Robert Lewandowski ist ein Phänomen. Der Angreifer des FC Bayern München ist so gut wie nie verletzt, liefert Tore wie am Fließband und zählt zu den komplettesten Stürmern Europas. Die ersten Spiele der neuen Saison haben gezeigt, wie abhängig der Rekordmeister von ihm ist - und wieso er der Spielertyp ist, den Borussia Dortmund nicht hat.


Als feststand, dass Robert Lewandowski im Sommer 2014 ablösefrei vom BVB zu den Bayern wechseln würde, dürften die Korken in der Führungsetage des FC Bayern geknallt haben. In Dortmund entwickelte sich Lewandowski zu einer Tormaschine, die sich bei gegnerischem Ballbesitz als erster Verteidiger sieht, unermüdlich presst und läuft. Lewandowski ging dorthin, wo es weh tat - egal, ob die 15. oder 90. Spielminute lief. 

​Dass er beim FC Bayern noch einmal eine Schippe drauflegen könnte, war aufgrund der Qualitäten von Pep Guardiola ​nur eine rhetorische Frage. Nur, Lewandowski machte mehr als einen Schritt nach vorne. In 247 Pflichtspielen erzielte er stolze 198 Tore, nur einmal traf er in der Bundesliga weniger als 20 Mal: in der Premierensaison 2014/15 erzielte er 17 Treffer.


Erfolgsgarant Lewandowski - Die Leistungsdaten des Torjägers im Überblick:

​SaisonBundesliga​Champions League​DFB-Pokal​
​2014/15​31 Spiele, 17 Tore12 Spiele, 6 Tore​5 Spiele, 2 Tore​
​2015/16​32 Spiele, 30 Tore12 Spiele, 9 Tore​6 Spiele, 3 Tore​
​2016/17​33 Spiele, 30 Tore9 Spiele, 8 Tore​4 Spiele, 5 Tore​
​2017/18​30 Spiele, 29 Tore11 Spiele, 5 Tore​6 Spiele, 6 Tore​
​2018/19​33 Spiele, 22 Tore8 Spiele, 8 Tore​5 Spiele, 7 Tore​
​2019/20​3 Spiele, 6 Tore  -​1 Spiel, 1 Tor

In den beiden darauffolgenden Spielzeiten war Lewandowski je 30 Mal zur Stelle, in der Saison 2017/18 29 Mal und in der abgelaufenen Spielzeit 22 Mal. Der direkte Vergleich: Für den BVB erzielte er in 131 Bundesligaspielen 74 Tore, für die Bayern in 162 Partien 134. 


Es gibt wenige Spieler auf diesem Planeten, die in ihrer Mannschaft solch einen Unterschied machen. Bei Real Madrid war ​Cristiano Ronaldo jahrelang der X-Faktor, auf Seiten des FC Barcelona ist es seit jeher ​Lionel Messi -  der FC Bayern ist von Robert Lewandowski abhängig. In den ersten Wochen der neuen Saison rettete der Pole im Alleingang das Unentschieden gegen Hertha BSC, erzielte in der Woche darauf bei Schalke 04 einen Hattrick und traf auch beim 6:1 über Mainz 05.

Was die Bayern vom BVB unterscheidet


​Seine bisherige Bestmarke lag bei fünf Toren nach drei Spieltagen (2016/17), diese hat er nun überboten. Auch wenn die Abhängigkeit von einem Spieler Gefahren birgt, so lässt sich klar sagen: Diese Zuverlässigkeit ist wohl ein Faktor dafür, dass Borussia Dortmund in der vergangenen Saison die Meisterschaft verspielte - und unter Umständen auch in diesem Jahr wieder an den Bayern scheitern könnte.


Ein potentieller Kandidat für solch eine Rolle wäre in Dortmund Marco Reus. Der offensive Mittelfeldspieler ist wieder mit seinem einstigen Förderer Lucien Favre vereint, spielte wenig überraschend die beste Saison seit langem. Doch 17 Tore und 11 Assists reichten genauso wenig wie Jadon Sanchos 12 Tore und 17 Vorlagen oder Paco Alcácers unglaubliche Quote von 18 Toren in 26 Einsätzen.

Marco Reus

 Immer wieder wurde und wird Marco Reus von Verletzungen zurückgeworfen. Deshalb fehlen ihm die allerletzten Prozente bis zur Weltklasse.



Denn Reus und Alcácer werden von ihrer Verletzungsanfälligkeit ausgebremst. Reus verpasste 108 Pflichtspiele seit seiner Rückkehr zum BVB im Jahr 2012, riss sich unter anderem im Mai 2017 das Kreuzband. Alcácer musste aufgrund von muskulären Problemen immer wieder auf der Bank Platz nehmen und wurde erst als Joker in die Partie gebracht. Lewandowski hingegen ist so gut wie nie verletzt, verpasste in den vergangenen fünf Jahren nur 15 Pflichtspiele - einen Großteil davon aus Gründen der Belastungssteuerung.

​So hochveranlagt Reus ist, so mangelt es ihm auch an Konstanz. Aufgrund seiner Identifikation mit dem Verein geht er seit einem Jahr als Mannschaftskapitän voran, teilt die hochgesteckten Ziele der Vereinsführung. Nur: Anders als Ronaldo, Messi oder Lewandowski macht er eben zu selten den Unterschied aus, entpuppte sich in der schwierigen Rückrunde nicht wirklich als Leader.


Die Dortmunder Offensive ist ein waschechtes Kollektiv, das nicht nur gemeinsam aufblüht, sondern auch zusammen einbricht. Es fehlt eine Konstante, die der FC Bayern in Person von Robert Lewandowski besitzt. Sollte der Pole für einen längeren Zeitraum ausfallen, steht Niko Kovac vor einem großen Problem - doch solange er weiter verletzungsfrei bleibt, ist er die Nuance, die den Rekordmeister vom Vizemeister unterscheidet.