​Nein, die abgelaufene Saison war wirklich nichts für ​Real Madrid. Chancenlos in der Liga (19 Punkte Rückstand auf den Meister Barcelona), hilflos in der Champions League (4:1-Demütigung im Bernabéu-Stadion im Achtelfinal-Rückspiel gegen Ajax) und teilweise kopflos, was den Umgang mit bestimmten Spielern (Bale) betrifft. Reals Kapitän ​Sergio Ramos (33) hat jetzt im Zuge der Veröffentlichung seiner Amazon-Biographie Worte für das königliche Desaster gefunden. 


"Niemand im Team ist satt!"


Schauplatz London. Hier stellte Ramos jetzt seine autobiographische Produktion "El corazón de Sergio Ramos" ("Das Herz von Sergio Ramos") vor. 


Und ging dabei auch auf das schwierige Jahr, das hinter dem Klub liegt, ein: "Natürlich gibt es nach einer langen Siegesserie einen Wendepunkt. Ja, wir haben aufgehört zu gewinnen. Aber es gibt niemanden im Team, der es satt hat, zu gewinnen", widersprach Ramos der unter den Fans weitverbreiteten These, dass die Mannschaft einfach nicht mehr hungrig sei nach all den Triumphen der jüngeren Vergangenheit (vier Champions League-Titel in den letzten fünf Jahren!). 


Und eine kleine Kampfansage schickte der nahe Seville geborene Innenverteidiger gleich hinterher: "Wir werden immer ein Anwärter auf den Sieg sein. Wir sind gezwungen, jedes Jahr etwas zu gewinnen. Ich denke, es wird ein gutes Jahr, aber wir müssen von Anfang an alles richtig machen." 


Also nicht wie im letzten Jahr, als der Liga-Zug auch schon nach dreizehn Spieltagen (damals betrug der Rückstand auf Barça bereits fünf Punkte) abgefahren war. Einholen konnten sie ihn bis zum Ende der Spielzeit nicht mehr. 


Eine Schlüsselrolle denkt Ramos dabei vor allem seinem Trainer Zinédine Zidane zu. Der sei gegenüber dem vergangenen Jahr zwar dieselbe Person geblieben, aber als Trainer ein besserer. Weil mit einem Jahr mehr an Erfahrung ausgestattet. Pragmatische Sichtweise. Aber was soll er auch sagen? 


Reals Tür für Pogba immer offen


Auch über einen der Wunschspieler Zidanes hat der Verteidiger eine klare Meinung: "Für mich ist Pogba einer der besten Spieler. Er ist anders und hat seine Qualität schon bei Juventus und jetzt bei Manchester United unter Beweis gestellt. Ich denke, er bringt Balance in ein Team. Er hat enormen Einfluss auf die Offensive und diese erstaunliche Physis." Und natürlich stünden Spielern wie dem französischen Weltmeister bei einem Klub wie Real Madrid die Türen "immer offen." 


Doch vor dem kommenden Winter - frühestens - wird es mit Pogba erstmal nichts werden. 

Auch zu dem Reizthema dieses Sommers bezog Ramos Stellung. 


Gareth Bale war von Zidane sogar öffentlich angezählt worden ("Besser er geht heute als morgen!"). Doch der geplante Transfer nach China scheiterte im letzten Moment. Für den Real-Kapitän eher ein Grund zur Freude: "Ich denke, Bale ist ein großartiger Spieler und er war in den Jahren, in denen er bei uns war, sehr wichtig für den Verein." 


Kritik am Zeitpunkt seiner Dokumentation


Und natürlich kam er auch auf die Kritik an seiner Dokumentation zu sprechen. Gar nicht mal so sehr der Umstand an sich, sondern der Zeitpunkt war vielen Real-Fans ein Dorn im Auge. Die Dreharbeiten fielen zeitlich ausgerechnet mit dem Aus gegen Ajax in der Königsklasse einher. Bei dem der Kapitän wegen einer Gelb-Sperre auch noch zusehen musste. 


Ramos dazu: "Man weiß nie, wann die beste Zeit ist, eine Dokumentation zu drehen. Wenn ich es vorher gewusst hätte, hätte ich mit dem Filmen vielleicht vor drei Jahren begonnen. Aber ich finde es gut, dass man sieht, wie leidvoll und schmerzvoll es ist, Fußballer zu sein und was für Anstrengungen und Opfer eine solche Karriere mit sich bringt." 


Den etwas weinerlichen Ton am Ende des Statements hätte er sich vielleicht auch verkneifen können. Denn die ganzen Anstrengungen und Opfer, von denen Ramos spricht, werden ihm ja auch recht fürstlich (oder, um im Bild zu bleiben, königlich entlohnt): mit etwa 11,6 Millionen Euro jährlich (netto versteht sich!) gehört er bei Real zu den absoluten Top-Verdienern.