​Bis zur vorletzten Saison war Javi Martínez der Rekordeinkauf in der langen Vereinsgeschichte des ​FC Bayern München. 2012 zahlten die Münchener satte 40 Millionen Euro an Athletic Bilbao - für einen defensiven Mittelfeldspieler wohlgemerkt. 


Bislang erst dreizehn Minuten auf dem Feld


Erst Corentin Tolisso, in der Spielzeit 2017/18, übertraf den Basken um 1,5 Millionen. Und dieses Jahr schließlich gingen die Bayern bei Lucas Hernández so richtig in die Vollen: Was die Münchener für Martínez und Tolisso zusammen ausgaben, kostete Hernández ganz allein - 80 Millionen Euro.


Doch ein teures Preisschild allein garantiert noch keinen Stammplatz. Bei einem Spitzenteam wie dem FC Bayern sowie schon nicht. Diese Erfahrung muss Javi Martínez gerade in München machen. 


Eine Knieverletzung, zugezogen bei einem Testspiel gegen Fenerbahce Istanbul, ließ Martínez das Eröffnungsspiel gegen die Berliner Hertha verpassen. Im anschließenden Spiel auf Schalke "durfte" der Spanier dann lediglich die letzten dreizehn Minuten ran, um das 3:0 unter Dach und Fach zu bringen. Das dritte Liga-Spiel schließlich musste er neunzig Minuten von der Bank aus verfolgen. Was ist da los? 


Unter Kovac' Vorgängern regelmäßig im Team


Bei einem Blick auf die Einsatzzeiten von Martínez fällt auf, dass er in den Jahren vor Kovac' Amtsantritt in München eigentlich nur immer dann gefehlt hat, wenn er verletzt war oder der branchenüblichen Rotation zum Opfer fiel. 


Unter ​Niko Kovac, in dessen Debütsaison beim Rekordmeister, wurde Martínez immerhin dreizehnmal nicht berücksichtigt. Und nur beim Heimspiel gegen den FSV Mainz, am 26. Spieltag, gab es dafür medizinische Gründe (Kopfverletzung). 


Für die letzten drei Liga-Spiele wurde er noch nicht mal mehr in den Kader berufen. In der Summe und saisonübergreifend bedeutet das: von den letzten sechs Spielen hat der Spanier nur eines (und auch nur für dreizehn Minuten) bestritten. 


Für einen Spieler seiner Güte sicherlich zu wenig. Läutet Kovac womöglich still und leise das Ende einer Fußballer-Karriere ein? Mit 31 Jahren gehört Martínez sicherlich noch nicht zum alten Eisen. Doch ganz offensichtlich sind seine Qualitäten, zumindest für Kovac und zumindest in der Aktualität, verzichtbar. 


Zu den Stärken des Basken gehört sicherlich nicht das filigrane Spiel. Auch das Kreative geht ihm ein wenig ab. Javi Martínez ist eher für das Grobe zuständig. Er kann hinlangen wenn es gefordert ist, und er hat große taktische Disziplin. Hinzu kommt eine bei seiner Körpergröße (1,92 Meter) logische Lufthoheit. Für alles andere sind bei Bayern die Kollegen zuständig. 


Wichtiger Bestandteil des Triple-Teams


Doch mit diesen Stärken des Basken hatten die Bayern in der jüngsten Vergangenheit großen Erfolg. In der Triple-Saison 2012/13 unter Heynckes war Martínez einer der gesetzten Spieler, absolvierte 27 Liga-Spiele und alle entscheidenden Champions-League-Aufgaben (Finale gegen den BVB in Wembley inklusive). 


Doch für's Gewesene gibt der Fan nichts. Und ein heute angestellter Trainer bei Bayern München sowie schon nicht. 


Sicherlich wäre es zum heutigen Zeitpunkt etwas verfrüht, davon zu sprechen, dass Martínez' Tage in München gezählt sind. Doch sollte sich an seinen Einsatzzeiten in den kommenden Monaten nichts Gravierendes ändern, werden beide Parteien wohl miteinander reden müssen. Der Vertrag von Martínez bei den Bayern läuft übrigens noch bis zum Sommer 2021.