​Nach dem vierten Spieltag belegt ​Hertha BSC mit lediglich einem Zähler auf der Habenseite den letzten Tabellenplatz. Das Projekt, mit Hilfe des neuen Cheftrainers ​Ante Covic den Spagat zwischen attraktiver Spielweise und sportlichem Erfolg hinzulegen, droht zu scheitern. Noch halten die Bosse zwar die Füße still, klar ist aber: Der junge Coach muss in Bälde Argumente sammeln.


Dabei hatte der Ligaauftakt noch durchaus Mut gemacht. Ein 2:2-Remis gegen den amtierenden Meister FC Bayern München ist schließlich alles andere als ein verpatztes Bundesliga-Debüt für einen aufstrebenden Trainer. Die darauffolgenden Partien zeigten jedoch schonungslos auf, dass eine derart tiefgreifende Veränderung im Spielsystem in der Hauptstadt scheinbar nicht ohne einiges Knirschen im Getriebe über die Bühne zu bringen ist.

Ante Covic

Covic muss früh seine erste Krise bewältigen



Unter ​Ex-Trainer Pal Dardai hatten die Berliner einen äußerst nüchternen Ergebnisfußball praktiziert. Das Graue-Maus-Image der Herthaner war Manager Michael Preetz aber ein Dorn im Auge und daher trennte man sich trotz sportlich durchaus respektablen Ergebnissen von dem erfahrenen Coach. Mit Ante Covic setzte man auf das beste Pferd aus dem eigenen Nachwuchsbereich - zudem stellte man zuvor auch in finanzieller Hinsicht neue erfolgsversprechende Weichen.


Millionen-Investitionen noch nicht erkennbar


Dank der neuen Kooperation mit dem Investment-Unternehmen Tennor Holding B.V. konnten die Berliner in diesem Transfersommer auf ​ganz andere Mittel zurückgreifen und ließen durch spektakuläre Transfers wie etwa Dodi Lukebakio aufhorchen. Durch den pralleren Mannschaftsetat schossen automatisch auch die Erwartungen in die Höhe und so liebäugelten die Berliner bereits für diese Saison, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand, mit einem Einzug in die Europa League.


Nach vier Spieltagen sind die Herhtaner nun aber knallhart auf dem Boden der Tatsachen angekommen und müssen zusehen, nicht zum Dauergast in den unteren Tabellenregionen zu werden. Um dieses Etappenziel zu erreichen, müssen sich aber alle Mannschaftsteile gehörig verbessern. Die Defensive tritt bislang ​nicht gerade sattelfest auf und in der Offensive ließ die Covic-Elf zuletzt selbst aussichtsreichste Torchancen ungenutzt liegen.


Preetz steht schützt Covic (noch)


Covic sind die Unzulänglichkeiten seiner Mannschaft natürlich nicht entgangen und so monierte der 44-Jährige zuletzt laut kicker die "fehlende Leichtigkeit, Spiele zu gewinnen". Dabei dürfte auch der kroatische Übungsleiter nur allzu gut wissen, dass seine Schützlinge nun vor allem eines brauchen: Erfolgserlebnisse.


Preetz versucht indes, die Gemüter in der Hauptstadt zu besänftigen und zeigt sich demonstrativ gelassen. "Ante bekommt von uns jede Hilfestellung, jede Unterstützung. Wir sehen, wie akribisch er und sein Trainerteam arbeiten, und wir sehen auch das Fortkommen", wird der Manager von der Fachzeitschrift zitiert.


Covic muss sich noch etablieren


Zugute halten muss man dem frischen Gesicht auf der Trainerbank der Hertha aber mit Sicherheit, dass er nichts unversucht lässt und dabei auch nicht vor unbequemen Entscheidungen zurückschreckt. 


Die prominenten Neuzugänge der Hertha:

​SpielerPosition​Ablöse​
​Dodi Lukebakio​RA​20 Mio. Euro
​Eduard Löwen​ZMF​7 Mio. Euro
​Daishawn Redan​MS​2,7 Mio. Euro
Marius Wolf​RA​2 Mio. Euro (Leihgebühr)
Dedryck Boyata​IV​ablösefrei

Angesichts der aktuellen Situation Vedad Ibisevic bei der jüngsten Niederlage gegen ​Mainz über 90 Minuten auf der Bank schmoren zu lassen, könnte sich dies für Covic aber schnell als Bumerang erweisen. Das Wort des 35-jährigen Bosniers hat in der Hauptstadt noch immer Gewicht - kann Covic nicht rasch Ergebnisse vorweisen, könnte die Stimmung schnell kippen.


Noch befindet sich die ​Mannschaft in der Findungsphase. Neuzugänge wie Marius Wolf und vor allem Eduard Löwen, der noch gar nicht zum Zuge kam, konnten noch nicht integriert werden. Unterm Strich bleibt also festzuhalten, dass Covic alle Hände voll zu tun hat. Gelingt es dem zweifelsohne talentierten Cheftrainer diese Krise zu bewältigen, könnte er aber auch gestärkt aus diesem Stahlbad hervorgehen.