​Am heutigen Samstagabend empfängt der Tabellenführer ​RB Leipzig den ​FC Bayern München. Aus den ersten drei Partien der noch jungen Spielzeit bereits eine Wachablösung abzuleiten, ist mit Sicherheit verfrüht. Dafür, dass die Leipziger in dieser Saison aus dem Zweikampf des FCB mit dem BVB einen Dreikampf machen können, lassen sich aber bereits zahlreiche Indikatoren finden.


Da wäre zum einen die nicht zu unterschätzende finanzielle Potenz der roten Bullen, die in diesem Sommer immerhin über 50 Millionen Euro in neue Spieler investiert haben. Zugegeben, die Konkurrenz bewegt sich (noch) in anderen Sphären, klar ist aber auch, dass die Leipziger, insbesondere für junge Talente, längst zu einer lukrativen Adresse geworden sind.


Die enge Verzahnung mit Partnervereinen wie RB Salzburg sorgt zudem dafür, dass die Sachsen bei der Jagd nach frischen Talenten der Konkurrenz ein ums andere Mal ein Schnippchen schlagen können. In Zukunft könnten sich auch die ​​Ableger in Brasilien und den USA als wichtige Talentepools erweisen.


Der Nagelsmann-Effekt


Auch der neue ​Cheftrainer Julian Nagelsmann ist ob dieser finanziellen Möglichkeiten sehr zufrieden, schließlich hatte er bei seinem Ex-Klub TSG 1899 Hoffenheim mit geringeren finanziellen Mitteln haushalten müssen. Wie gut die Leipziger mittlerweile dastehen, zeigte zuletzt die ​Vertragsverlängerung mit Timo Werner auf, der gefühlt von halb Europa und insbesondere ​auch von den Bayern ins Visier genommen worden war, sich schlussendlich aber für den Leipziger Weg entschieden hat.


Die RB-Leistungsdaten von Timo Werner:

​Spiele​ToreVorlagen​
​Bundesliga​96​55​24
​DFB-Pokal​8​4​1
​Champions League​6​3​-
​Europa-League​6​4​2
​Europa-League-Quali​2​-​1
​Insgesamt​118​66​28

Dass mit Nagelsmann das größte deutsche Trainertalent an der Seitenlinie steht, trägt einen großen Anteil dazu bei, dass RB für viele Spieler richtig sexy geworden ist. Dabei verkörpert der 32-Jährige eine Mentalität, die auch bei den Vereinsbossen gut ankommt. So ist der Cheftrainer für seinen großen Ehrgeiz bekannt und fordert von seinen Schützlingen einen Menge ab. Da der Taktikfuchs dabei aber auch in der Lage ist, seine Ideen verständlich zu vermitteln, gelingt es ihm, seine Spieler trotzt aller Strenge für seine Vorstellungen zu begeistern.


Nagelsmann setzt auf mehr Variabilität


In den vergangenen Jahren waren die Leipziger vor allem für ihre äußerst stabile Defensive bekannt und zeichneten sich insbesondere unter Ralf Rangnick durch ein blitzschnelles Umschalten nach Ballverlust aus. Die Fußball-DNA von Nagelsmann ist hingegen von deutlich mehr Lust auf kreatives Spiel geprägt und verlangt von den Spielern deutlich mehr Ballbesitzzeiten.


Der Fall Ralph Hasenhüttl zeigt auf, dass der Versuch, das Spiel der Leipziger ballbesitzorientierter zu gestalten, durchaus kein leichter ist. Schließlich war der Österreicher mit diesem Versuch schlussendlich gescheitert und wurde, nachdem klar wurde, dass er andere Vorstellungen als die Klubführung vertritt​, nach der Saison 2017/18 durch Rangnick ersetzt.


Nagelsmann könnte also eigentlich ein ähnliches Schicksal blühen. Der gebürtige Bayer ist aber clever genug, um zu wissen, dass er seine Anpassungen nicht übers Knie brechen darf und versucht die Leipziger in kleinen Schritten in Richtung seiner Spielphilosophie umzuwandeln. Gelingt ihm dies, wäre das Spiel der Sachsen für die Gegner deutlich schwerer ausrechenbar. 


Mintzlaff von eingeschlagenem Weg überzeugt


Mit Oliver Mintzlaff weiß Nagelsmann zudem einen Vorstandschef in seinem Rücken, der die Neuausrichtung der Leipziger absolut mitträgt. Dabei scheut auch der 44-Jährige nicht davor zurück, sich ambitionierte Ziele zu setzen und teilt die Einschätzung seines Sportdirektors Markus Krösche, der unlängst erklärt hatte, dass bereits in dieser Saison ein Titelgewinn möglich sei.

FBL-GER-BUNDESLIGA-DORTMUND-LEIPZIG

Oliver Mintzlaff blickt hoffnungsvoll in die Zukunft



"Wir hatten ja auch schon in der letzten Saison im DFB-Pokal die Chance, einen Titel zu holen. Von daher stimme ich Markus zu, dass wir auf jeden Fall das Potenzial dafür haben, sofern wir wieder ähnlich konstant sind", so Mintzlaff gegenüber der BILD.


Sieg gegen Bayern hätte weitere Signalwirkung


Auch Mintzlaff weiß aber ganz genau, dass für einen Titelgewinn, ob im Pokal oder vor allem in der Liga, "grundsätzlich immer alles passen" müsse. Spiele gegen direkte Konkurrenten sind dabei mit Sicherheit ein guter Gradmesser, um abschätzen zu können, wo die Reise hingehen kann.


Die ​Partie gegen den Rekordmeister vor ausverkauftem Haus wird daher die erste echte Bewährungsprobe für die Nagelsmann-Elf. Die bisherige Bilanz gegen die Münchner spricht dabei nicht gerade für RB. So konnten die roten Bullen nur eines der bisher acht Duelle für sich entscheiden und musste sich sechs Mal geschlagen geben. Aber wer weiß, vielleicht zahlt sich der Nagelsmann-Effekt bereits heute Abend aus. Mit der TSG konnte er die Bayern schließlich immerhin zwei Mal in die Knie zwingen.​