Der BVB hat seine Hausaufgaben in diesem Sommer gemacht und sich qualitativ noch weiter verstärkt. Mit den Transfers avancierte Borussia Dortmund zum klaren Titelfavoriten und sendete die Botschaft: Verstecken ist nicht mehr! Die neuen schwarz-gelben Hochkaräter haben mitunter aber noch Anlaufschwierigkeiten.


Zunächst mal Butter bei die Fische. Was nicht untergehen darf und was bislang vielleicht sogar zu kurz kam: Was die Dortmunder Kaderplaner in diesem Transfersommer veranstalteten, ist allerhöchste Güteklasse. Der BVB verlor keinen einzigen Leistungsträger und konnte den Kader erfolgreich ausdünnen - und im gleichen Zug mit ganz neuer Qualität bestücken. Dabei machte die Borussia ein Transferminus von gerade einmal 33 Millionen Euro. Chapeau! 


Die neuen Stars in Dortmund, die dem amtierenden Vizemeister in dieser Saison Silberware beschaffen sollen, durchlebten allerdings ganz unterschiedliche Auftakte in den neuen Farben. Wir haben die bisherige Saison der Neuzugänge unter die Lupe genommen.


Mats Hummels

Rückkehrer Mats Hummels wird in der öffentlichen Wahrnehmung als das Zünglein an der Waage im Meisterschaftskampf ausgerufen. Zumindest hievt der Rückkehrer den BVB annähernd auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München. Und wie erwartet brauchte der 30-Jährige in Dortmund keine Anlaufzeit: Hummels ist in der Abwehr gesetzt und konnte seine starke Form aus der Rückrunde der vergangenen Saison (damals noch beim ​FC Bayern) nahtlos bestätigen. Seine mitunter überragenden Auftritte im BVB-Dress machten Hummels zuletzt sogar wieder zu einem heißen Thema rund um die Nationalmannschaft. 

Mit seiner Qualität und Erfahrung bringt Hummels dem BVB zudem ein ganz neues Selbstvertrauen. Die Schwarz-Gelben erlauben es sich deutlich höher zu stehen, als noch in der vergangenen Saison. Und auch die Dortmunder Achillesferse (Standards!) gewinnt durch den Rückkehrer sukzessive an Stabilität; wie auch am Wochenende gegen Leverkusen. Zudem moderierten der BVB und Hummels die Rückkehr nach Dortmund hervorragend, wodurch der ehemalige BVB-Kapitän reibungslos in der Mannschaft und im Fanlager akzeptiert wurde. Mats Hummels bringt bislang genau das auf den Teller, was man sich in Dortmund erhoffte. Note Eins mit Sternchen für diesen Transfer.

Julian Brandt 


Neben Hummels war und ist Julian Brandt der zweite BVB-Neuzugang mit Wow-Faktor. Immerhin hätte der deutsche Nationalspieler ohne Zweifel auch gleich in ein höheres Regal greifen können und zu einem etablierten Spitzenclub wechseln können. Dass er sich trotzdem für den BVB entschied, zeigt das neue respektive zementierte Standing des Vizemeisters. Brandt kann - und das ist die hohe Erwartung an ihn - in Zukunft das Gesicht dieser Mannschaft werden. Bislang plagt sich der Neuzugang aus Leverkusen aber noch mit Anlaufschwierigkeiten herum.


Das ist mitunter einer Adduktorenverletzung geschuldet, die sich Brandt in der Vorbereitung einhandelte. Damit verpasste der offensive Mittelfeldspieler den Trainings-Endspurt vor dem Start in die neue Saison und fehlte auch im Supercup gegen den FC Bayern und im Pokal gegen Uerdingen. In den ersten beiden Bundesliga-Spielen kam Brandt nur von der Bank, nähert sich langsam aber seinem vollständigen Fitnesslevel an. Beim 27-fachen deutschen Nationalspieler ist daher Geduld angesagt. 

Sportlich zeigte Brandt bisher durchwachsene Leistungen. Überragenden Spielen wie gegen den 1. FC Köln stehen blasse Auftritte mit vielen Fehlern gegen Bayer Leverkusen gegenüber. Auch seine Position im Favre'schen System hat Brandt noch nicht gefunden; mal als abgekappter Achter, mal als linker Flügelspieler sucht der 23-Jährige noch nach seiner Rolle beim BVB. Was Brandt jetzt vor allem braucht, sind Fitness und Selbstvertrauen - damit er beim BVB zum X-Faktor werden kann.

Thorgan Hazard

Bei all der Qualität in Dortmunds Offensive geht Thorgan Hazard bislang etwas unter. Der Belgier konnte beim BVB noch keine Duftmarke setzen, eine Rippenprellung setzte den Neuzugang aus Gladbach zudem für einige Wochen außer Gefecht. Wichtig sollte Hazard in den nun anstehenden englischen Wochen werden. Lucien Favre betonte bereits, dass er den 26-Jährigen auch als Stürmer spielen lassen wird; Hazard dürfte bei den kommenden Partien also für Entlastung bei Paco Alcacer wie auch auf dem linken Flügel für Julian Brandt sorgen. 

Ein gewisser Leistungsdruck herrscht bei Hazard, der den BVB immerhin 25 Millionen Euro kostete, dann aber doch vor. Denn für eine zu lange Anlaufzeit ist der Vizemeister einfach zu gut besetzt. Da Rapahel Guerreiro seinen Vertrag in Dortmund verlängern wird, droht Hazard ein Platz auf der Bank. Lucien Favre ist bekanntlich kein außerordentlicher Fan der Rotation. Hazard ist noch nicht beim BVB angekommen; sollte aber genau daran schleunigst etwas ändern.

Nico Schulz

Der deutsche Nationalspieler ist genau der Typ Spieler, der dem BVB in der vergangenen Saison gefehlt hat. Während Achraf Hakimi sich als flexibel einsetzbarer, offensiv denkender Außenverteidiger hervortat, fehlte es auf der jeweils anderen Abwehrseite stets an Tempo und Durchschlagskraft. Die bringt Nico Schulz definitiv mit. Aktuell pausiert der 26-Jährige allerdings mit einer Fußverletzung, die er sich auf der Länderspielreise mit der DFB-Elf zugezogen hat. Gegen den FC Barcelona (Champions League am Dienstag) dürfte Schulz noch keine Option für Lucien Favre sein. 

Für den BVB absolvierte Schulz, der aus Hoffenheim ins Ruhrgebiet wechselte, bislang vier Pflichtspiele. Seine Qualitäten konnte er dabei andeuten, ebenso wie seine Leidensfähigkeit. Schulz beackert die linke Seite wie ein Stier - dass dabei etwas Zählbares rauskommt, ist nur eine Frage der Zeit. Schulz bringt dem BVB ganz viel neue Qualität, die sich früher oder später auch in Leistungen und Torbeteiligungen widerspiegeln wird.

Mateu Morey

Einer, der sich zum absoluten Glücksgriff entwickeln könnte, ist Mateu Morey. Der 19-Jährige kam ablösefrei aus der Jugendakademie des FC Barcelona und spielte eine überzeugende Vorbereitung bei seinem neuen Arbeitgeber. Morey glänzte im Passspiel und mit vielen gefährlichen Läufen in die Tiefe - und stellt damit genau das Profil Außenverteidiger dar, das im modernen europäischen Fußball gefragt ist.

Umso bitterer ist es für Morey, dass er derzeit mit einer Schulterverletzung pausieren muss und den Schwung aus der Vorbereitung nicht mitnehmen konnte. Sollte der Spanier seine gute Frühform jedoch bestätigen, wenn er auskuriert ist, dürfte er schon in dieser Saison eine ernsthafte Option für Lucien Favre sein. Mateu Morey hat das Potenzial, eine der ganz großen Überraschungen in dieser Saison zu werden.