Noch vor wenigen Wochen war Stürmer Nicólas González beim VfB Stuttgart bereits als Transferflop abgeschrieben. Seit dem Start der neuen Zweitligasaison avanciert der 21-Jährige aber plötzlich zum Leistungsträger der Cannstatter. Ganz im Gegenteil zu seinem argentinischen Teamkollegen Santiago Ascacíbar, der derzeit auf dem Abstellgleis steht. Ein überraschendes Szenario, aus dem möglicherweise ein Machtwechsel entsteht?


Mit Vorschusslorbeeren gewechselt, als Transferflop verschrien in die Sommerpause gejagt. Die erste Saison von Stürmer Nicólas Gonzalez im roten Brustring lief denkbar tragisch. Nachdem der junge Argentinier im vergangenen Sommer für 8,5 Millionen Euro von Argentinios Juniors an den Neckar wechselte, lastete ein enormer Druck auf dem 21-Jährigen.


Sich im Konkurrenzkampf mit Mario Gomez und Anastasios Donis behaupten, sollte er. Die Offensivschwäche aus der Vorsaison durch seine junge Leichtfüßigkeit beheben. Auch wenn es an seinem Einsatz und seiner Identifikation mit dem ​VfB Stuttgart nie haperte, wurde er diesen Anforderungen zu keinem Zeitpunkt gerecht.


Gonzalez' bittere erste Saison

Gegen Schalke 04 vergab er im Dezember vor dem leeren Tor. Immer wenn man dachte, dass nun der Knoten geplatzt sei, vergab er weitere, etliche Großchancen. Den absoluten Tiefpunkt erreichte er aber, als er das dringende Tor im Relegationsrückspiel gegen ​Union Berlin durch eine völlig unnötige Abseitsposition aufhob. Der VfB Stuttgart stieg danach ab, González entwickelte sich zum Antihelden aus Cannstatt.


Doch im Sommer wurde er trotzdem zur U21-Nationalmannschaft nach Argentinien geladen. Mit der ehrwürdigen Nummer 10, die vor ihm etwa Lionel Messi und Diego Maradona trugen, trumpfte er zu seiner eigentlichen Stärke auf und traf in fünf Partien fünf Mal. Folglich waren mehrere Teams an ihm interessiert, unter anderem PSV Eindhoven und Inter Mailand.

Nicolas Gonzalez

Bislang wirkt Nicólas González wie ausgetauscht


Auch in den ersten Partien zurück in der Mercedes-Benz-Arena wirkt der 21-Jährige wie ausgetauscht. So hat er nach drei Partien bereits zwei Mal eingenetzt – so viel wie in der gesamten letzten Saison. Obwohl er bislang immer als Joker eingesetzt wurde, entschied er durch seine Tore beide Spiele. Gegen ​St. Pauli in letzter Sekunde und gegen ​Bochum per Sonntagsschuss in den Winkel.


Folglich steigt auch González‘ Ansehen beim VfB. Neu-Trainer Tim Walter ist nach wie vor von seinem Schützling begeistert. Von seiner "Lebensfreude" und seiner "positiven Energie", die er in der Mannschaft bringe, wie Walter nach dem Spiel gegen St. Pauli auf der Pressekonferenz sagte. Von dieser sollen nach und nach auch die Fans angesteckt zu werden. Durch Gesang und Jubel scheinen sie dem jungen Argentinier mittlerweile zu verzeihen.


Wie geht es mit Santi weiter?

Anders als bei seinem argentinischen Mannschaftskameraden Santiago Ascacíbar. In seiner ersten Debütsaison gleich als Leistungsträger gefeiert, bröckelte in der vergangenen Abstiegssaison auch dieser Status Stück für Stück. Ein paar Spieltage vor Schluss erreichte auch er seinen Tiefpunkt, als er​ Leverkusen-Profi Kai Havertz anspuckte. Trotz all den ironischen Lama-Vergleichen stieß seine Sperre, mit der er auch das Relegationshinspiel verpasste, bei den Schwaben schlecht auf.


Doch gerade wegen seiner rüden Gangart, seiner Laufstärke und seines nimmermüden Kampfgeistes war der Sechser bis zuletzt unangefochtener Publikumsliebling in der Mercedes-Benz-Arena. Durch seine vergangenen Fehltritte könnte Santi diesen Status aber schneller verlieren, als ihm lieb ist. So forderte er wohl jüngst eine Einsatzgarantie auf seiner angestammten Position im zentralen defensiven Mittelfeld.

Santiago Ascacibar

Bisher verläuft Ascacíbars Saison alles andere als optimal


VfB-Coach Tim Walter zieht dort derzeit aber sein ​Kieler Mitbringsel Atakan Karazor vor. Ascacíbar kam derweil immer von der Bank in die Partie. Noch in keinem Spiel der laufenden Saison spielte er von Beginn an. Wenn er eingesetzt wurde, meist auf der offensiveren Acht. Und Offensive und Ascacíbar verträgt sich, wie man im Ländle weiß, bekanntlich nicht gut. Auch wenn er sich zwar immer wieder Fernschüsse nimmt, enden die meist kläglich.


Als er dann aber seine Einsatzgarantie forderte und mit einem Wechsel zu Betis Sevilla drohte, zog Sportdirektor Sven Mislintat die Notbremse und suspendierte den Wirbelwind. Nach der vergangenen Länderspielpause soll er zwar laut Mislintat eine faire Chance kriegen, wie jeder andere VfB-Profi auch. Die Frage wird allerdings sein, ob Santi diese nutzen wird oder ob er sich der endgültigen Thronfolge von Nicólas González hingeben wird.