Als er ausgewechselt wurde, in der 59. Minute, war das Spiel bereits entschieden. Nicht zuletzt durch seine tatkräftige Mithilfe. Adrian Fein (20) hat bei seinem Debüt für die deutsche U21-Nationalmannschaft in Wales (5:1) da weitergemacht, wo er zuletzt beim HSV aufgehört hatte: ein Spiel prägen und mitentscheiden.


Beim DFB genauso souverän wie beim HSV


Für die Hamburger Fans im Grunde genommen ein gewohntes Bild: Fein dirigiert und orchestriert das Mittelfeld des HSV seit seiner Ankunft, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Sein gestriger Auftritt im walisischen Wrexham passt da nur ins bisherige Bild. Eine edle Vorlage auf Hack zum 1:0 sowie ein eigener Treffer zum 5:1-Endstand - dann hatte Stefan Kuntz genug gesehen von seinem Debütanten. 


Doch noch viel wichtiger als Feins starke Leistung auf internationalem Parkett dürfte für den HSV-Anhang sein kurz zuvor gegenüber spox.com gegebenes Interviews gewesen sein. In dem ließ er nämlich recht deutlich durchblicken, dass ein Abschied aus Hamburg nach Ablauf dieser Saison alles andere als ein Muss für ihn darstellt. 


Verbleib in Hamburg über 2020 hinaus?


"Ich habe nie gesagt, dass ich den HSV im Sommer wieder verlassen möchte. In vorangegangenen Interviews habe ich nur gesagt, dass ich irgendwann mal für den FC Bayern spielen will. Da wurden mir die Worte ein bisschen im Mund verdreht", widersprach Fein der landläufigen Meinung, der zufolge er nach Ablauf dieser Spielzeit, und analog zu seinem Vorgänger auf der defensiven Mittelfeldposition beim HSV (Orel Mangala), die Hansestadt nach einem Jahr auch schon wieder verlassen werde. 


"Wenn es weiter so gut läuft wie aktuell, spricht nichts dagegen, zu bleiben. Hamburg ist eine tolle Stadt, der HSV ein super Verein mit unglaublichen Fans – da stimmt alles." Die Komplimente kann der HSV nur zurückgeben: Fein ist ein toller Spieler, mit Superübersicht und Technik - das stimmt alles. Sportvorstand Jonas Boldt kann man zu diesem Transfer nur gratulieren. Zumal der gebürtige Münchener für lau ausgeliehen wurde. Sachen gibt's! 


Doch damit aus seinem bislang auf ein Jahr befristeten Aufenthalt in Hamburg ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis wird, muss natürlich auch der FC Bayern mitspielen. In die eine oder andere Richtung. Wenn die Verantwortlichen an der Säbener Straße zu hundert Prozent davon überzeugt sind, dass Fein auch ihrem Mittelfeld guttun könnte, wird der Profi in seine alte Heimat zurückkehren. Sollten die Münchener aber anderweitig planen, ginge es wohl "nur" noch um die Ablösemodalitäten. Sein aktueller Marktwert liegt laut transfermarkt.de bei lächerlichen 750.000 Euro. Doch für diese Summe, selbst als Verhandlungsbasis, werden die Münchener nicht mal ein Telefonat aus Hamburg annehmen. 


Fein-Transfer: Bis zu zehn Millionen wird er wohl kosten


Verzehnfacht man diesen Wert, kommt man der Wahrheit (die ja im Fußball bekanntlich immer noch auf dem Platz ist) schon näher. Auch das wäre für den finanziell nicht überbordend aufgestellten HSV noch ein ziemliches Brett. Aber wohl stemmbar. Selbst bis zu zehn Millionen Euro scheinen im Bereich des für die Hamburger Möglichen zu liegen - immer unter der Bedingung, logisch, dass die Rothosen im kommenden Mai auch das anvisierte Klassenziel, nämlich den Aufstieg in die Bundesliga, erreichen. Mit den dann zu erwartenden Mehreinnahmen könnte die Verpflichtung gelingen. 


Dem HSV bliebe es in diesem Fall erspart, innerhalb eines Jahres jeweils einen ihrer absoluten Leistungsträger zu verlieren. Im vergangenen Jahr war die Konstellation um ​Orel Mangala eine ganz ähnliche. Der Belgier war damals ebenfalls nur eine Leihgabe (vom VfB Stuttgart). 

Während der Hinrunde, als die Mannschaft noch Kurs auf sofortigen Wiederaufstieg hielt, war Mangala einer der leistungsstärksten Hamburger. Dass er in der Rückrunde genau wie der Rest der Mannschaft abschmierte, konnte damals niemanden wirklich trösten. Der Substanzverlust nach seinem Abschied schien gewaltig. Zu gewaltig. 


Doch Adrian Fein hat es geschafft, Mangala komplett vergessen zu machen. Und nach den jüngsten Aussagen des Spieler dürfen die Fans rund um den Volkspark auch berechtigte Hoffnungen auf den Verbleib des Hochbegabten über den Mai 2020 hinaus haben.