​Als Meisterschaftsanwärter gestartet, befindet sich der BVB schon nach drei Spieltagen in einer unbequemen Situation. Nicht nur die Berichterstattung kippt in eine negative Richtung - auch manche Spieler sollen bereits frustriert sein.


Der Sommer lief für ​Borussia Dortmund eigentlich wie am Schnürchen: Erstmals seit mehreren Jahren konnte der BVB alle Leistungsträger halten (Abdou Diallo fällt nicht in diese Kategorie) und zudem erstklassige Neuzugänge verpflichten. Mats Hummels, Julian Brandt, Nico Schulz und Thorgan Hazard nährten die schwarz-gelben Hoffnungen, dem FC Bayern in der Liga nicht nur Paroli zu bieten - sondern ihn auch endlich bis zum 34. Spieltag überflügeln zu können. 


Die Testspiele in der Sommervorbereitung verliefen so flüssig, dass man gar nicht drumherum kam, den BVB als mindestens ebenbürtigen Bayern-Konkurrenten zu sehen. Doch heute, Mitte September und nur drei Spieltage nach Ligastart, herrscht bereits (wenn auch ein ganz leichtes) Rumoren rund um die Strobelallee. 


Starke Vorbereitung, schwacher Saisonstart


So stark sich die Dortmunder in der Vorbereitung präsentiert hatten, so schwach präsentieren sie sich in der neu gestarteten Bundesligasaison. Den FC Augsburg fertigte man zwar am 1. Spieltag mit 5:1 ab und auch der ​1. FC Köln musste sich anschließend mit 1:3 geschlagen geben - doch schon dort konnte man phasenweise erkennen, dass beim BVB längst nicht alles Gold ist, was glänzt. Und das Bauchgefühl (kein schmerzhaftes Ziehen, aber doch ein leichtes Grummeln in der Magengegend) sollte die BVB-Fans nicht getäuscht haben. Vor der Länderspielpause kassierte die Borussia dann eine verdiente 3:1-Niederlage gegen den Aufsteiger Union Berlin.


Soweit natürlich kein Beinbruch, zumal auch schon der ​FC Bayern gepatzt hat (zuhause 2:2 gegen Hertha BSC). Und doch kippt die Berichterstattung über den BVB bereits in eine negative Richtung, die man vor vier Wochen so niemals für möglich gehalten hätte. Am Samstag ist der BVB zuhause gegen Bayer Leverkusen fast schon zum Siegen verdammt - ansonsten wird aus dem leichten Grummeln schon ein lauteres Rumoren. 


BVB-Spieler sind frustriert - Wo ist der Konkurrenzkampf?


Die Bild berichtet, dass auch innerhalb der BVB-Mannschaft eine gewisse Unzufriedenheit und Frust herrschen. Vor allem die Tatsache, dass sich die Startelf fast von alleine aufstellt, soll laut des Boulevardblatts vielen Spielern sauer aufstoßen - der Konkurrenzkampf, vor der Saison durch die hochkarätigen Neuzugänge eigentlich noch von allen Seiten gelobt, ist erschlafft. Mit Roman Bürki, Lukasz Piszczek, Manuel Akanji, Mats Hummels, Axel Witsel, Jadon Sancho, Marco Reus und Paco Alcacer sind gleich acht Spieler (sofern sie fit sind) bedingungslos gesetzt. Kein gutes Zeichen.


Hinzu kommt, dass die Defensive Sorgen bereitet. In jedem der drei Spiele ging der BVB mit 0:1 in Rückstand - zweimal konnte man den Spielstand drehen, gegen Union eben nicht. "Wir kriegen zu viele Tore. In jedem Bundesliga-Spiel lagen wir 0:1 zurück. Das geht zu einfach, wir müssen besser verteidigen", motzte Neuzugang Brandt bereits gegenüber der Sport Bild.


Kann Favre auch Menschenfänger?


Auch Lucien Favre wirft bei so manchem Fan Fragen auf. Der Schweizer gilt als akribischer Arbeiter, als Tüftler, als Fußballgenie - aber er ist kein Menschenfänger, wie es so schön heißt. Eine Tatsache, die in Dortmund aber wichtig ist. Wichtiger als bei anderen Klubs. BVB-Legende Jürgen Kohler mahnt deshalb, dass Favre emotionaler werden und die Fans auf seine Seite holen muss - erst recht in dieser Phase, in der sich andeutet, dass die Stimmung bei weiteren ​Niederlagen gegen Leverkusen und Barcelona schnell kippen könnte. "Gelingt das nicht, kann es gefährlich werden", so Kohler zur Sport Bild.


Beim BVB herrscht derzeit Frust und Explosionsgefahr - so unglaublich das zu diesem frühen Zeitpunkt auch klingen mag. Was dagegen hilft? Erstmal ein überzeugender Sieg gegen Leverkusen. Möglichst ohne (frühes) Gegentor.