchsbereich wird bekanntlich seit Jahren mit hohem Erfolg gearbeitet, Cruickshank ist mit seinem Netzwerk und der Aktivität auf der Insel eine echte Bereicherung.


"Mit ihm erweitern wir einfach unsere Bandbreite, erhöhen die Qualität und erweitern das Netzwerk", so auch Sportvorstand Robert Palikuća. Doch die Spielerbeobachtung ist das eine, ein möglicher Transfer das andere. Sollten passende Spieler gescoutet und auserwählt werden, haben Trainer Damir Canadi und Palikuća die Möglichkeit, sich über eine Verpflichtung auszutauschen. Die beiden Kaderplaner entscheiden letztendlich, wie geeignet ein Youngster wirklich ist. 


Dies ist ebenso eine Folge der Umstrukturierung der letzten Monate. Denn neben dem Verein hat sich vor allem der Socuting-Bereich enorm gewandelt. Das neue Personal spricht ebenso dafür wie die neuen Methoden. In der Vergangenheit funktionierte dies nämlich nicht immer nach Plan. "Wenn man finanziell nicht die Möglichkeiten wie andere hat, muss man eben schneller sein. Und das versuchen wir jetzt wieder verstärkt", so Nürnbergs Sportvorstand.


Viele Mittel stehen nicht zur Verfügung


Vor allem nach dem Abstieg ist dabei also der finanzielle Aspekt entscheidend. Dort habe der Klub im Vergleich zu anderen Vereinen weniger Möglichkeiten. Hilfe gibt es dabei sogar von ehemaligen Nürnbergern, unter anderem der Vereinslegende​ Dieter Nüssing. Trotz seiner 70 Jahre hat er seinen Vertrag als Talentsucher noch einmal verlängert und wird den Nürnbergern weiter als Beobachter zur Verfügung stehen.


Seit 2004 ist Nüssing bereits als Scout verantwortlich und sorgte in seiner bisherigen Zeit schon für einige Überraschungen. Unter anderem war er für die Entdeckung des erst 21-jährigen Eduard Löwen verantwortlich. 2016 verpflichtete ihn der FCN aus dem Nachwuchs von Saarbrücken, danach entwickelte er sich zum Profi und ging in diesem Sommer für sieben Millionen Euro zu ​Hertha BSC.


Er ist nur einer von vielen positiven Beispielen und in Zukunft soll es noch eine Menge weitere geben. Die Scouting-Arbeit bei den Nürnbergern ist also ganz besonders, sehr familiär und mit nur wenigen Mitteln. Gerade einmal fünf weitere Talentsucher sind neben Nüssing noch beschäftigt, doch der kleine Kreis zahlt sich immer wieder aus. Die gute Basis soll beim Club aber noch weiter ausgebaut werden, am besten schon bald wieder als Bundesligist.