Endlich wieder Bundesliga! Allerdings ist nach der Länderspielpause vor der Länderspielpause; schon in rund dreieinhalb Wochen ruht der europäische Vereinsfußball schon wieder. Dazwischen liegen vier Bundesliga- und zwei Champions-League-Spieltage - und manch ein Trainer dürfte danach bereits um seinen Job fürchten.


Es ist bekanntlich ein beliebter Zeitpunkt für eine Trainerentlassung: Vor der Länderspielpause, um dem neuen Übungsleiter zumindest ein Minimum an Eingewöhnungszeit mit der Mannschaft zu gewährleisten. In drei Wochen könnten die ersten Schleudersitze im deutschen Oberhaus bereits aktiviert werden - zumindest bei vier potenziellen Streichkandidaten.


Martin Schmidt

Seit fünf Monaten sitzt Martin Schmidt auf der Augsburger Trainerbank. Im April übernahm der 52-Jährige die Fuggerstädter als Feuerwehrmann und erreichte das Minimalziel Klassenerhalt. Über den Sommer konnte Schmidt seine Ideen implementierten und eine komplette Vorbereitung mit dem ​FCA leiten. Das bisherige Resultat: ernüchternd. Ein Pünktchen und bereits neun Gegentore stehen in Augsburg nach drei Spieltagen auf dem Konto, Schmidts Mannschaft trat mitunter nicht bundesligareif auf. Und auch im DFB-Pokal ist schon Schluss: Gegen Regionalligisten Verl unterlag der Bundesligist in der ersten Runde mit 2:1.

Beim FCA reagierte man kurzerhand und peppelte kurz vor Transferschluss mit Stephan Lichtsteiner, Tin Jedvaj und Felix Uduokhai die Defensive auf. Im ersten Spiel mit der neu formierten Defensive setzte es gegen Bremen erneut drei Gegentore - und eine Niederlage. Sollte sich der Negativ-Trend bis zur nächsten Länderspielpause fortsetzen, dürfte Martin Schmidt ohne Zweifel auf gepackten Koffern sitzen.

Alfred Schreuder


In ​Hoffenheim trat Alfred Schreuder​ in diesem Sommer in die großen Fußstapfen von Julian Nagelsmann. Und auch die Mannschaft bekam einen neuen Anstrich: Joelinton, Kerem Demirbay, Nadiem Amiri, Nico Schulz, Leo Bittencourt und Vincenzo Grifo verließen den Verein, im Gegenzug verpflichtete die TSG für überschlagene 40 Millionen Euro neues Personal. Es ist wieder mal ein Projekt, das im kleinen Hoffenheim gestartet wurde - und es ist über alle Maßen spannend.


Bislang bleiben jedoch die Ergebnisse aus. Im DFB-Pokal setzte man sich erst im Elfmeterschießen gegen die Würzburger Kickers durch, am ersten Spieltag setzte es in der Bundesliga zudem eine Niederlage gegen Eintracht Frankfurt. Zugegeben: Das Auftaktprogramm der TSG hat es in sich. Immerhin konnte das Team von Alfred Schreuder anschließend vier Punkte gegen Bremen und Leverkusen einfahren. Mitunter spielte Hoffenheim aber einen schwachen Fußball; verständlich, nach dem Umbruch im Sommer. Sollte die Mannschaft in den kommenden Wochen in ein Loch fallen, könnte Alfred Schreuders Stuhl kippeln. Jedoch nicht allzu sehr; bei der TSG arbeitet man seit Jahren seriös und glaubt an die eigenen Projekte. 


Ante Covic


Ebenfalls in große Fußstapfen trat Ante Covic in Berlin. Bei der ​Hertha beerbt Covic mit Pal Dardai eine absolute Vereinslegende, die in viereinhalb Jahren als Trainer die ein oder andere Duftmarke setzen konnte. Eine ähnliche Duftmarke setzte die Alte Dame am ersten Bundesliga-Spieltag, als man Bayern München in der Allianz Arena einen Punkt entlocken konnte. 


Anschließend setzte es jedoch deutliche Klatschen gegen Wolfsburg und Schalke (jeweils 3:0). Die Hertha steht nach drei Spieltagen im Keller und muss schleunigst an der defensiven Stabilität feilen. Den sprichwörtlichen Bock stößt ja vielleicht Marius Wolf um; der flexible Rechtsaußen kam am Deadline Day vom BVB und gilt als designierter Nachfolger von Valentino Lazaro. Bleiben die Ergebnisse jedoch weiterhin aus, muss sich Ante Covic in dreieinhalb Wochen umschauen.​


Sandro Schwarz


Sandro Schwarz und der ​FSV Mainz 05 sind in der Bundesliga Everybodys Darling. Seit Jahren arbeiten die Rheinhessen fleißig mit Winz-Etat und zaubern immer wieder Überraschungen aus dem Hut. Den nächsten Schritt auf dem Mainzer Weg soll Sandro Schwarz initiieren, der in der vergangenen Saison zwar gute Ansätze zeigte, am Saisonende dennoch um den Klassenerhalt kämpfte. Dass Mainz 05 trotzdem am Trainer festhielt, zahlte sich aus.


Die Nibelungen-Treue für Sandro Schwarz ist allerdings irgendwann erschöpft. Und nach dem Pokalaus gegen Kaiserslautern und drei Niederlagen zum Bundesliga-Auftakt (mit 12 Gegentoren!), steht Schwarz das Wasser bereits bis zum Halse. Während der Länderspielpause hatte der 40-Jährige Zeit, die Mannschaft neu zu justieren. Sollte ihm das nicht gelungen sein, könnte in dreieinhalb Jahren Schluss für Schwarz in Mainz sein.


Achim Beierlorzer

Vorweg: Ebenso wie Alfred Schreuder muss sich Achim Beierlorzer von den genannten Trainern mit am wenigsten Sorgen um die Sicherheit seines Jobs machen. Immerhin coacht er mit dem ​1. FC Köln einen Bundesliga-Aufsteiger; da werden Erwartungen ja eher tiefgestapelt. Oder auch nicht: In der Domstadt ist der Klassenerhalt lediglich das Minimalziel, die Geißböcke wollen die obere Tabellenhälfte anpeilen.

Dass man in Köln diesen Kurs fährt, bewies man in der vergangenen Saison eindrucksvoll, als Markus Anfang als Tabellenführer der zweiten Bundesliga entlassen wurde! Beierlorzer konnte mit dem FC an drei Bundesliga-Spieltagen lediglich drei Punkte einfahren und sich in der ersten DFB-Pokalrunde erst im Elfmeterschießen gegen Wehen Wiesbaden durchsetzen. Das muss bis zur nächsten Länderspielpause besser werden - ansonsten wird das Eis unter Achim Beierlorzers Füßen dünner.