​Der ​Hamburger SV kassierte ausgerechnet beim so wichtigen ​Derby gegen den FC St. Pauli die erste Niederlage in dieser Zweitligasaison und verpasste somit die Rückkehr an die Tabellenspitze. Coach ​Dieter Hecking regte sich nach der Partie nicht nur über die maue Leistung seiner Spieler auf, sondern monierte das Fehlen einer Grundlinien-Technik, welche den Rothosen womöglich einen Punktgewinn beschert hätte.


Beim Spiel gegen die Erzrivalen hatten sich die Hanseaten früh den Schneid abkaufen lassen und wirkten in vielen ihrer Aktionen fahrig. Die Kiezkicker hingegen sprühten nur so vor Einsatzwille und belohnten sich bereits in der 18. Spielminute durch den Führungstreffer von Dimitrios Diamantakos. 

Sven Jablonski

Referee Sven Jablonski musste sich auf seine Assistenten verlassen



In der 45. Spielminute wähnte sich der HSV dann aber wieder für einen kurzen Moment zurück im Spiel. Nach einer Vorlage von ​Bakery Jatta netzte Lukas Hinterseer zum vermeintlichen Ausgleich ein. Der Treffer wurde aber nicht gegeben. Angeblich hatte der Ball vor dem Zuspiel zum HSV-Angreifer bereits die Grundlinie überquert. 


VAR keine ausreichende Hilfe


Der Linienrichter auf der Gegenseite hob die Fahne und obwohl Zweifel über die Richtigkeit dieser Entscheidung aufkamen und auch der Videoschiedsrichter die Situation genau unter die Lupe nahm, lieferte keine Kamera ein eindeutiges Bild. Schiedsrichter Sven Jablonski ließ den Treffer daher nicht zählen.


Da der Spielverlauf durch einen Ausgleichstreffer zu diesem Zeitpunkt womöglich eine ganz andere Wendung genommen hätte, zeigte sich Hecking nach ​der Partie gegenüber Sky sichtlich angefressen. "Wozu brauchen wir den Videobeweis, wenn auf der wichtigsten Linie keine Kamera ist? Dann bringt der ganze Videobeweise nichts", so der 55-Jährige.


Hecking flüchtet sich in Galgenhumor


Danach legte Hecking noch nach: "Ich ziehe den Hut vor dem Linienrichter, wenn er das aus 40 bis 50 Metern erkannt haben will." ​Im gleichen Atemzug betonte der erfahrene Fußballlehrer aber auch, dass er dem Assistenten nicht die Schuld für die knifflige Situation gebe. Vielmehr richte sich sein Groll "in eine andere Richtung".


Gemeint ist damit die DFL, die auch an diesem Spieltag in den ersten beiden höchsten deutschen Spielklassen mit jeder Menge VAR-Komplikationen konfrontiert war. Dabei erinnert der Fall in Hamburg an das ​Erstligaspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Fortuna Düsseldorf. Dort hatte ein Treffer der Fortuna für Aufsehen gesorgt, bei dem der Vorbereiter das Leder zuvor vermeintlich ins Seitenaus gedribbelt hatte.


VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke hatte in der Folge gefordert, auch die Seitenauslinien mit technischen Hilfsmitteln ebenso genau zu überwachen wie die Torlinien.